Archiv der Kategorie 'heft 2'

Wir haben einen Gewinner

Zu unserem Annoyed-Rätsel in der Ausgabe #2 schrieb uns Daniel P. aus W..:

„aloha….

die „nie wieder deutschland“ lp ist von annoyed aber nicht von denen, sondern von einer würzburger combo aus den 80ern. hab sie vor ein paar jahren leider verscherbelt, punkrockgott i. sollte allerdings noch ein exemplar sein eigen nennen!

cheerio dope“

Danke, Daniel W. Dass die Annoyed von damals mit den Annoyed von heute nicht identisch sind, war uns bekannt (wie gesagt), nicht aber, wer noch eine solche Platte hat.

Ein Abonnement für Daniel P. aus W. auf Lebenszeit, meine Damen und Herren.

Geschafft!

Die Printversion der August/September-Ausgabe ist fertig gelayoutet, Ende der Woche liegt sie aus. Yes ya!

Hören & Schmecken

Die Seite für moderne Kultur

Heute gehen wir ins Konzert

Das Konzert als solches ist eine bemerkenswerte Veranstaltung. Viele Leute sitzen in einem mehr oder weniger großen Saal, seit einigen Jahren stehen diese – vor allem die jüngeren Leute – auch herum, und haben Freizeit, die sie mit dem Konsum von Geräuschen zu füllen gedenken. Diese Geräusche hinwiederum werden von anderen Leuten fabriziert, welche dabei zumeist arbeiten und zu diesem Zweck auf einem ausreichend großen Raum, der Bühne – idealerweise frontal zum Publikum ausgerichtet, mit allerlei Gerätschaften hantieren. Das Schallwellenausstoßen ist dann Kunst, das ist weder Arbeit noch Freizeit, aber doch auch irgendwie beides. Auf jeden Fall sollte alles so eingerichtet sein, daß das Auditorium hören kann, dabei ausreichend Platz hat und nicht über die Maßen durch harte Sitze oder Witterungseinflüsse gequält und so an der Hörtätigkeit gehindert wird. Die Künstlerinnen und Künstler dagegen dürfen gerne durch Scheinwerfer geblendet und in irgendwelche albernen Kostüme gesteckt werden, so sie nur ausreichend Raum für das Instrumentieren haben. Dieser Platz wiederum hängt von der Beschaffenheit des Klangerzeugers ab, der zum Einsatz kommen soll: Posaunen, gestrichene Kontrabässe und die beim Jazz und der Beatmusik stets vorausgesetzten Schlagzeuge brauchen mehr Fläche als so ein Hemd von Tenor der halt bloß nicht erkältet sein darf.

Ja, so ist das idealiter. Aber die Wirklichkeit! Beginnen wir mit der offiziellen Hochkultur. Das Stadttheater, ach ja äh, Mainfranken Theater, ist ein Ort, an dem man beim Lauschen der dort regelmäßig gegebenen Symphoniekonzerte sitzen und zudem ganz ruhig sein muß. Der Bau ist modern, die Sitze bequem, lästig bloß die Diskussionen unter den im Sonntagsstaat angerückten kunstbeflissenen Franken, ob das gute Eintrittsgeld nicht doch für eine Mundartkomödie hätte ausgegeben werden sollen. Der Beifall beim Einströmen des Ensembles und endlich auch des höchstselbst den Taktstock schwingenden Generalmusikdirektors beendet all solche Debatten. Jetzt wird aber nicht gekleckert, sondern mit Mahlers Auferstehungssymphonie richtig geklotzt: Große Besetzung, Chor, zweites Orchester vor der Türe, Gesangssolistinnen. Also etwa zweimal so viele Leute (die übrigens wirklich arbeiten und also auch Geld bekommen), wie die Bühne vernünftigerweise fassen könnte. Jetzt hebt ein Gerutsche und Füßetreten und Violinenbogengesteche an, das so schön mit der Feierlichkeit der Mahlerschen Auseinandersetzung mit der Endlichkeit des irdischen Daseins und eben der Wiederauferstehung des Menschen kontrastiert, daß es eine wahre Freude ist. Nach knapp eineinhalb Stunden Sitzen, ohne Pause und mit einem zunehmend schmerzenden Knie und somit dem Verfall der Leiblichkeit schon dringlich gewahr, lausche ich andächtig dem Chor beim Schlußsatz:

Aufersteh’n, ja aufersteh’n wirst du,
mein Herz, in einem Nu!
Was du geschlagen,
zu Gott wirst du es tragen.

Mich trug mein Herz – am Arme meiner Liebsten – in den nächstgelegenen Biergarten… Aber sehr schön ist es gewesen, das Konzert mein ich; im Biergarten schon auch, aber das Konzert war halt so richtig schön.

Nächstens wollte ich zur Session der Studenten der Jazz Abteilung der Hochschule für Musik. Dies Ereignis findet jeden Montag in einem hiesigen Veranstaltungsort mit einiger Tradition, dem OMNIBUS statt. Wie immer etwa eine halbe Stunde nach dem offiziellen Termin – 21h – und somit etwa ½ Stunde vor den Musikern (so ist das dort Brauch) steuere ich zunächst zum Tresen. Nichts da! Eine unüberschaubare Menge Leute mit Blasinstrumenten aller Art drängen sich derart auf dem kleinen Bühnchen, daß sich ein Vorbeischleichen zum Bierausschank schwierig gestaltet. Im Kellergewölbe ist dann genug Platz für das Publikum, ausgiebig mit Gläsern herumzufuchteln und den Künstlern und der einen Künstlerin beim Tuten und Tröten zuzuhören und dabei zudem die Ausweichbewegungen der armen Saxophonisten, welchselbige direktemang vor den Posaunen zu sitzen gekommen waren, zu kommentieren. Die Big Band der Musikhochschule! Schon auch sehr schön. Also: Wirklich richtig gut! Aber ob die Studiosi auch gutes Geld bekommen – Eintritt wollten sie dieses Mal haben – weiß ich jetzt nicht, immerhin ist Studium ja nur Einüben von Arbeit…

