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Wenn sie nur noch tanzen können, ist das keine Revolution

(hier wird ein Artikel aus dem letzten Hype Nr. 14 nachgereicht:)

Wenn sie nur noch tanzen können, ist das keine Revolution1
Von antideutschen Fanmeilen und dem Verlust der radikalen Lebenswirklichkeit

Raven gegen Deutschland. Hunderte zuckende Leiber scheinen den Text zu kennen, wippen im Takt, fühlen sich synthiewohl. Raven gegen Deutschland, an einem Ort namens Posthalle. Es ist interessant, wie sich die Zeiten ändern: Hätte man vor fünf Jahren ein Projekt wie Egotronic in das Autonome Kulturzentrum holen wollen, gewisse Leute wären in schallendes Gelächter ausgebrochen. Zu wenig Publikum, zu linksradikal, zu antideutsch, whatever. Heute veranstalten die selben Menschen, die damals das AKW zugrunde gerichtet haben, in ihrer Posthalle ein Festival mit- wie sollte es anders sein- Egotronic, samt ihrer FreundInnen vom Label Audiolith. Es scheint etwas passiert zu sein, das ich nicht ganz nachvollziehen kann: Linksradikales Parolenrufen wurde in den letzten Jahren zum Chique geadelt, hat die Autonomen Zentren verlassen und findet jetzt selbst an einem gottverlassenen Ort wie Würzburg statt, inklusive hunderter Kids, die die Texte in- und auswendig lallen können.

Be cool- be antideutsch. Es gibt keinen abgedroscheneren Werbespruch, der mir gerade in den Sinn kommt, um die seichte Elektrowelle zu beschreiben, die von Flensburg bis Fürstenfeldbruck Jugendliche in ihren Bann zieht. Niemand kann ernsthaft behaupten, dass es sich bei diesem Phänomen um die Speerspitze einer neuen kritischen Bewegung handelt. Das genaue Gegenteil ist der Fall: Wer tanzende Elektrokids beim Audiolith-Festival beobachtet, fühlt sich eher an das Grauen der deutschen Fanmeilen zurück erinnert. Und plötzlich schließt es sich nicht mehr aus, dass jemand „Raven gegen Deutschland“ ruft und in ein paar Monaten „Steht auf, wenn ihr Deutsche seid!“2. Es besteht ein Zusammenhang zwischen einfach zugänglicher Elektromusik und einfach zugänglichem, alles nach plapperndem Publikum3. Würden Egotronic ihre bisherigen Texte durch die Zeilen von Alexander Marcus ersetzen, so würden sich wahrscheinlich nur die Oldschoolfans darüber ärgern. Und man kann noch so viele Versuche unternehmen, das Saufen und PEP-durch-die-Nase-Ziehen mit politischem Gehalt aufzuladen, es bleibt nichts anderes als Saufen und PEP-durch-die-Nase-Ziehen, Wirklichkeitsflucht und Enthemmung eben, wie sie größtenteils auch vom Rest der Bevölkerung dann und wann betrieben wird.

In dem Moment, als aus einer radikalen Richtung ein popkultureller Lifestyle wurde, hat auch das Label „Antideutsch“ voll und ganz seine Bedeutung verloren10. Popkultureller Lifestyle bedeutet nämlich: Man hat sich eingerichtet. Man bewegt sich unbeschwert in den Formen der Kulturindustrie, als ob die bürgerliche Gesellschaft eine Klaviatur sei, auf der man locker-leicht das Lied der Emanzipation klimpern könne. Man betreibt ein linksradikales Zine wie das Hate-Magazin, in dem sich gelangweilte GrafikdesignerInnen austoben dürfen, gibt eine ach so kreative Schülerzeitung wie „Straßen aus Zucker“ heraus 4und rezipiert ein wenig Adorno zur Steigerung der sexuellen Attraktivität. Nichts anderes ist dieser Lifestyle aber als die Flucht in eine wohlige Nische, in der es sich gut Leben lässt. Die Revolution kommt später oder nie, zuerst kommt das Projekt. Und egal wie viele Drogen man am Wochenende konsumiert hat, am Montag ist die Arbeitskraft wieder hergestellt, damit man in die Uni gehen kann, in der Uni lehren kann, in der Schule sitzen kann, im Betrieb schwitzen kann, in der Werbeagentur kreativ sein kann.

Ich weiß nicht, wie oft ich von Kids „es gibt kein richtiges Leben im falschen“ gehört habe. Was wollen sie eigentlich damit legitimieren? Ist es das jämmerliche Leben, dass auch ihre 68er-Eltern führten und das auch sie führen werden? Der Gang durch die Institutionen, diesmal aber nicht mit der naiven Vorstellung, dass man diese von Innen heraus verändern könne, sondern mit der Überzeugung, dass es kein Vita Activa gibt, sondern nur die Einsamkeit der/der KritikerIn? Was die jungen AnhängerInnen des neuen postantideutschen Hedonismus5 eint ist die feste Überzeugung, dass die Revolution auf später verschoben werden muss und das emanzipatorische Begehren solange im Lustprinzip aufbewahrt werden muss, bis diese Gesellschaft in ein paar Jahrzehnten, in ein paar Jahrhunderten oder nie an ihren Widersprüchen zerberstet. Mir kommt es so vor, als müsse man sich an nichts mehr in ihrem/seinen Umfeld stoßen, weil ja kein richtiges Leben im Falschen gibt. Es ist die postantideutsche Lifestyleszene, die die Dialektik der Aufklärung nicht als Handbuch der Revolution gebrauchen kann, sondern zur persönlichen Erbauung nutzt.

