Archiv der Kategorie 'was tun?'

Würzburger Schandtaten.

Die Freundinnen und Freunde des Post-Prä-Bikri haben Mut bewiesen! Sie haben die Qual über sich ergehen lassen, dass „Pferd-Tret-Festival“ zu besuchen und darüber auch noch ihre Eindrücke der Welt zu präsentieren. Aber liest selbst:

Es ist manchmal sehr interessant, wie manche Menschen dem Sog des Sommerlochs in Würgtown zu entkommen versuchen. Kaum zu glauben, ist einmal die übliche Klientel des Bildungsstreiks aus der Stadt, geschehen durchaus amüsante Sachen. Zu unserer Schande müssen wir gestehen, bei Critical Mass waren wir nicht und können folglich auch nicht einschätzen, was das für Menschen sind und ob sie mit dieser Stadt und diesem Sommer mehr Probleme haben, als dass in Würgtown kein nötiger Respekt den FahrradfahrerInnen entgegengebracht wird.

PS: Der Hype steckt in der Klemme, pardon (!) – Presse fest. Nächste Woche ist es soweit.

Was tun? Teil II

Teil II der Reihe von Gernot Riesenkäfer

1, Wie man einen Riesenkraken in seiner Wohnung hält

Zunächst ist es wichtig, zu wissen, dass Kraken extrem lichtempfindliche Tiere sind. Es ist daher zunächst wichtig, ein geeignetes abgedunkeltes Umfeld zu schaffen. Dies erreicht man am besten dadurch, dass man die Fenster der Wohnung zumauert.

Dann dichtet man die Wohnung sorgfältig und druckbeständig ab. Sinnvoll ist es bereits jetzt, die Einrichtung auf ihre Wasserfestigkeit zu durchmustern und gegebenenfalls nachzurüsten. Gute Dienste leistet hier Kunstharz, mit dem man sämtliche Einrichtungsgegenstände gut und dauerhaft versiegelt.

Man muss darauf achten, dass das Wasser, das man hiernach einlässt, den richtigen Salzgehalt und die richtige Temperatur hat: Riesenkraken sind Kaltwassertiere der subarktischen Tiefsee, der Salzgehalt sollte nicht zu hoch sein.

Ein Riesenkraken wird bis zu 13 Metern lang, die Wohnung sollte also unbedingt gross genug bemessen sein! Riesenkraken brauchen viel Bewegung, sie sind schnelle und ausdaurnde Schwimmer. Bitte beachten Sie, dass auch der Wasserdruck den Verhältnissen in 200 Metern Tiefe angenähert sein sollte! Es empfiehlt sich, die Wände rechtzeitig angemessen verstärkt zu haben.

Um sich selbst im ca 5 Grad (Celsius) kalten Wasser der Wohnung fortzubewegen, empfiehl sich ein Neoprenanzug mit ausreichend grossen Sauerstoffflaschen, eine Lampe sowie – unbedingt! – eine Harpune, um sich gegen den Kraken erforderlichenfalls durchsetzen zu können.

Hier wären wir schon beim wichtigsten Thema: der Kraken braucht grosse Mengen Fisch zu essen, die er sich entweder in den dunklen Tiefen Ihrer Wohnung erjagen muss oder, wahrscheinlicher, die Sie ihm zuführen müssen. Sie können mit einer Menge von ca. 200 kg pro Woche einen mittleren Kraken bereits satt und glücklich machen.

Zu unvergesslichen Abenden mit Freunden bei der Fütterung Ihres neuen Haustiers gratuliert bereits jetzt

Gernot Riesenkäfer.

2. Wie man die Menschen für seine Sache gewinnt

Oft ist es, gerade für politische Aktivisten, schwierig und frustrierend, dass ihre Positionen in der Öffentlichkeit nur selten und wenn, dann verzerrt, zur Kenntnis genommen werden. Ich habe deshalb Ihnen, meine sehr verehrten Leserinnen und Leser, zur Handreichung ein paar kleine Ratschläge zusammengestellt, mit denen Sie die Menschen für Ihre Sache gewinnen können.

a) Der Flugzettel

Das wichtigste ist natürlich der Flugzettel. Er sollte einfache oder doppelte Postkartengrösse haben und beidseitig eng (zweispaltig, Blocksatz, Times New Roman, 8pt) bedruckt sein. Gut sind witzige Zwischenüberschriften, am besten englische Songzeilen, die sich gut abheben gegen den zumeinst lateinischen Haupttext. Sprechen Sie über nichts, was sie nicht ausfühlrich aus den Kategorien Staat und Kapital ableiten! Sie beweisen damit Wahrhaftigkeit. Scheuen Sie sich nicht davor, immer dasselbe zu sagen. Irgendwann, seien Sie sich gewiss, wird es verstanden werden.