Daß ich dann im IMMERHIN (Diese location muß ich hier ja nicht erst vorstellen) beim Konzert von Kids Explode wieder mal gestapelte Musiker auf zu kleiner Bühne vor einem Publikum mit ausreichend Platz für raumgreifende Tanzschritte (die niemand wagte) zu sehen bekam, kam nun nicht unerwartet. Das Konzert war ganz ausgezeichnet und ich trank noch am Tresen mit einem der Herren musici, der war auch sehr nett. Die Frage nach Kunst und Freizeit und Arbeit und dem Geld habe ich höflicherweise nicht gestellt. Es gab da noch eine zweite band, der Eintritt war niedrig und viel Leute waren nicht dorten gewesen; sonst hätten sie ja nicht getanzt weil sie nicht hätten können und nicht, weil sie nie nicht gewollt hatten.
Tja, aber jetzt endlich zur Küche: Alles durcheinander, aber doch etwas gemein: wenig Platz nämlich. Hm. Das muß ein Eintopf sein. Für einen Eintopf, an dem die entlegensten Dinge zusammen kommen, der auch noch, nun ja: günstig ist, und der zudem nur so ungefähren Regeln gehorcht, suche ich im Fundus meiner Rezepte aus der alten Heimat, von wo ich einst den Schritt in die Mainfrankenmetropole getan hatte: Schwaben. Ja, ein eigenartig Völklein mit noch eigenwilligerer lokaler Küche. Voila!

Der Gaisburger Marsch.
In einem Topf etwa ein Pfund Fleisch mit zwei klein geschnittenen Zwiebeln kurz anbraten, dann mit Weißwein ablöschen mit etwa 2 l Brühe aufgießen und kochen. Nach etwa einer Stunde eine ganze Zwiebel, zwei grob gewürfelte Karotten, etwas Sellerie, reichlich Petersilie dazu geben. Etwa vier mittelgroße Kartoffeln schälen und in Schnitze schneiden und fast gar kochen. Aus drei Eiern, drei gehäuften Eßlöffeln Mehl, einem Kaffeelöffel Salz und einem Schuß Milch einen Spätzleteig rühren. Die Spätzle mit Hilfe eines „Spätzlehobels“ in kochendes Salzwasser tropfen lassen, aus dem Schaum heben und dann gemeinsam mit den Kartoffeln in die Fleischbrühe geben, darin noch ein Weilchen ziehen lassen, dann servieren.
Varianten mit diversem Gemüse sind zahllos denkbar und auch verbreitet.
Meine Damen und Herren, dieses Gericht existiert tatsächlich und wurde nicht von mir grad zur Gaudi erfunden. Bei unseren südwestlichen Nachbarn fällt es unter die Kategorie „faschd a g’scheids Ässa“.
Gell?

Mahlzeit wünscht
Rainer

Das nächste mal dann wirklich vegetarisch und mit verschiedenem Zeuchs in verschiedenen Töpfen und Pfannen. Ich versprechs!

Ein Gespenst geht um in Europa- das Gespenst des Schwarzen Blocks

Die heftigen Reaktionen auf die Ausschreitungen der so genannten Autonomen sagen viel über den reformistischen Zustand weiter Teile der GlobalisierungskritikerInnen aus. Und viele Argumente eben dieser KritikerInnen, voll bepackt mit fetischisierter Revolutionsromantik, ähneln der Politik der neuen Linkspartei bis ins Detail. Wo es trotzdem sinnvolle Ansätze gab, was ATTAC dazu zu sagen hatte und ob ein Stein ein Argument sein kann.
„Wir wollten, dass von Rostock diesmal andere Bilder ausgehen als jene Bilder, die die Pogrome von 1992 hervorbrachten. Dieses Ziel haben wir verfehlt.“ Monty Schädel muss es genau wissen. Er ist ja immerhin Sprecher der Deutschen Friedensgesellschaft. Im Stern-Interview mit Schädel ließ der Organisator der Großdemo in Rostock daher all seinen Frust heraus und kuschelte sich in die schützenden Arme der bürgerlichen Gesellschaft. Mit seinen Nazi-Vergleichen befand er sich dabei in guter Gesellschaft. Die mediale Hysterie, die die bundesdeutsche Presse schürte, hätte den Namen „Deutschland sucht die Nazi-Metapher“ redlich verdient. Auch ATTAC sah sich natürlich zu einer Reaktion gezwungen. Werner Rätz, Sprecher von ATTAC, schämte sich in Grund und Boden: „Wir müssen uns entschuldigen. Was geschehen ist, hätte so nicht passieren dürfen. Es tut uns mehr als leid.“
Nicht, dass es irgendjemanden verwundert hätte, dass die Schmusekätzchen unter den GlobalisierungskritikerInnen sich eilig von den „ Autonomen“ distanziert haben. Das ist ATTAC Mitgliedern wie Heiner Geißler auch schuldig. Realpolitische Forderungen wie die Einführung der Tobin-Steuer klingen sowieso eher nach einem Wahlprogramm als nach einem antikapitalistischen Manifest. Jedoch dürfte es einige von ihren roten Socken gehauen haben, als sich auch die Interventionistische Linke (IL), die als bundesweiter Zusammenschluss linksradikale Inhalte in die Bewegung tragen wollte, klar von der Gewalt distanzierte, die aus ihrem eigenen Demoblock kam. Spätestens nach den Reaktionen der IL müssen sich die letzten IdealistInnen von der Illusion verabschieden, dass irgendwer in einem großen Bündnis radikale Inhalte transportieren kann, sofern die Gemeinsamkeit nur ein diffuses Gefühl der Ablehnung ist.
Und dennoch gab es auch einen Teil bei den Protesten gegen die G8, der sich vornahm, eben nicht in der substanzlosen Masse der GlobalisierungskritikerInnen unterzugehen und trotzdem die Kritik am Bestehenden zu äußern. Zum Beispiel das Ums-Ganze-Bündnis , bestehend aus, nennen wir sie „Post-Antifa-Strukturen“, das zum „unversöhnlichen Akt der Negation“ aufrief und sich gegen strukturellen Antiamerikanismus und Antisemitismus aussprach. Die Reaktion des Ums-Ganze-Bündnis auf die Ausschreitungen war in Folge dessen auch die außergewöhnlichste: „Liebe Polizeibeamten, behindern sie keine antikapitalistischen Aktionen, machen sie sich nicht mit den Gewalttätern in ihren Reihen gemein und distanzieren sie sich vor allen Dingen auch räumlich von diesen Gewaltgeilen“, so die Pressesprecherin der Autonomen Antifa [f], die ebenfalls am Bündnis beteiligt ist. Das ein solcher Standpunkt im Rahmen der G8-Proteste geäußert wird, wäre zweifellos ohne antideutsche Prägung nicht möglich. Kaum einE jungeR ErwachseneR mit einer linksradikalen Sozialisation ist im Jahre 2007 nicht von antideutschen Positionen beeinflusst. Das ein Teil der damaligen antideutschen GesellschaftskritikerInnen heute dennoch alles, was sich Linksradikal nennt, zu einer antisemitischen Masse verwursten will, zeugt von einer klaren Rot-Braun-Farbenblindheit.
Wirklich leid taten mir im Rückblick nicht die Gruppen, die sich durch die militanten Aktionen in ihrem friedlich-bürgerlichen Selbstverständnis verletzt sahen, sondern diejenigen, die es gar nicht nötig hatten sich von den Ausschreitungen zu distanzieren und dennoch von den Medien zur substanzlosen Masse der „friedlichen DemonstrantInnen“ gemacht wurden. Gruppen wie die Clowns Army und die Hedonistische Internationale oder alternative Aktionsformen hatten somit kaum Chancen, von großen Medien wahrgenommen zu werden.