Sie mögen damit glücklich werden, Kiddies die noch zur Schule gehen und bereits jetzt zu wissen scheinen, dass sie den Kommunismus nicht mehr erleben werden, einen postantideutschen Elektrolifestyle leben und ansonsten die Versuche, das Falsche im Falschen zu verhindern, verlachen. Schade ist es um sie nicht. Was linksradikal sozialisierten Kids abhanden kam ist die Ungeduld des revolutionären Begehrens6, eine radikale Lebenswirklichkeit, die sich an seinem/ihrem Umfeld und den Lebensformen, die die bürgerliche Gesellschaft anbietet, stößt, anstatt sie als notwendiges Übel anzuerkennen. Dabei ist die Frage zu stellen nach dem Ausgangspunkt der Kritik. Wozu betreiben wir Kritik? Zur Selbstvergewisserung, dass man die Gesellschaft verstanden habe, während die anderen Menschen auf der Linken Seite noch immer im Trüben fischten? Radikale Kritik, die mehr ist als das Jargon der akademischen Seminare, hat bei sich selbst und bei ihrer/seiner eigenen Lebenswirklichkeit anzufangen. Es gibt einen unmittelbaren Zusammenhang von Lebenswirklichkeit und Kritik. Kritik taugt zu nichts, wenn hinter ihr nicht das Begehren steckt, das eigene geknechtete, unwürdige Leben hinter sich zu lassen. Die Einforderung des schönen Lebens, und zwar jetzt und sofort, ist eine notwendige Bedingung jeder Kritik, die in den letzten zwanzig Jahren aus dem Bewusstsein der Radikalen Linken scheinbar verschwunden ist. Wir wissen, dass die Theorie der Autonomen mehr als dürftig war. Die Kritik an den gesellschaftlichen Zuständen aber hat die Lebenswirklichkeit der Autonomen umwoben. Die Bank passt mir nicht, dann wird die Bank eben platt gemacht. Das Haus gefällt mir, also besetze ich es. Es geht mir hier nicht um die Glorifizierung von Bankenanzünden oder Freiraumkampagnen, sondern um die Einforderung der Revolution im Jetzt und Hier. Es geht um die empfundene Unerträglichkeit der Zustände, die mit einem Handeln verknüpft bleibt. Kritik, die nie als Erbauung diente, sondern zur Handlung trieb. Nahm die Verknüpfung von Lebenswirklichkeit und Kritik bei den Autonomen eher politische Formen an, hat es die Ungeduld der Punks gar nicht mehr nötig, als „Politik“ wahrgenommen zu werden: Kritik als Praxis muss nicht die Formen von politischen Kampagnen annehmen, sondern beginnt damit, dem Polizisten ins Gesicht zu rotzen oder mit dem Casio durch die sonst so leise Innenstadt zu ziehen. Diese Fuck-Off-Mentalität, das Begehren, den Kampf gegen diese Gesellschaft nicht nur auf einer kritisch-reflektierten Ebene zu führen, sondern gegen jede Einrichtung, die uns diese Gesellschaft anbietet, sei es die Familie, die Arbeit, die Klasse oder das Studium, ist dem trendigen postantideutschen Lifestyle fremd. Man sucht die Kritik stattdessen im Strobo, nimmt sich selbst zurück und verfällt der Lethargie, die den Linksradikalismus seit Jahren umgibt7.

Damit man mich nicht missversteht: „Wir wählen immer nur zwischen dem Falschen und dem Versuch, das Falsche nicht zu wiederholen und es wird in den bestehenden Verhältnissen nicht mehr als diesen nie zum Ziel gelangenden Versuch geben.“ Der Moment aber, in dem ich versuche, das Falsche nicht zu wiederholen, weist auf die Möglichkeit hin, mich eines Tages vom Ganzen zu emanzipieren. Er weist auf die Möglichkeit hin – sei sie auch noch so unwahrscheinlich- zu Handeln, einen Bezug zwischen sich und der Geschichte herzustellen. Die Gelegenheiten, in denen wir dennoch immer wieder die zum Scheitern verurteilten Versuche vollziehen, Dinge radikal zu verändern, verknüpfen uns selbst mit dieser Welt. Wenn der Quell der Kritik die Unerträglichkeit des eigenen Lebens ist, so muss sie zur Handlung treiben. Und wenn für eineN so genannteN KritikerIn jedes Handeln zum Scheitern verurteilt ist, dann hat sie/er bereits die politikwissenschaftliche Verkürzung akzeptiert, dass jegliches Handeln Politik sei. Die Lethargie des Kritikers ist die säkularisierte Form des Vita Contemplativa. Das Gegenteil dieser ist die Natalität des Menschen, „der Neubeginn, der mit jeder Geburt in die Welt kommt“ (Arendt) und das Handeln erst ermöglicht. Die Überzeugung, als Mensch in die Geschichte eingreifen zu können, macht das Handeln zu emanzipatorischen Zwecken erst möglich.

Die Kritik ist kein Lebensgefühl, mit dem es sich gut Leben lässt, sondern die Unzufriedenheit mit dem hier und jetzt, dass dem Bestehenden produktiv zu schaden gedenkt. Für wen die Kritik nur aus akademischem Jargon und Lifestylehedonismus besteht, die/der hat den Bezug zur kommenden Revolte längst verloren. Die/der nimmt die Aufstände nicht einmal mehr wahr, die sich in den Banlieues von Paris oder auf den Straßen von Teheran abspielen. Statt die Unmöglichkeit der kommunistischen Revolution anzunehmen, stelle ich mich lieber ganz in die sich weiter vollziehende Geschichte und betrachte die stattfindenden Revolten auch als die meinen. Was, außer die unantastbare Überzeugung, dass diese Gesellschaft überwunden werden kann, sollte sonst mein Antrieb sein, Kritik zu betreiben?

Von Benjamin Böhm

  1. Dieser Text könnte auch Antideutsch für Deppen Teil 2 heißen. Die Drohungen und Schmäh-SMS, die mir nach meinem Antideutsch-für-Deppen Teil 1 vor mittlerweile fast drei Jahren geschickt wurden, habe ich als Erinnerung an den bayerischen Antifa-Kindergarten noch in meinem Handy gespeichert und kann immer noch herzhaft über sie lachen. Ich frage mich manchmal, was aus ihnen geworden ist, den Bauchantideutschen aus Ober- oder Unterammergau.[zurück]
  2. Danke an meine Mitmieter in der Zellerau! Diese haben mir zur EM abwechselnd durch Egotronic und „Schlaaaaand“-Rufe den Schlaf geraubt und mir erst verdeutlicht, dass beides zusammen möglich ist. [zurück]
  3. Kann man es der jugendlichen Fanbase wirklich verübeln, wenn sie die feinen musikalischen und textlichen Unterschiede zwischen den Partyatzen, der Musik für junge Leute mit Vergewaltigungsphantasien, und Frittenbude, nicht erkennen kann? [zurück]
  4. Ich habe schon interessantere Schülerzeitungen gelesen. Der emanzipatorische Gehalt eines Interviews mit KIZ bleibt mir bis heute unbekannt. [zurück]
  5. Es gilt hier zu betonen, dass dieser Text nicht dazu verwenden werden soll, im Namen von Internet-Antiimps als Kronzeuge gegen die Antideutschen zu fungieren. Die Antideutschen sind tot, und erbärmlich die geistigen Ausdünstungen der meisten ihrer einstigen RepräsentantInnen. Die antideutsche Kritik hat jedoch keinesfalls ihre Berechtigung verloren. Im Rahmen von linken Zusammenhängen lässt es sich aber wohl schwer vermeiden, dass ein Text wie dieser als Anklage gegen die Antideutschen verwendet wird, genauso wie Robert Kurz auch heute noch von den dümmsten unter den AntiimperialistInnen rezipiert wird. [zurück]
  6. Dieser Absatz macht eigentlich zwei Fässer auf, die nur bedingt miteinander in Verbindung stehen. Zum einen wird hier das kontemplative Element der antideutschen Kritik angesprochen. Zum anderen aber auch die Lebensflucht und Todesehnsucht, die hinter dem Selbstbild deren stehen, die man als postantideutsche RevolutionsverfechterInnen bezeichnen könnte. Justus Wertmüller hat darüber vor wenigen Monaten einen ganz lesbaren Text geschrieben. Es wird im Hype #15, noch einmal darauf zurückzukommen sein. [zurück]
  7. Gegen diese Ungeduld richtete sich bereits Lenin, als er den Linksradikalismus als Kinderkrankheit bezeichnete. Ich halte mich da lieber an den Genossen Herman Gorter. [zurück]
  8. Dieser Text wäre ohne die Gspräche mit Asok und Phil_Ill nicht möglich gewesen. Ich hoffe, ihr findet unsere damaligen geteilten Ansichten ein wenig in diesem Text wieder… [zurück]