Fürchten Sie nicht Begriffe, die Sie nicht verstehen; das Publikum versteht sie auch nicht besser als Sie, sie werden also nicht blamiert werden. Auch keine Sorge bei Sätzen, die selbst Sie schwer verstehen: so etwas erregt Respekt.

Das wichtigste ist aber, bei allem, was Sie schreiben, Ihre Ausführungen an den gesunden sittlichen Anschauungen anzudocken, die wir doch alle miteinader teilen. Wenn es Ihnen nicht gelingt, Ihre Anschaungen mit allgemein geteilten Werten zu vermitteln, werden Sie als sog. Extremist ausgelacht werden. Das schadet der Wirkung.

b) Der Umzug

Veranstalten Sie doch einen Umzug! Das ist lustig und macht Eindruck. Tun Sie sich zusammen, setzen Sie entschlossene Gesichter auf, ziehen Sie durch die Stadt! Vergessen Sie nicht, schwarz zu tragen, die Farbe der Todfeindschaft gegen diesen Staat und diese Gesellschaftsordnung. Untermalen Sie dieses militante Auftreten mit Parolen, die jedermann versteht und mit denen alle etwas anfangen können: „Nazis raus!“ ist ganz gut, aber „Nieder mit dem Bullenterror!“ ist auch nicht schlecht. Sie zeigen damit dem Bürger auf der Strasse, dass Sie sich keineswegs gegen den Staat, sondern gegen Überschreitungen von Kompetenzen wenden wollen. Vergessen Sie nicht: Weniger als 5% der Bevölkerung wären bereit, an einer Demonstration unter der Parole „Mehr Bullenterror!“ teilzunehmen.

Den Umzug krönen Sie mit Redebeiträgen, deren Text Sie am Abend vorher hastig dem Internet entnehmen. Lesen Sie sie nicht zu gründlich durch, das verleiht dem ganzen eine gewisse Spontaneität. An Stellen, die Sie beim Vortrag plötzlich entdecken, an denen für Sie untragbare Positionen ausgedrückt werden, kommen Sie übrigens geschickt vorbei, indem Sie noch undeutlicher reden. Ganz mutige lösen die peinliche Situation, die entstehen könnte, durch lautes Lachen auf.

Um zu verhindern, dass das alles etwas langweilig wird, geben Sie während des Umzugs regelmässig neue Parolen aus. Keine Sorgen, wenn sie thematisch nicht recht passen wollen! Die Abwechslung ist das Geheimnis jeder guten Party. Skandieren Sie bei einer Demo gegen Gen-Mais auch gerne Sprechchöre zugunsten der Freilassung von politischen Gefangenen.

Fortsetzung folgt

Was tun?

Teil I: Wie man die Sprache der Vögel lernt und ein beliebter Gesellschafter wird

Es ist nicht ganz unwichtig, folgende Verhaltensempfehlungen sorgfältig durchzulesen. Sie werden, wenn sorgfältig appliziert, hervorragende Ergebnisse erzielen. Wir dokumentieren den ersten Teil der Reihe von Gernot Riesenkäfer.

1. Wachen Sie eines Tages auf, um entsetzt festzustellen, dass Sie die Sprache der Vögel sprechen. Machen Sie Ihre Mitwelt auf diese höchst bedeutende und verstörende Veränderung aufmerksam, indem Sie laut piepend die Strasse entlangflattern.

2. Versuchen Sie, die schlechten Angewohnheiten, mit denen Sie Ihrer Mitwelt oft ohne jede Absicht auf die Nerven steigen, zu erkennen und abzulegen. Viel bessere Ergebnisse können Sie erzielen, wenn Sie sich irritierende neue Angewohnheiten zulegen, um Ihrer Mitwelt bewusst und gezielt auf die Nerven zu steigen.
Blicken Sie zum Beispiel während eines Gespräches öfter angestrengt an Ihrem Gesprächspartner vorbei an einen bestimmten Punkt ins Leere. Entgegen dem allgemeinen Glauben ist es auch jemandem, der die Angewohnheit genau kennt, unmöglich, nicht in ein unbehagliches Gefühl zu verfallen. Es hängt allerdings von der eigenen Übung ab.
Kündigen Sie einen Satz mit gewichtigem Tonfall an, vergessen Sie aber nach drei Worten, was Sie sagen wollten, und gehen wortlos (und vielleicht kopfschüttelnd) davon.