Kommen wir endlich zu den so genannten Autonomen selbst. Es ist unumgänglich, dass eine reformistische oder parlamentarische Linke sich stets von ihnen distanziert. Immerhin versucht sie, den bürgerlichen Mainstream auf ihre Seite zu bringen oder die Politik als NGO von ihren Anliegen zu überzeugen.
Ein Großteil der Linksradikalen, die sich an den Ausschreitungen beteiligten, hatten bereits vor dem Gipfel erlebt, dass die Repression und die staatliche Überwachung aller Lebensbereiche beachtliche Züge annimmt: Die Razzien in autonomen Zentren und angedrohte Sicherheitsverwahrungen von Linksradikalen sind nur wenige Beispiele dafür. Am 16. Juli, mittlerweile nach dem Gipfel, war es aufgrund polizeilicher Schikanen nicht einmal möglich, eine Antifa-Demonstration gegen das Sommerfest der bayerischen NPD in Schmidgaden durchzuführen. Es wird dabei zunehmend schwieriger, eine radikale Kritik zu formulieren, ohne daran von staatlichen Behörden gehindert zu werden. Der Ruf nach einer vollkommenen Gewaltfreiheit auf Demonstrationen ist für die Militanten eine Farce, da sie zum Einen durch die Repression nackte Gewalt erfahren, zum Anderen die strukturelle Gewalt des Kapitalismus für jedeN spührbar ist. Ein Teil der DemonstrantInnen hat sich entschieden, sich in Rostock nicht an die Demoabsprachen mit den StaatsschützerInnen zu halten, sondern den alltäglichen Krieg auf der Demo sichtbar zu machen, den das bürgerliche Bewusstsein ausblendet. Oder um es mit den Worten eines Mobilisierungsvideos des Ums-Ganze-Bündnisses zu sagen: „Was das System verdient, ist nicht der Dialog, sondern ein unmissverständliches FUCK YOU!“
Selbstverständlich ist durch die Militanz in Rostock keine Revolution ausgebrochen. Es wurde den Verhältnissen nur symbolisch der Krieg erklärt. Dieser Kriegserklärung wurde jedoch ein fabelhafter Sendeplatz in der Tagesschau am 02. Juli eingeräumt. Kein Oskar Lafontaine, kein Ströbele und schon gar keine ATTAC-Parteisoldaten durften über ihre großen Taten berichten, sondern Aktionen, die sich an keine Kooperationen mit der Polizei hielten und dem Volk keinen Honig ums Maul schmierten, bestimmten das Bild. Mittlerweile ist klar, dass von den 433 verletzten PolizistInnen, die in den ersten hysterischen Presseberichten gemeldet wurden, lediglich zwei ins Krankenhaus mussten.
Natürlich haben die Militanten keine gemeinsame theoretische Grundlage. Zu diffus ist ihre Zusammensetzung. Dennoch sind die Vergleiche mit Nazis vor allem aus dem Grund aus der Luft gegriffen, da gerade die Post-Autonomen und Post-AntifaschistInnen, welche wohl zum größten Teil an den Ausschreitungen beteiligt waren, eine konsequente Kritik am strukturellen Antisemitismus und Nationalismus einiger GlobalisierungskritikerInnen teilen. Ebenso wenig gehen sie im kollektivistischen Wir-Gefühl der GlobalisierungskritikerInnen unter und scheuen sich trotzdem nicht davor, im Sinne einer Politik der ersten Person ihre radikale Ablehnung des Kapitalismus zum Ausdruck zu bringen, auch bei Gipfeln wie dem G8-Meeting.
Logisch ist, dass die Vielfältigkeit der Aktionsformen, die immer wieder in den Reihen der GlobalisierungskritikerInnen geäußert wird, solange keine Militanz einschließt, wie sich die meisten am Protest beteiligten Gruppen als bürgerliche Interessengruppen innerhalb des Kontexts von Nation und Kapitalismus darstellen. Es stimmt zwar: Steine sind keine Argumente. Aber Reformismus ist auch keine Revolution, sondern lediglich die Bestätigung des Status Quo.