Geht wirklich: Online PDF Dings der neuen Ausgabe

Alle, die die materielle Variante aus Gründen nicht beziehen können, haben jetzt die einmalige Gelegenheit die PDF der neuen Ausgabe runterzuladen. Allerdings nur für 2 Wochen. Danach wird die PDF Version immer noch an der gleichen Stelle zu finden sein. Man hat also auch dann noch die Möglichkeit sie runterzuladen.

Fuck: Hier!

Hype in Print draußen!

Der Hype 14 ist tatsächlich draußen. In der Würzburger Pissbude deines Vertrauens!

Wer ihn zugeschickt bekommen möchte, die/der schreibe eine Mail an letzterhieb@gmx.de. Solange es nicht zuviele Leute werden, ist das auch umsonst. Unter der Bedingung, dass Ihr die Hypes in Eurem Kaff auch ein wenig verteilt…

„Ihr aber seht und sagt: Warum? Aber ich träume und sage: Warum nicht?“ (George b. Shaw)

Kaputt und zerstört, erniedrigt und beschmutzt, langweilig und angespannt, schon halb tot und trotzdem noch hier.

Es ist Abend, schon spät. Ich enttäuscht, sitze an meinem Schreibtisch. Denke an großes und kleines. Weiß nicht was ich machen soll.Weiß nicht was ich tun soll. Die Fliege, die sich in dem kleinen 8 qm Zimmer verirrt hat, lässt mich zu Anfang wahnsinnig werden. Eine kleine Stubenfliege. Nicht besonders groß, auch nicht so besonders klein. Nicht wie eine Essigfliege. Sie summt, entdeckt die letzte funktionierende Birne der Nachttischlampe als ihre Bühne. Sie tanzt. Zu so später Stunde. Eine Uraufführung ihres ersten Stückes, so sagt sie zu Beginn. Ihres vielleicht letzten Stückes. Und sie tanzt so, als wäre es ihr letzter Tag auf Erden. Und sie weiß es nicht. Sie kann es nicht wissen. Ich könnte einwirken, aber lasse es. Lass sie leben. Nun bewegt sie sich zu fantastischen Tönen des Sommers der Vierjahreszeiten von Vivaldi. Sie begeistert mich.Verbrennt sich nicht an der Lampe. Sie schwebt, eine verblüffende Leichtigkeit. Benimmt sich, als wäre es der letzte Tanz. Und ich?
Ich sitze hier, in einer gering beleuchteten Kammer vor meinem PC. Versuche über das World Wide Web Kontakte zu schließen, mich zu informieren, zu diskutieren, mein Leben zu planen und es gleichzei- tig weg zu schmeißen. Versuche mich abzulenken. Von was? Ich kann es nicht sagen. Sitze wie aber- tausende vor diesem Dreck. Probiere meine Nöte und Ängste loszuwerden – schaffe es nicht.An niemanden, vielleicht eine oder zwei Personen.Verachtend! Der Kontakt zur Außenwelt bleibt mir ver- wehrt. Kann mich nicht mehr artikulieren. Kann mich nicht mehr hören.Weiß nicht wo ich bin. Bleibe verwirrt. Und wenn doch, dann nur mit den „einzig wirklichen Menschen [,die für] mich die Ver- rückten [sind], die verrückt danach sind zu leben, verrückt danach zu sprechen, verrückt danach, er- löst zu werden, und nach allem gleichzeitig gieren – jene, die niemals gähnen oder etwas Alltägliches sagen, sondern brennen, brennen, brennen, wie phantastisch gelbe Wunderkerzen, die gegen den Sternenhimmel explodieren wie Feuerräder, in deren Mitte man einen blauen Lichtkern zerspringen sieht, so dass jeder „Aahh!“ ruft.“1 Und wenn mir auch diese Momente der Verrücktheit noch so gut gefallen. So bleiben sie kein Dauerzustand. Es wäre zu leicht. Es wäre zu schwer. Wieso? – Ich kann es nicht sagen. Ich lasse nichts aus. Raste bald aus. Ich brenne, und nicht wie ein Osterfeuer. Sondern wie vier Flugzeugträger, drei Space-Shuttles und ein Würzburg 1945. Ich tue mir schwer. Kann dir und dir nicht sagen was ich für dich empfinde. Sei es Abneigung, sei es Zuneigung. Kann dich nicht so sehen wie du bist. Sondern nur wie durch meine stets verdreckte Brille von Fielmann.Werde meine Gefühle nicht los. Ich habe Angst, ein leben lang. Vermassele ich es wieder? Sollte ich mit dir reden? Sag mir es doch! Du bist so kompliziert. Ich bin so kompliziert.Wir – wer auch immer das ist – sind kompliziert. Ich kann es nicht verstehen. Ich handele nicht als ich.Vielleicht als wir.Wahrscheinlich wäre es prozentual auszurechnen.Vielleicht aber auch nicht.Warum nicht? Warum sind wir so schrecklich verklemmt. Kann nicht reden. Es ist nicht einfach. Ich verstehe es nicht. Komme damit nicht klar.Will dir etwas sagen, kann es nicht. Meine Zuneigung dir gegenüber äußern? Puhhh. Ich habe Angst.Weine. Ziehe mich zurück.Ablenkung. Finde mich wieder vor dem PC.Verstecke mich vor der Langeweile. Die Langeweile, die so schrecklich erdrückend ist. Die mich fertig macht. Die mir Kummer bereitet. Ein Leben lang. Bis auf, es verändert sich etwas. Ich kann nicht hoffen. Nicht so lange warten. Und die Aussicht ist so trüb!
Raste irgendwann aus. Zünde alles an.Verweigere mich allem. Und das werde nicht nur ich sein. Das werden wir sein! Wir, die Individuen und wir können tanzen. Die Ballnacht ruft! Nächte lang, wie diese Fliege vor mir.Wie diese, die so glücklich schwebt und summt. Ihres Lebenswillen hier ist. Und es wird noch davon berichtet werden.Von einem Tanz um die Welt.
So lasst uns die Platte sanft und vorsichtig zum Plattenspieler tragen. Die Boxen zur Straße. Und in einer unvorstellbaren Lautstärke, die die Welt noch nicht gehört hat, dass Lied der Tanzenden zum Tanze spielen. Tanzen und trampeln, bis die Beine vor Müdigkeit zurückschrecken und das Pflaster frei gemacht wird.Wir den Strand zu Gesicht bekommen. „Sous les pavés, la plage“. Oder wir werden konform.