3. Erzeugen Sie mysteriöse Geräusche, um in Ihrem Gesprächspartner das Gefühl zu erwecken, er höre Dinge, die nur in seinem Kopf stattfinden. Leugnen Sie strikt und erstaunt ab, das Geräusch selbst gehört zu haben. Die besten Resultate erzielen mit einem Minimum an Lippenbewegungen hervorgerufene Geräusche, die an panische Schreie in der Ferne oder ähnliches erinnern, oder der leise gesprochene Vorname des Gesprächspartners (üben Sie das vor dem Spiegel!). Oder erfinden Sie seltsame kleine Sätze ohne Sinn, aber mit debil-faszinierend eingängigem Rhythmus.

4. Fangen Sie, wenn man Ihnen etwas erzählt, plötzlich breit an zu grinsen. Bitten Sie darum, einen willkürlich ausgewählten Satz zu wiederholen, grinsen Sie erneut. Hören Sie dann bis zum Ende weiter zu, ohne ein Zeichen von Interesse zu zeigen. Oder wiederholen Sie ein Wort Ihrer Wahl selbst, mit allen Anzeichen der Erleichterung, und lassen Sie danach den Vortrag seinen Fortgang nehmen. Sie verleihen damit den Gesprächen mit Ihrer Umgebung den Zauber der Abwechslung.

5. Lernen Sie, ungenau zu hören und zu sehen. Wer nicht genau wahrnimmt, nimmt wesentlich bessere Sachen wahr. Vergessen Sie nicht, sofort nachzufragen, ob die von ihnen grotesk misshörte Stelle wirklich so gelautet haben kann. Unterbrechen Sie hierfür ohne Zögern jede angeblich noch so wichtige Ansprache. So werden Sie lernen, wirklich wichtiges von unwichtigem zu unterscheiden.

6. Sprechen Sie bestimmte seltenere Worte auf eigentümliche Art falsch aus. Tun Sie, darauf angesprochen, so, als sei ihnen den Unterschied gar nicht bewusst. Benutzen Sie für manche seltenere Worte selbst erfundene, fremdartig klingende dialektale Wendungen. Damit beweisen Sie zugleich weitläufige Weltkenntnis und rührende Bodenständigkeit.

7. Achten Sie bei Leuten, die mit Ihnen sprechen, immer auf die Ohrläppchen oder andere Teile des Gesichtes. Unterbrechen Sie auch längere Ausführungen, wenn nötig, um auf Ihrer Meinung nach auffällige Besonderheiten dieser Körperpartien hinzuweisen. Sie vermitteln damit allenthalben das beruhigende Gefühl, Sie nähmen Interesse an Ihren Gesprächspartnern als menschlichen Wesen in allen ihren Eigenheiten.

8. Üben Sie langweilige Wortspiele und Witze, die sich reimen. Wenn Ihnen ein scheinbar belangloser Satz im Kopf herumgeht, und das wird oft der Fall sein, scheuen Sie sich nicht, ihn zu einer Fantasiemelodie zu singen. Meistens wird sich dadurch auch sein bisher verborgener Sinn rasch erweisen.
Erklären Sie jede Pointe. Gute Witze gewinnen mit jeder Erklärung bisher unbekannte Aspekte und neue Facetten.
Als Ideal muss Ihnen vor Augen stehen, schliesslich ein Mensch zu werden, mit dem kein vernünftiges Wort mehr zu reden ist.

9. Benennen Sie die Dinge Ihrer Umgebung mit Anreden, z.B. Herr Messer oder Frau Gabel. Unterhalten Sie sich mit den Dingen, mit denen Sie zusammenarbeiten. Sie werden feststellen, dass es dem Arbeitsklima gut tut und beide Seiten erfreut. Entschuldigen Sie sich, wenn Sie einem Ding unrecht getan haben. Es wäre nicht gut, unversöhnt von einem Ding zu scheiden.
Entwickeln Sie so Ihre Fähigkeit zur Empathie zu grotesken Dimensionen.

10. Beginnen Sie zuletzt, harmlose Gegenstände zum Zentrum kultischer Verehrung zu machen. Fahren Sie damit fort, absolut idiosynkratisch auf gewisse Kombinationen von Worten, Geräuschen, Abläufen zu reagieren. Sie werden schliesslich zu völlig unerwartetem Handeln fähig sein. Erklären Sie Ihrer Mitwelt auf Nachfrage die Beweggründe ausführlich, aber ohne jede Hoffnung auf Verständnis.

Nächste Folgen:
- Wie man einen riesigen Turm baut
- Wie man in seiner Wohnung einen Kraken hält
- Wie man die Menschen für seine Sache gewinnt