Von Yvonne Hegel

Kapitalistischer Schrott

Etwas mehr als 20 Jahre Cernobyl. Ein paar Jahre angeblicher Atomausstieg. Und unzählige Jahre des beleidigenden Geschwätzes von den sogenannten sichersten Reaktoren der Welt, die wir hier stehen hätten. Der sozialistische Schrott in Chernobyl war Schrott, ja, unbestritten; und dann, als er in die Luft geflogen war, hat Gorbatchevs Staat es erst zugegeben, als es schon überall messbar war.

Hier, bei „uns“, kann so etwas natürlich nicht passieren. Hier haben „wir“ sogenannte westliche Sicherheitstechnik. Hier wird kein Atomkraftwerk explodieren, nur weil sich zufällig herausstellt, dass die Kühlstäbe von unten in den Reaktor eingeschoben werden müssten, aber nicht mehr können.

Hier können höchstens Kühlstäbe nicht mehr in den Reaktor eingeschoben werden, weil sie sich in der Hitze verbogen haben. Hier wird man nicht die Fehler von Chernobyl nochmal machen. Wieso auch, es gibt genug eigene, die man machen kann.

Die kapitalistische Atomwirtschaft ist Mord, so wie die sozialistische Atomwirtschaft Mord war. Vattenfall hat in einer Handvoll Monaten fast 3 Kernschmelzen produziert, und das ist nur das, was man nachträglich erfahren hat; auch bei e.on hat es gebrannt, wie man heute weiss, und dabei ist noch lange nicht eingerechnet, was man nicht weiss.

Und auch hier war erst gar nichts, dann ein bisschen was, und dann kann man immer noch den Vattenfall-Chef feuern und hoffen, dass alle dann glauben, damit hätte sich irgendetwas geändert.

Das wirklich schlimme ist, dass es stimmt. Es glauben wirklich alle. Niemand erhebt Einspruch. Niemanden scheint es zu wundern, immerhin, es ist nichts neues; aber wo ist auch nur die mindeste Spur des Protestes?

Wo ist die ruhmreiche Anti-Atom-Bewegung? Wo sind die wackeren Kämpen, die immer Betroffenen, die Mütter gegen Atomkraft und die sonstigen Vereine für Umwelt- und Lebensschutz, die bisher noch nie vor einer Mahnwache zurückgeschreckt sind? 20 Jahre nach Chernobyl ist etwas passiert, nach dem auch der letzte Idiot nicht mehr glauben kann, dass so etwas nicht jederzeit auch hier passieren könnte. Und alles schweigt. Schweigend lassen sie die Verantwortlichen Schadensbegrenzung betreiben, das heisst: Vertuschung.

Die Wahrheit ist: es gibt da nichts mehr. Nicht mehr die Anti-Atom-Bewegung, nicht mehr die Linke, schon lange nicht mehr ihre wenigen Stärken und nicht einmal mehr ihre vielen Idiotien; nicht mehr als Objekt der Kritik, nicht einmal mehr des Spottes. Es gibt uns und sonst nichts, und das ist erschütternd wenig.

Die bisherige Anti-Atom-Bewegung hat gezeigt, dass sie in kritischen Momenten verstummt. Der Weg wäre also frei, immerhin, ohne die Kontamination des Lebens- und Heimatschutzes, der in dieser Bewegung niemals gefehlt hat, in Erinnerung zu bringen, dass eine Gesellschaftsordnung, in der solche Kraftwerke betrieben werden können, nichts anderes ist als die vollendete Verneinung des Menschen.

Jörg Finkenberger

Sing it so they hear: Let’s let this world know we were here!

Kein Konzertreview

I. Das allgemein verständliche ist nichts als ein Haufen Banalitäten, weil vom wirklich wichtigen längst nicht mehr gesprochen werden kann. Es wäre gar nicht verständlich. Verständlich ist eine Aussage der allgemein gebräuchlichen Sprache nur, soweit sie verallgemeinerbar ist; soweit sie also bereit ist, dasjenige zu verraten, dem sie eigentlich zum Ausdruck zu verhelfen hätte.

Denn das wirklich wichtige wäre die verborgene Wahrheit der Vereinzelten, das schmerzlich Lied ihrer Zerrissenheit und ihrer Sehnsüchte, ihrer Ängste und Finsternisse. Das, was als Kommunikation gilt, besteht aber gerade darin, davon abzusehen, was bloss die Vereinzelten betrifft. Ihnen ist die Sprache nicht sosehr geraubt als vielmehr nie gegeben; für das, was zu sagen wäre, ist die Sprache dieser Gesellschaft feindlich besetztes Gebiet.

Nach der Logik dieser Verhältnisse muss nun in der Tat über das geschwiegen werden, worüber nicht gesprochen werden kann. Uns kann es aber nur darum gehen, das zur Sprache zu bringen, worüber nicht länger geschwiegen werden kann.

Angesichts einer derart dehumanisierten gesellschaftlichen Vernunft ist jede halbwegs bewusste und widerständige Handlung, die das vereinzelt menschliche nicht verraten will, gezwungen, den Charakter einer Chiffre anzunehmen. Jeder Versuch, das auszudrücken, was verschwiegen werden soll, muss der allgemeinen Vernunft unverständlich, rätselhaft bleiben: um so schlimmer für die Vernunft.