Karl von Medina
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1 Jack Kerouac – On the Road

Hören und Schmecken

Hören und Schmecken
Die Seite für moderne Kultur

Heute: Die In- und Retrospektive Kochkolumne

Ja. Aua! Der Herr Redakteur hat einen Kater. Halt wirklich; ja, und er hat einen lichten Moment – zumindest kurz gehabt. Weil: Gestern Nacht ist er dem ehrwürdigen Vater, Kardinal Ratz- äh seiner Merkwürden, Johannespaul Zwo über den Weg gelaufen. Der hatte seinen rubinroten Ring verloren gehabt und forderte das dumme Ding im (sehr) kurzen Stewardessenkleidchen auf, sich an der Suche zu beteiligen. „Bück dich…“ „Aber ihro Durchlaucht“ hob ich an. „Hier geht doch alles durcheinander“. Nun, da stand ich also zwischen den Herren Damen und den strammen Marinefrolleins im mindestens vier Konfektionsgrößen zu klein ausgefallenen Militärstewardessenfummel mitten im Tuntenball, ein Servierblech mit Pizza in der Hand. Die geschätzten beiden Kollegen an meiner Seite hatte es nicht besser getroffen.

Warum bloß bin ich nicht in der geliebten Redaktionsstube unten im Keller vom unvollendeten Hotelturm geblieben??? Faul auf meinen günstig erworbenen Drehstuhl gefläzt und dem guten Finkenberger zugeschaut wie er laut kichernd dümmliche Leserkommentare zu seinen eigenen Artikeln verfasst, um sie sodann mit wichtiger Miene zu beantworten. Warum? Zum Teuf…

Doch als ich so gedankenverloren an meiner Pizzaundchilliverkaufsstation stand, trat der Heilige Vater auf mich zu – und ich hatte jenen vorhin erwähnten hellen Moment. Der bayerische Papst hat das im Trubel natürlich gar nicht mitbekommen, der wollte sich lediglich hinter mir vorbei zwängen, um in die ausschließlich dem Personal vorbehaltenen Gemächer zu eilen. „Es ist ja alles gar nicht wahr, bloß eine Geschichte, ganz und gar fiktiv.“ Dies in etwa war der Kerngehalt des letzten klaren Gedankens bevor ich dann doch auf das schon seit längerem bestehende Angebot des Herren Kollegen zurück kam und die mir dargebotene Flasche Augustinerbräu in einem tiefen Zug in mich hinein leerte.

Mit schmerzendem Kopf und großem Durst überquere ich am Berliner Ring die Nürnberger Straße; die Aktentasche in der Hand strebe ich dem Kellerloch, also dem Büro der Kultur- und Politikredaktionen (aus Einsparungsgründen in einem noch unausgebauten Kellerraum untergebracht) entgegen, wo ich statt eines Konterbieres einen gut gelagerten schottischen Whiskey als Antikatermedikament zu mir zu nehmen gedenke. Ja, der Hotelturm und seine Schätze! Seit der Chef in einem Geniestreich den Turm für einen Euro gekauft hat, sitzt er in einem provisorisch eingerichteten, dafür aber riesigen Büroraum mit Panoramablick auf Residenz, Dom, Festung und Käppele und zählt die unten durchfahrenden Güterzüge. Die Evi Schmitt kocht ihm immer Kaffee, damit ihre besserwisserischen Kommentare auch stets ungeändert abgedruckt werden und der Heumann bringt die Semmeln und erklärt geduldig die neuesten Finessen des Redaktionshauptrechners. Blöderweise hat es im ganzen Turm keinen einzigen Aufzug, sondern lediglich die Bautreppe und so macht es dem Chef noch mehr Spaß, mich wegen eines ihm von der Tendenz her missliebigen Artikels persönlich hoch zu zitieren. Ansonsten haben der Finkenberger und ich aber unsere Ruhe und es ist schön behaglich warm hier unten – die richtige Trinktemperatur für meinen Whiskey!

„Drei mal den Burger, zweimal mit Pommes und dann noch mal Fritten, aber bloß rot und, ja, auf den Soloburger dürfen keine Zwiebel.“ „Kommen doch sowieso keine drauf. Hey, bleib da, die Schnitzel sind gleich fertig – hau doch den Salat schon mal raus!“ Die Bestellleiste ist voller Bons, der Spülberg wächst ins Unermessliche, in zehn Minuten beginnt der Tatort und ich stehe dort, wo ich im echten Leben fast immer und ganz sicher jeden zweiten Sonntag stehe: Am Herd. Mein Kater wird nicht besser, an ein Bier oder gar einen Whisky (schottisch, irisch oder aus den USA; steht alles friedlich beisammen am Tresen) ist nicht zu denken; morgen ist Montag, montags haben beide Läden, in denen ich an Herd und Ofen werkele, für gewöhnlich geschlossen, doch am morgigen Rosenmontag ist hier Eurodance und „Ja, die Küche ist regulär geöffnet.“

Es gibt gar keine Redaktion, keinen Heumann, keine Evi, keinen Finkenberger – und eine Zeitung, die mich als leitenden Kulturredaktör arbeiten ließe, wäre in der Welt, die wir als einzig wahre kennen, der fröhlichen Warenwelt nämlich, längst bankerotte und noch toter als die Frankfurter Rundschau und das Mitgliederheft der SPD zusammen. Das Heft, das beinahe auf den wunderschönen Namen ANTIFAINFOMAG getauft worden wäre, lediglich eine Ausgabe unter der stolzen Aufschrift „Letzter Hieb“ erlebte und nun als „HYPE“ sein Unwesen treibt, ist schiere Illusion. Wozu auch sollte es existieren? Das akw!-info (das gab es mal vor Jahrzehnten, da war ich mal tatsächlich Redakteur) hat immerhin Werbung für das AKW gemacht, ganz wie sich das gehört. Da Politik eine Sparte im vielfältigen Angebot dieses Lokals darstellte, wurde ein gehöriger Teil des Heftes mit politisiertem Zeug vollgepackt und die Kochkolumne machte Werbung für den Vegetarismus und damit für die vegetarische Küche des AKW. Meine Arbeit an den Texten wurde mit dem gleichen schlechten Lohn wie jede andere Arbeit bezahlt und diente – als Werbung – dem „Erhalt des Standorts“. Gäbe es den HYPE, er wäre völlig widersinnig: Die Politisiererei nähme sich selber ernst und denunzierte dabei doch stets das Elend des Politikantentums; die Kritik träte im Gewand des Kritisierten1 auf und bemerkte es noch nicht einmal. Der Versuch, die zerrissenen Teile des Ganzen welche etwa unter „Kultur“, „Kunst“, „Politik“, „Wissenschaft“ und „Ökonomie“ rubriziert sind in der Kritik wieder zu einen, fände ausgerechnet in der albernen Gestalt einer Kochkolumne statt.

Der Tatort läuft, die Gäste sind versorgt, ich trage mal den Geschirrberg ab und wische Herd und Arbeitsflächen. Der gute Kollege vom Service kommt auf ein Schwätzchen kurz in die Küche, doch entschwindet er bald wieder; ich summe ein Liedchen aus der Hand des guten Franz Schubert.

Auf dem Wasser zu singen2
Mitten im Schimmer der spiegelnden Wellen
Gleitet wie Schwäne der wankende Kahn;
Ach, auf der Freude sanftschimmernden Wellen
Gleitet die Seele dahin wie der Kahn;
Denn von dem Himmel herab auf die Wellen
Tanzet das Abendrot rund um den Kahn.

Über den Wipfeln des westlichen Haines
Winket uns freundlich der rötliche Schein;
Unter den Zweigen des östlichen Haines
Säuselt der Kalmus im rötlichen Schein;
Freude des Himmels und Ruhe des Haines
Atmet die Seel im errötenden Schein.

Ach, es entschwindet mit traurigem Flügel
Mir auf den wiegenden Wellen die Zeit.
Morgen entschwinde mit schimmerndem Flügel
Wieder wie gestern und heute die Zeit,
Bis ich auf höherem strahlenden Flügel
Selber entschwinde der wechselnden Zeit.

Tja, die Christen fasten nun volle vierzig Tage und sind schrecklich mißgelaunt weil ihr Heiland vor etwa zweitausend Jahren umgebracht worden sei – was zwar irgendwie die Welt gerettet hat, aber anscheinend doch nicht gut war. Sei’s drum, heute wissen die lieben Kleinen ja eh‘ nicht mehr weshalb eigentlich am Aschermittwoch so was hübsches wie Vergnügungsverbot herrscht und mir dient das sowieso lediglich als Vorwand endlich mal Fisch und anderes Meeresgetier auf den Teller zu bringen. Fisch gilt als Fastenspeise, die spinnen die Christen…

Cous-Cous mit dreierlei Fisch und Meeresfrüchten

Ein bis zwei Meerbarben, einen Wolfsbarsch und einige kleinere Sardinen (zusammen so um die 1½kg. Fisch) filetieren, die Karkassen für einen Fischfond aufheben; von vier Kaisergarnelen den Schwanz vom Kopfteil abdrehen, den Panzer aufbiegen und das Fleisch vorsichtig herausziehen, danach längs des Rückens aufschneiden und den Darm entfernen. Kopfteil und Schale ebenfalls für den Fond zurücklegen. Zwei Dutzend Miesmuscheln sorgfältig waschen. Ein Pfund Tomaten kreuzweise einschneiden, kurz in kochendes Wasser geben und schälen; das Fruchtfleisch sehr klein würfeln, zwei bis drei Selleriestangen fein schneiden, zwei rote Zwiebeln fein würfeln, vier Zehen Knoblauch pressen, ein halbes Bund Glattpetersilie fein wiegen. Nun in einem großen Topf Olivenöl erhitzen und die Zwiebeln und den Sellerie andünsten, nach kurzer Zeit Hitze reduzieren, Knoblauch und Petersilie dazu geben, nun die Tomaten zugeben und aufkochen. Die Fischabschnitte (ohne Kiemen und Eingeweide) und die Kopfteile der Garnelen unterrühren und nach und nach 1½l Wasser zugießen. Mit Salz und Pfeffer sehr kräftig abschmecken, in einem Teebeutel einige Lorbeerblätter und etwas Zimtrinde sowie einige Nelken mit kochen lassen. Nach einer halben Stunde den Sud erst durch ein grobes und dann durch ein Haarsieb geben. Etwa einen Liter der Suppe zurück in den Topf geben und zugedeckt leicht köcheln lassen, den Rest für das Garen der Fische verwenden. 400g Cous-Cous in eine Schüssel geben. In zwei Tassen der Brühe ein Döschen Safran auflösen, etwas Butter dazu geben und gründlich mit dem Cous-Cous vermischen, diesen nun in einem Einsatzsieb über die Fischsuppe hängen und regelmäßig mit einer Gabel lockern. Nach etwa zehn Minuten das Cous-Cous auf einem sauberen großen Küchentuch ausbreiten, dieses zusammenrollen und wieder ausbreiten, danach wieder in das Sieb geben und weitere 10-15 Minuten dämpfen. Währenddessen in einer großen, tiefen Pfanne den zurückbelassenen Fischsud aufkochen und wieder etwas abkühlen lassen (soll ganz knapp unter der Siedetemperatur sein), etwas Zitronensaft dazu geben und die Fischfilets darin garen, dabei erst die größeren und nach und nach die kleineren zugeben(Größere Filetstücke 12-15min, kleinere 8-10min). Gleichzeitig die Muscheln in Salzwasser mit etwas Weißwein ca. zehn Minuten kochen, bis sich alle geöffnet haben (Muscheln die sich nicht geöffnet haben wegwerfen). Die Garnelen in Olivenöl mit etwas Knoblauch und Ingwer anbraten. Das Sieb mit dem Cous-Cous von der Brühe nehmen und diese mit etwas Cayennepfeffer würzen und mit Butter binden und einkochen lassen. Nun die zweite Hälfte der Glattpetersilie und ½ rote Paprika hacken. Auf einer großen heißen Platte das Couscous ausbreiten, die Soße angießen und die Fische, die Garnelen und die Muscheln darauf anrichten, mit der Petersilie und den Paprikastückchen bestreuen.