Es kann dabei gar nicht entscheidend sein, ob sich dabei, auf einer noch nicht von der Gesellschaft in Beschlag genommenen, untergründigen Ebene des Verschwiegenen eine Gemeinsamkeit der Vereinzelten findet; entscheidend ist allein, sich nicht mehr dahin tyrannisieren zu lassen, an jede Handlung und noch an jeden Gedanken den Masstab anzulegen, ob er vor dem Gericht einer so widerlichen Ordnung der Dinge für vernünftig erkannt werden werde.

Eine solche bewusste und widerständige Handlung nannte Breton surrealistisch. Knochenfabrik drückten es lapidar dahingehend aus: „Wer mich so sieht, wird mich nicht mehr verstehn“. Kommunikation, die heute noch etwas von Belang ausdrücken will, muss in diesem Sinne surrealistisch sein.

Diese Kommunikation existiert, unter dem viel missbrauchten Namen Poesie, schon lange. Die Poesie führt nun allerdings eine vom Leben der vielen Vereinzelten getrennte Existenz, selber nur geduldet im Refugium der Kunst. Die Befreiung der Poesie, die Zerstörung ihres Käfigs und ihre Inbesitznahme durch die Massen, deren wahrhafter, aber vorenthaltener Ausdruck sie doch ist: das wäre, kurz skizziert, das situationistische Projekt der „Revolution im Dienste der Poesie“.

II. Poesie ist der Name, unter dem von dem gesprochen werden kann, worüber nicht länger geschwiegen werden kann. Sie war deshalb immer nahe dem Wahnsinn verwandt. Im letzten ist Poesie nicht anders möglich als in der vollständigen Auflehnung; die Revolte ist die erste und letzte und einzige Poesie. Niemand kann Ducasse und Rimbaud missverstehen. Baudelaire hat aus dem Gedächtnis ein Bild des verfemten Blanqui gemalt.

Wie das singende Glas zerspringt, wenn man seine Eigenfrequenz trifft: so muss man eine untergründige Verbindung fordern, welche die Trennung überwindet. In den Dingen schläft, wie die Romantiker glaubten, ein geheimes Lied. Man muss ihnen ihre eigene Melodie vorsingen. Man muss vollständig poetisch sein. Man erfüllt dadurch ein unabweisbares Bedürfnis der Massen.

Ein früher gebräuchlicher Name für das, was wir als Poesie bezeichnet haben, war Punk. Dieses Wort hat seine Bedeutung in dem Masse verloren, wie sich die Idioten seiner bemächtigt haben. Es gilt, immer und unter allen Umständen, gegen solche Beschlagnahme sich zur Wehr zu setzen mit allem, was zu Gebote steht.

Eine etwas lange Einleitung, um über ein Konzert zu reden, zugegeben.

III. Die sämtlichen Reviews, die an Paper Chase hervorzuheben wissen, dass die Texte zwar ziemlich seltsam seien, aber die Musik wenigstens fetzt, sind ganz offenbar von Idioten verfasst. Das Publikum, das auf solche Weise für dumm verkauft wird, ist selbst offenbar abgestumpft genug, um ein Konzert zu verlassen im selben Zustand, wie sie es betreten haben.

Immerhin, und das ist eine Hoffnung, nicht abgestumpft genug, um es nicht zuerst inmal betreten zu haben.

Paper Chase faszinieren. Die wenigsten stellen sich noch die Frage, warum etwas fasziniert; das ist eines der Male, die diese Welt an uns hinterlassen hat. Man hat sich von der vielen bedeutungslosen Musik sogar abgewöhnt, nach den Texten zu fragen. Man hat sich abgewöhnt, eine Bedeutung zu erwarten, weil man die Hoffnung aufgegeben hat, etwas von Bedeutung zu hören zu bekommen.

Die Texte von Paper Chase sind enttäuschend. Sie handeln vom Wahnsinn. Von grundlosem Hass. Vom grundlosen und nicht mitteilbaren Drang, andere zu erniedrigen. Von den beraubten Individuen im letzten Zustand ihrer Isolation, wo sie nichts mehr haben als den höhnischen Triumf, dass der Mensch für den Menschen das verächtlichste Wesen ist. Der letzte verzweifelte Aufschrei einer Menschlichkeit, die keine Wirklichkeit hat.

Paper Chase errichten vor unseren Augen ein bizarres Universum, in dem die Menschen sich genauso unbegreifliche Dinge antun wie im realen, nur ohne den Trost jener sogenannten Vernunft, die in der realen Welt den Einzelnen ihr Tun mit einer falschen Rechtfertigung vergoldet. Was sie sich antun: Mord und Verstümmelung, nichts anderes, und als Antrieb die begründete Furcht, spurlos gelebt zu haben. „Come hell or high water, this sick world will know I was here“.

In der Welt dieses Alptraumes, von dem Paper Chase handeln, leben wir. Dass uns kein Leben eingeräumt ist als das, was wir uns gegenseitig antun, macht den Alptraum so seltsam vertraut. Der Schrei aber danach, nicht spurlos unterzugehen, der auch unser Schrei ist, begründet unwiderleglich die Möglichkeit, das das Grauen ein Ende haben wird.

Hier beginnt eine Poesie, die nicht mehr verständlich sein wird für die, die gelernt haben, nicht mehr zu wissen, was aus ihnen gemacht worden ist.

Und eine Musik, die nichts mehr mit den Sparten gemein hat, in die gezwängt Musik harmlos geworden ist. Nichts ist hier noch harmlos. Vielleicht ein Teil eines neuen Anfangs, wer weiss.

(1) Zur Abgrenzung von Bretons Parole vom „Surrealismus im Dienste der Revolution“, der Erklärung seiner Unterordnung unter die entfremdete Logik der linken Politik.