Dazu passen Salate, Muhamara und Tahine, Fladenbrot ist kein Schaden und mit einem guten Arrak vorneweg und einem sizilianischen Marsala dazu werdet ihr auch schön betrunken; mit Baklava und Mokka als Abschluss seid ihr wieder fit für das nächtliche Hinwegsetzen über Sperrstunde und Tanzverbot…

Für immer ihr ergebenster
Rainer Bakonyi

Interview mit dem Verschmutzer

1/3 Schnaps – 2/3 Bier

Adam B.(1) ist stolzer Verursacher von Kotze, Kot und Urin in der Würzburger Innenstadt. Er entschloss sich kurzfristig für ein Interview mit dem Letzten Hype. Adam B. studiert Soziale Arbeit an der FH Würzburg und sieht seine Taten als eine bittere Notwendigkeit. Das riecht nach Konflikt. Seit 3 Monaten mobilisiert die „Bürgerinitiative Würzburger Altstadt“ (BIWA), angeführt von dem Waffenladeninhaber Snickers – gegen die Verschmutzung und Eigentumsbeschädigungen, die in frühen Morgenstunden von Feiernden ausgehen.

F: Als Verursacher von Dreck und Lärm agieren Sie bereits seit geraumer Zeit. Was veranlasst Sie in die letzten Ecken der Innenstadt ihren Urin abzugeben, den eben eingeschmissenen Döner wieder loszuwerden oder dem Waffenhändler Snickers ein Präsent zu hinterlassen?
A: Was muss, das muss. Was raus muss erst recht. Wo wenn nicht hier, wann wenn nicht jetzt oder wieso erst jetzt? Das hätte schon viel früher passieren müssen. Ich sehe das als Akt zivilen Ungehorsams, gegen das Würzburger Spießbürgertum und im Speziellen das Urinieren an Geschäften eines Waffenhändlers als antimilitaristische Praxis.

F: Ihrer Antwort zu entnehmen sind sie ein politischer Mensch. Wieso vollenden Sie gerade ihre Taten bei Nacht und Nebel und hinterlassen keine Hinweise oder Forderungen?
A: Nein, ich würde mich nicht als politischen Mensch betrachten. Politik betreibt eben gerade die Bürgerinitiative. Ich hingegen bekämpfe nicht Wasser mit Wasser sondern mit Feuer. Politik ist eben nicht mit Politik zu bekämpfen. Aus diesem Grund hinterlasse ich auch keine Hinweise oder Forderungen, da die Tat einzig und allein für sich spricht.

F: Wie kann denn der Otto-Normal-Verbraucher erkennen, dass es sich bei der Kotze nicht um herkömmliche Kotze handelt, sondern um eine Art des Protests. Spricht man dann von einer Protest-Kotze?
A: Das soll er doch im ersten Moment gar nicht. Die meisten werden jetzt denken, es ist doch gar nicht so schwer so zu kotzen als ob man vom feiern käme, aber in Wirklichkeit habe ich fast ein halbes Jahr gebraucht bis ich die richtige Mixtur gefunden habe, die es mir ermöglicht die Kotze genauso aussehen zu lassen. Erfahrungsgemäß ist es wichtig, den Döner schnell in großen Happen zu essen, damit die Brocken, die ja später wieder raus sollen, möglichst groß bleiben. Diese Technik musste ich mir durch stundenlange Beobachtungen von Betrunkenen aneignen. Mittlerweile läuft es ganz gut.

F: Das Aussehen scheint eine große Rolle einzunehmen, aber wie bekommen Sie es denn so hin, damit das Erbrochene auch echtheitsgemäß riecht?
A: Dazu habe ich nach langem probieren die richtige Mischung gefunden. Ein drittel Schnaps, zwei drittel Bier (diese Mischung riecht ganz toll). Aber nicht nur der Duft ist ausschlaggebend für den Erfolg, sondern auch das Umrühren wie es beim Tanzen in der Disco geschieht. Dazu schlage ich kurz vor, dem eigentlichen Kotzakt schnell fünf Purzelbäume hintereinander um mir dann den Finger in den Hals zu stecken. Das ist ein wichtiger Faktor der selten beachtet wird.

F: Die Sperrstunde macht die BIWA zu ihrem Hauptthema. Wie gehen sie mit dieser Problematik um? Es scheint so, als beträfe sie diese gar nicht bzw. Sie machen diese nicht zu Ihrem Hauptanliegen.
A: Die Sperrstunde geht mir links am Arsch vorbei. Pinkeln und Kotzen kann ich so oder so. Doch wenn die Sperrstunde eintreten sollte, werde ich wesentlich mehr zu tun haben, da unwissentliche Unterstützter in Form von betrunkenen Feiernden wegfallen würden und ich deren Arbeit auch noch übernehmen müsste. Dazu trainiere ich jetzt schon dreimal die Woche um für den Ernstfall gerüstet zu sein. Das zerrt zwar ganz schön an der Substanz, aber um das Notwendige zu tun muss man manchmal Opfer bringen.

F: Sie sprechen gerade so, als ob Sie in ihren Aktionen stets alleine zu gegen sind.
A: Ich arbeite generell alleine. Nehme aber einmal im Monat mit anderen Aktiven an einem Treffen teil um Methoden und Erfahrungen auszutauschen.

F: Vielen Dank! Noch ein letztes Wort an unsere LeserInnen?
A: Lasst uns pinkeln, lasst uns kotzen und dreimal von oben auf Würzburg rotzen!

Das Interview führten Asok und Karl von Medina
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1: Name von der Redaktion geändert

Linksradikalismus und Fußball

Linksradikalismus und Fußball

Über einen Zusammenhang, den man mir noch einmal erklären muss

Mein Onkel wippte ungeduldig auf seinem Sitz umher, nippte hastig an seinem Bierchen. Kein Tor für den Club, seit etlichen Spieltagen. Kein Sieg für den Club: wie sooft. Fluchende Papas und aufgeregte Söhne überall um mich herum. Wir schreiben den Frühling des Jahres 1991 und es war das letzte Mal, dass ich mit einem Verein fieberte.
Ich habe das Interesse am Fußball seit Langem verloren. Umherstreifende Männerhorden, die am Wochenende dann und wann die Innenstädte bevölkern und Dinge rufen, die ich nicht verstehe, machen mir mittlerweile eher Angst. Und die Zeit, die viele Menschen einem simplen Ballsport widmen, scheint mir sinnvoller genutzt, wenn ich Nachmittags noch im Bett liege. Dennoch zählen sich einige meiner Bekannten, mit denen ich auch politisch d‘accord gehe, zu Anhängern von diesem oder jenem Verein. Und mehr als das: Es scheint für sie ein Zusammenhang zu bestehen zwischen linksradikalem Sein und dem Selbstverständnis als Ultra. Seit vielen Jahren versuche ich, diesen Zusammenhang nachzuvollziehen. Es klappt einfach nicht. Dieser Text versucht nachzuzeichnen, was mir so widersprüchlich vorkommt an der Gleichzeitigkeit von emanzipatorischem Linksradikalismus und Fußballfanatismus. Er ist eindeutig als Aufforderung zu verstehen, im nächsten Hype auf die Unterstellungen zu reagieren, die den ganzen Artikel durchziehen.
Linke Lokalpatrioten tun, was linke Lokalpatrioten eben tun: Am Wochenende stehen sie in der Innenstadt, um gegen das böse neue Einkaufszentrum zu demonstrieren, das vollgestopft sein wird mit seelenlosen Fastfood-Ketten. Montag ein Gruppentreffen im Stadtteilladen xy, Dienstag das Engagement für das Bürgerbegehren „Rettet den Feldhamster!“ und am Donnerstag ein Gespräch mit dem Stadtrat der Linkspartei. Wenn sich mal Nazis in der Stadt breit machen, dann steht man auf: Für seine Stadt. Für die Heimat. Sitzt man mit „Zugereisten“ am Tisch, so redet man gerne über seine Stadt: Über das köstliche Essen, die glorreiche Geschichte, die herzlichen Leute, den tollen Verein. Am Wochenende geht man ins Stadion, aber nicht nur um die Mannschaft anzufeuern. Man geht auch ins Stadion um „gegen den modernen Fußball“ zu sein oder gegen den Umbau des Stadions zu einer „Kommerzarena“.
Alles schön und gut. Man nennt das Ganze „zivilgesellschaftliches Engagement“ und ich will ja den jungen PolitikantInnen nicht ihren Spaß verderben. Selbstverständlich ist es gut, wenn bestimmte Ultrasgruppen zum Beispiel rassistische Sprüche aus dem Block verbannen. Die Revolution ist das aber nicht, sondern es ist Lokalpolitik. Heimataktivismus, der zwangsläufig die gleichen verkürzten Formen annehmen muss, wie jedes andere Anliegen, dass seine Polis liebt, anstatt sie in Stücke reißen zu wollen. Man könnte näher auf Sprüche der Ultras eingehen – wie z.B. „Gegen den modernen Fußball“- was genauso sinnvoll ist wie sich gegen den modernen Kapitalismus zu stellen, weil der alte doch so wohlfühlwarm war- aber darum soll es im Folgenden nicht gehen.
Schauen wir erst auf den Mikronationalismus, den Fußballfans ausüben: Die Stadt ist der positive Bezugspunkt, für den Gesungen und sich ab und zu auch geprügelt wird. Aus einer loser Ansammlung von Menschen, die nur das Elend der Wertverwertung eint, wird eine Gottheit: der Verein, die Stadt. Heimatidentität, die Sicherheit und Geborgenheit stiftet in dieser ach so kalten Welt. Im Stadion geht es ja eben nicht nur um eine Mannschaft von 11 Leuten, die man ganz sympathisch findet, sondern es geht um die Ehre der Stadt. Und so agiert man aus der Masse der Fans heraus, lässt sich mitreißen mit einer Masseneuphorie im Block, in der das Individuum verschwindet und der Verein alles ist. Weil man so viel von seiner Stadt hält, fährt man hunderte, zum Europapokal sogar tausende Kilometer weit, um diese zu verteidigen wider die fremden Mächte. Dann und wann, je nachdem, welche Erlebnisse man in dieser Stadt bereits erlebt hat, wird die Fanszene zu einem Mob, der die gegnerischen Fans nur aufgrund ihres Wohnsitzes verabscheut, auch mal die feindliche Innenstadt verwüstet oder Menschen mit unpassenden Fanschals auf die Fresse haut. Im kleinen kommunalen Rahmen vollzieht sich das, was man doch im Großen so verabscheut: eine Art von Mikronationalismus. Die Identifikation mit seiner „Scholle“ und Kultur. Wie kann ich also jemanden ernst nehmen, der am Freitag auf einer Demo „Nie wieder Deutschland!“ ruft, und am Samstag „Kniet nieder ihr Bauern- denn Frankfurt ist zu Gast“ gröhlt? Wie kann man Nazis dafür verurteilen, dass sie das Ausland hassen, wenn für einen das verhasste Ausland schon in der nächsten Großstadt anfängt? Welcher Zusammenhang zwischem antinationalem Linksradikalismus und Fanszene bleibt also, wenn man die MobAction-Jäckchen, Carhartt-Hosen und Antifa-Buttons weg lässt? Eigentlich gar keiner. Gerade die Linke besitzt seit jeher eine naive Symphatie für das „Volk“, dass doch nur von den bösen Kapitalisten verführt werde, ansonsten aber die Freiheit wolle. Dieser linke Antiimperialismus wird zum Glück von vielen mittlerweile verlacht bis verhasst. Die linke Fanszene würde sofort auseinander brechen, wenn sie damit aufhören würde, ihre Stadt zu lieben. Denn wer kann sich eine Fanszene ohne positiven Bezug auf die Heimat denken? Ich zumindest nicht.
Verstörend ist für mich auch die empfundene Gemeinsamkeit der Ultrasszene. Ein Großteil der Ultras in Deutschland versteht sich eher als unpolitisch, dann und wann schmückt man die Tribüne mit etwas wie einem Che-Guevara-Doppelhalter. Che Guevara passt in diesem Zusammenhang ziemlich gut zu den meisten Ultras, gibt es doch kein bedeutungsleereres popkulturelles Symbol als das Konterfei des gefallenen Revolutionärs. Im Fanblock aber, da gehören alle zusammen. Da schließt es sich nicht aus, dass man an einem Tag zusammen seine Stadt supportet, während anderntags die einen Antifas sind, die anderen im Freien Widerstand. Und laut meiner spärlichen Internetrecherche trifft sich die Szene sogar bei nationalen Ultraskonferenzen. Offenbar scheint vielen Ultras die „Bewegung“ derart wichtig zu sein, dass man die politischen Fragen außen vor lässt, um die „Sache“ an sich nicht zu gefährden. Kann man sich ein Skinheadtreffen vorstellen, bei dem Redskins friedlich neben den Skinheads Sächsische Schweiz sitzen und in gemeinsamen Workshops über die Skinheadbewegung debattieren? Oder ein Skinheadfestival, bei dem Sharpskins gemeinsam mit Combat 18 die Ehre ihrer Stadt verteidigen? Wohl eher nicht. Wenn die Verbindung von bestimmten Ultras und dem Linksradikalismus mehr als Mode wäre, müsste man sich dann nicht von einem Großteil der eigenen Fans und der deutschen Ultrasszene distanzieren?Mehr noch: Müsste man dann nicht schreiend aus dem Stadion laufen?
Abgesehen vom Aspekt des Lokalpatriotismus besitzt die Szene noch einen weiteren Aspekt, der doch eher an rechte Stammtischbrüder erinnert als an eine Gruppe mit emanzipatorischem Potential: Ultras sind zum größten Teil Männerbünde. In der Antifa-Szene, die ebenso als männerbündelnder Kreis zu verstehen ist, wird wenigstens noch über Geschlechterrollen und Mackermilitanz diskutiert. Dem Selbstverständnis von überwiegend männlichen Ultrasgruppen unterstelle ich, dass ihre männliche Selbstidentität stark von Selbstzuschreibungen wie „Stärke“ und „Aggressives Auftreten“ gekennzeichnet ist. In Gruppen und natürlich oft nach ein paar Bier verhält sich dann die ach so linksfühlende Szene doch wie eine Horde rechter Dorfgesichter auf der Weinfest, die auf jede Gelegenheit warten, um jemandem auf’s Maul zu hauen. Frauen scheinen nur am Rande eine Rolle zu spielen: Als Freundinnen, die vielleicht mal zu einem Spiel mitfahren, meistens aber zuhause bleibe. Wie fundiert kann das linksradikale Selbstbild eines Ultras sein, wenn die männliche Virilität, die man selbst verkörpern möchte, so überaus unangetastet bleibt? Wenn ich bei Ultras in Horden nichts erkennen kann außer eine männliche Identität, die sich selbst auf Muskeln und Samenstränge reduziert?
Der einzige Zusammenhang zwischen emanzipatorischem Linksradikalismus und Fußball ist wohl der modische Aspekt. Die Absage an jegliche Form von Lokalpatriotismus, Heimatduselei und Männergepose ist ein Ziel, dass mit Fußballfanatismus recht wenig zu tun hat.
Love minigolf, hate football!