Jörg Finkenberger

„The Falcon Five“!

20 Uhr. 7.Juli. 2007. Cafe Cairo . Chefredakteur mit Finger in der Nase. Auftritt The Falcon Five. Die Protagonisten begrüßen sich.

Chefredakteur: Liebe Falcons, schön euch hier vor dem Cairo begrüßen zu dürfen und im Rahmen eurer Releaseparty ein Interview mit euch zu führen.
Labse: yeah!
Chefredakteur: Zum Einstieg eine Frage, die gewiss schon oft gestellt worden ist.
Welche Bands haben eure Musik, ja, euer künstlerisches Schaffen beeinflusst?
Falcons: In erster Linie Staatsgewichse und Bullensack, jedoch auch AC/DC, Thin Lizzy und selbstverständlich auch die Stones.
Chefradakteur: Eine Frage, mit der ihr immer wieder konfrontiert werdet und die Interviewer es in ihren Zeitungen nicht richtig vermitteln ist, sehr ihr euch als Teil einer Szene bzw. was ist das für euch?
Danny: Eine Szene gibt es im Theater, es handelt sich dabei um einen Teil eines Aktes.
Andi: Ich bin Mitglied der Volvofahrerszene.
Chefredakteur: Danke, endlich konnte diese Frage aus der Welt geschafft werden. Jedoch brennt unserer Redaktion etwas auf den Zehennägeln und zwar, was halten denn The Falcon Five von der neuen Drucksache „Letzter Hieb“?
Labse: Ein nobler Ansatz, jedoch sollte ein bisschen mehr Rücksicht auf Orthographie genommen werden. Vielleicht mal einen ausgebildeten Lektor einstellen.
Danny: Ich habe den Letzen Hieb an der Araltankstelle in der Zellerau das erste Mal am Stehtisch in den Händen gehalten. Dort kann man gut Bier trinken. Wenn es Jörg Finkenberger schafft, in einem Satz weniger als zwei Kommas zu verwenden, spendier ich ein Bier.
Falcons: Kurz zum Interview, wir wollen auf alle Fälle die Möglichkeit einer Gegendarstellung eingeräumt haben. Und jetzt eine Gegenfrage: wie war das große Fest in Frammersbach?

Auftritt Sozpäd vom Cairo. Dieser schaut irritiert.

Chefredakteur: Naja, sieh sehen ja, der Plan ist einfach, wir lassen Benzin in die ganze Anlage laufen und wenn die Ameisen versuchen sollten die Gräben zu überqueren, zünden wir das Zeug einfach an und sehen zu, wie sie alle verbrennen.
Labse: Wenn du glaubst, du kommst kostenlos rein, kannst du das vergessen.
Sozpäd: Nein, wenn die Neun Sieben – Journalisten freien Eintritt haben, so darf der „Letzte Hieb“ diesen Luxus auch genießen. (Sozpäd ab)
Chefredakteur: Oi! Vielen Dank, dass ihr Zeit für mich hattet.
Falcons: Staat, hau ab!

Ein Technobus fährt vor. Technobus ab. Alle schauen dem Bus nostalgisch nach, alle ab.
Fortsetzung: Klare, 6 Ämtertropfen. – Keine Fortsetzung.

Im Anschluss an die Szene konnte ich mich selbst von The Falcon Five überzeugen lassen.
Bombastisch und quasi furchterregend wirkte die Band, als sie unter der Rocky Fanfare auf die Bühne schwebte. Mit seiner goldenen Maske blendete der Sänger Andi die tobende Menge, bevor er im Takt der Drums die Show mit wilden Körperbewegungen im Angesicht des schäumenden Publikums einläutete, um dann, nachdem die Kollegen den Höllensturm in Bewegung gesetzt hatten, wie ein wild gewordener Habicht durch die Menge zu rasen. Die Menge tobte und ließ sich dies die ganze dreiviertel Stunde nicht nehmen. Gegen Ende erhielten die Falcons von ihren Freunden, den blaue Bären, dem Esel und den verrückten Hühnern Unterstützung, die das skurrile und surrealistische Bild mit ihren an Gogotänzer erinnernden Tanzformationen, neben den Falcons, hinter den Falcons, zwischen Falcons und über den Falcons, auf die Spitze und wiederum zu Grund jeder Toilettenschüssel trieben. Genial, jeder Augenblick ein Genuss. The Falcon Five wird nicht nur in Würzburg, sondern auch in vielen anderen Clubs abgefeiert werden. Das kann ich euch versprechen. Platte kaufen, abfeiern!

6-Song Debut-EP The Falcon Five “We are Falcon and you don`t”
Vinyl on Narshardraa Records, Cd on Altin Village!

http://www.thefalconfive.de.tf
http://www.myspace.com/thefalconfive

Das Interview führte Schlonzo der Geachtete

Ein weiterer Kunstgriff – Jetzt NEU: Kapitalismus rechtfertigt seine Existenz durch Umweltschutz

„Das wirkliche Meer ist kalt und schwarz, voller Tiere; es rumort unter diesem dünnen grünen Film, der dazu da ist, die Leute zu täuschen. Die Sylphen, die mich umgeben, sind darauf hereingefallen: sie sehen nur den dünnen Film, er beweist die Existenz Gottes.“ (Sartre, Der Ekel)

Seit langer Zeit war es nicht mehr so einfach, sich ruhigen Gewissens vom gerechten Lauf der Dinge treiben zu lassen, nachsichtig tadelnd zurück und zuversichtlich nach vorne blickend. Es wird alles gut! Der Kapitalismus ist ab sofort nicht nur das System, welches sich so oder so durchsetzt, es ist neuerdings auch unser Rettungsanker. Plakatwände, Hochglanz-Magazine, Mode-Zaren, Lokalbrauereien, MTV und Boris Becker: alle dürfen lokal und global die Botschaft verkünden, dass es nie einfacher war, etwas „gegen die Globalisierung“ zu tun. Und wie? Das Geheimrezept besteht darin, nichts zu ändern: Nur konsumieren. Ab sofort aber bitte folgendes: Die batterieschonende Uhr, das ökologische Huhn, den richtigen Kinofilm, das globale Musikspektakel, ein Distelhäuser, zwei Bionade, drei Hybrid-Autos.

Schlecht daran ist erst mal gar nichts. Da die Kundschaft, vom Proleten bis zum High-Society-Girl, grundsätzlich dazu verdammt ist, zu konsumieren, ist es immerhin besser, ihnen Umweltverträgliches einzuimpfen. Eine neue Qualität der Peinlichkeit erreicht dieses Schauspiel aber, wenn die neue Fütterung nun als vernünftige, bewusste Handlung der Abnehmer stilisiert werden soll. Jener Abnehmer, die sich so lange über die Ökos lustig gemacht haben, bis ihnen Hollywood ihre potenzielle Zukunft simpler buchstabierte. Als eine Welt ohne süße Eisbären zum Beispiel.

Unwahrscheinlich ist es nicht, dass sie gelingt. Diese Große Rettung, dieser lang ersehnte heroische Akt der Menschheit, der in den mächtigen Worten Al Gores nämlich das „Privileg einer Generation [ist], eine Mission zu haben“ . Die in der Vergangenheit oft bewunderte bzw. beneidete Flexibilität des kapitalistischen Systems würde sich nur ein weiteres Mal unter Beweis stellen. Leider macht diese ,Rettung’ aber (A) die jeweils vorrangegangene Not nicht rückgängig und kann (B) keinesfalls die Menschheit ,retten’, sondern lediglich ihre physische Existenz verlängern. Die ständige Notwendigkeit, auf die finanziellen Folgen hinzuweisen, die von der vermuteten Klimakatastrophe zu erwarten seien, beweist, dass in diesem Zusammenhang keine Rede von Vernunft, Gefühl oder anderen Nichtigkeiten sein kann . Das globale Umdenken erscheint somit als nichts weiteres als ein Manöver zur Rettung des Privatkapitals, welches einsetzt, wenn dieses aufgrund gewisser Gesetzmäßigkeiten in Gefahr gerät.

Die Katastrophe wird ihm gutgeschrieben

Jetzt grandioser Kunstgriff: Am 5.7.07 erschien in der Zeit ein Artikel mit der markigen Überschrift „Hollywood rettet die Welt“ (in der selben Ausgabe: „Auf in den Ökokapitalismus!“). Darin stellt Autor Robert Misik – nach einer unentschieden bis kritischen Darstellung der vor sich gehenden Inwertsetzung der Moral – die Dinge geschickt auf den Kopf. Kurz nach den grandios bescheuerten „Live Earth“-Konzerten hat er als Credo der „neuen Aktivisten“ ausgemacht: „Der Konsumkapitalismus hat das Problem verursacht? Macht nichts, der Konsumkapitalismus macht es wieder gut“. Dass sogar der Widerstand für eine bessere Welt vom Kulturkapitalismus vereinnahmt und mit Preisschildern versehen wird, ist für Misik ein hinnehmbares Übel im Kontext der Weltrettung. Was diese Inwertsetzung für Folgen in der Öffentlichkeit zeitigt, führt der Autor am Ende des Textes jedoch selbst vor: Hier wird die Katastrophe schließlich auf wundersame Weise der kapitalistischen Wirtschaftsform gutgeschrieben. Die Schuldzuweisung für die Umweltzerstörungen fällt ebenso unter den Teppich wie der Aspekt, dass gerade nicht-kapitalistische Bewegungen die Umweltthematik in der Öffentlichkeit präsent hielten. Misik versteigt sich – aufgrund eines Medienhypes – zu der Annahme, der Kapitalismus sei „moralisch gut für uns“. Andere Auswüchse dieser Wirtschaftsform, beispielsweise die Expansion des globalisierten Verbrechens, lässt er geblendet unter den Tisch fallen. Seiner Meinung nach gäbe es Anzeichen, dass sich die Vision Adam Smiths erfülle und der Kapitalismus zu seiner „philanthropischen Funktion“ komme: „Kapitalismus ist gut für uns, und die Moral ist gut für den Kapitalismus. In einer solchen Ordnung liegt es nahe, dass man der Moral den besten Dienst erweist, indem man sie zu einem Geschäft macht“.

Angesichts meiner Sprachlosigkeit sei diesem und ähnlichen Autoren lediglich nahegelegt, darüber nachzudenken, ob Kapitalismus nur Cameron Diaz, Leonardo di Caprio und der grüne Film ist oder vielleicht auch das tiefschwarze Meer?

Sebastian Loschert
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1 Zitiert nach: Robert Misik, „Hollywood rettet die Welt“, Die Zeit, 5. Juli 2007.
2 Wenn wir uns erinnern mögen: Die Verbesserung des elendigen Zustands der Arbeiterklasse ab der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert setzte natürlich nicht ein, weil das Elend des Proletariats Mitleid erzeugt hätte, sondern sie begann just mit der Erkenntnis des drohenden Elends der Kapitalistenklasse. Diese Erkenntnis führten z.B. Gewerkschaften vor Augen.
3 Als Folge dieser seltsam oberflächlichen Betrachtung der Welt ergibt sich bei Misik auch die Vorstellung, dass schon „viel gewonnen [wäre], wenn die goldenen Anbagger-Sprüche dereinst einmal lauten würden: ,Hey, schau dir meinen Pflanzenöl-Schlitten an, Süße!’“. Robert Misik, „Klimaschutzkonsum jetzt!“, Falter, 27. Juni 2007.

Neues Heft: #2!

…muss leider etwas verschoben werden. Wir hatten es “ rechtzeitig“ fertig, aber haben etwas Probleme mit dem Layout. Nämlich: wir haben noch keins, weil unser lieber Freund und Layouter, den wir mit dieser Ausgabe betraut hatten, leider aus Gründen, die nicht in seiner und nicht in unserer Macht stehen, im Moment die Sache nicht machen kann.

Wir hoffen, dass sich seine Angelegenheit bald regeln lässt, und dass er ab dem nächsten Heft dabei sein kann.Es würde uns freuen, denn er bedeutet uns etwas.

In der Zwischenzeit können Leute, die sich das Layout zutrauen, sich bei uns melden, aber Achtung, es ist hart und es muss schnell gehen.

Wir werden unsere Texte in den nächsten Tagen hier reinstellen, nach und nach, damit es nicht langweilig wird.

Schönen guten Oi! allerseits,

der Letzte Hype.

Zweite Ausgabe: Ankündigung

Das zweite Heft unseres wunderschönen Magazines erscheint Anfang August. Diesmal mit tollen Themen wie hässlichen fränkischen Dörfern, neues aus aller Welt, und natürlich Kochrezepten.

Mit Beiträgen von vielen Leuten, die man kennt..

Fruchtsalat

Art des Spiels: Ein deutsches Gesellschafts- Gruppenspiel. Als Familien- oder Partyspiel geeignet.

Gruppengröße: mind. 4 Leute

Altersbeschränkung: keine

Materialien: 1 funktionstüchtiger Toaster, 1 Stirnband beliebiger Farbe, 1 Stück Kreide, evtl. frisches Obst

Spielort: Hof oder Straße, kurz nach Sonnenaufgang

Hinweis: Dieses Spiel ist sehr geeignet für ausgezehrte, wassersüchtige Körper nach einer durchzechten Nacht.

Beschreibung:

1. Die Schüssel:
Der älteste oder erfahrenste Mitspieler setzt das Stirnband auf und nimmt das Stück Kreide in die Hand. Er malt auf den Boden einen Kreis. Dieser sollte angenehm rund und nicht zu klein sein, als Faustregel gilt:
Radius = Gruppengröße – 1
Dieser Kreis stellt die „Schüssel“ dar und wird auch so genannt. Sie darf, wenn alle damit einverstanden sind, mit kleinen Tierbildchen verziert werden.

2. Der Toaster
Der Toaster wird neben die Schüssel gestellt. Er muss über Verlängerungskabel sehr umständlich mit einer Steckdose verbunden sein. (siehe Abb. 1)

3. Die Früchte
Nun sind die übrigen Teilnehmer an der Reihe: Jeder von ihnen denkt sich eine Frucht aus, die er sein möchte, und spricht ihren Namen laut aus, z. B. so:
Spieler A: „Ich möchte eine Birne sein.“
Oder Spieler B: „Ich bin eine Traube.“
Sollte ein Spieler etwas unliebsames sagen („Ich bin eine Kartoffel“), darf der Spieler mit dem Stirnband ihn schlagen und anschließend fortjagen.
In der Zwischenzeit haben sich die anderen Spieler ihre neuen Früchtenamen auf ein Schild geschrieben und umgehängt. Sehr atmosphärisch ist es auch, wenn die Spieler ihre jeweilige Frucht vorher eingekauft haben und sich kunstvoll ins Haar stecken oder mittels Haarreif auf dem Kopf befestigen (siehe Abb. 2)

4. Beginn des Spieles:
Der Tanz:
Alle Früchte stellen sich nun im Kreis um die Schüssel herum und beginnen zu tanzen. Es darf gerne gesummt werden. Der tanz sollte immer charakteristisch für die jeweilige Frucht sein, d. h. eine Birne sollte einen bauchigen Tanz vorführen, während die Traube, den Kopf kreiselnd, kleine Schritte bevorzugt.
Für jede Frucht ist es ratsam, den Tanz vorher allein zuhause zu üben.

Die Zubereitung des Fruchtsalats:
Glücklich über die tanzenden Früchte stellt sich der Träger des Stirnbandes nun zwischen die Schüssel und den Toaster, wobei er unbedingt jeden Anflug von Neid vermeiden sollte. Er atmet tief durch und spricht folgende Worte:

„Ach, ich habe Hunger. Und wie immer kann ich mich nicht entscheiden. Esse ich Toast oder einen Fruchtsalat?“

Kaum wurde der Satz gesprochen, hören die Früchte zu tanzen auf. Sie fassen sich an der Hand und rufen: „Iss doch einen Fruchtsalat!“

Was nun folgt, ist der Höhepunkt des Spiels: Der Träger des Stirnbandes muss sich entscheiden. Wählt er den Fruchtsalat, wird das Spiel einen freudigen Ausklang finden. Wählt er den Toast, so ist das Spiel auf der Stelle vorbei. Und alles war umsonst.

Sollte sich der Stirnbandträger nach zähem Ringen für den Fruchtsalat entscheiden, ruft er feierlich verkündend aus: „Ich wünsche mir den Fruchtsalat!“
Darauf beginnt er einen ekstatischen Tanz um die kleinen Früchte herum und verpasst jeder von ihnen einen Klaps. Dabei nennte er sie einzeln beim Namen und lobpreist ihren Geschmack, ihren Liebreiz und die Energie. (siehe Abb. 3)
Die Früchte springen, sobald ihr Name fällt, voller Freude in die Schüssel und tanzen. Der Ausgelassenheit sind keine Grenzen gesetzt und Ausrufe der Freude und Jubels sind erwünscht. Und so tanzen alle bis sich der Tag zu ende neigt.