Benjamin Böhm

Zum Wert der Arroganz

10 Thesen zum Wert der Arroganz

1.Die Gegenwart wird durch die Ideologie der Postideologie bestimmt. Unversöhnliche Standpunkte scheinen nicht mehr zu existieren, jede Debatte wird zum Diskurs, der zum Konsens treibt.

2.Die Addition aller Debatten, die keine Unversöhnlichkeit kennen, nennt sich Postmoderne. In ihr vollendet sich die unbewusste Demut gegenüber dem Kapitalverhältnis.

3.Die Folge des Absterbens der Unversöhnlichkeit ist ein empfundenes Wir. Dieses Wir ist als verinnerlichte Ressource zu betrachten, an die in (ökonomischen) Krisenzeiten appelliert werden kann, um vereinzelte Menschen zu VolksgenossInnen zu machen.

4.Die Postideologie hat sich längst alle öffentlichen und privaten Debatten zu eigen gemacht: Was früher Authentizität oder Prinzipientreue war, wird heute als Arroganz bezeichnet und geächtet. Eine Diskussionshaltung, die nicht von vorne herein konsensual wirkt, kann wegen der postideologischen Deutungshoheit über die Begriffe als ideologisch gebrandmarkt werden, wobei die Ideologie des Kapitalismus unbehelligt bleibt.

5.Die Gegenwart hat die Fähigkeit verloren, Arroganz und Unversöhnlichkeit zu unterscheiden. Beide Begriffe sind ihrer einstigen Bedeutung beraubt und fallen zusammen.

6.Hochmut ist eine Haltung, die soziale Distanz verdeutlicht. Eine Gegenwart, die keinen Streit ohne Versöhnung kennt, strebt daher danach, die Arroganz als Feind des Friedens auszumerzen.

7.Anstand ist die zur Tugend erhobene Akzeptanz der Umgangsformen, die die Herrschaft des falschen Wir über das Ich möglich machen. Arroganz ist eine Haltung, die keinen Anstand kennt.

8.Wer als arrogant bezeichnet wird, verweigert sich der konsensualen, postideologischen Debattenkultur, in der jede Feindschaft zur Freundschaft werden kann, und Krieg zu Frieden wird.

9.Wer als arrogant bezeichnet wird, kann als VerneinerIn des postideologischen Konsenses angesehen werden. Hochmütig vorgetragene Standpunkte nämlich stehen für sich selbst und für ihre Wahrheit, statt in der Beliebigkeit der postmodernen Wahrheiten zu verschwinden.

10.Arroganz ist daher keine negative Eigenschaft, sondern ein Prädikat, das sich der Selbstverneinung gegenüber dem Kollektiv verweigert und auf die Möglichkeit der Emanzipation hinweist.

Gruppe Arrogante KommunistInnen

Der Räuber im Gendarmen

Der Räuber im Gendarmen

Überlegungen zum Innenleben der Ordnungsmacht während der Verkehrskontrolle

Würzburg bei Nacht. Geruhsam vor sich hin schlummernd, und trotzdem, geradezu auf eine paranoide Art und Weise, wachsam, ängstlich und stets bis auf die Zähne bewaffnet. Die einzigen Automobile, die mir in an diesem frühen Dienstagmorgen begegnen, sind Taxis und Streifenwagen. Und glauben sie mir: Ich leide nicht an Wahnvorstellungen, wenn ich auch alle anderen Autos, die mir entgegenkommen, für zivile Einsatzfahrzeuge halte. Das zeigt die bittere Erfahrung unzähliger Verkehrskontrollen, inklusive Drogentests, Autodurchsuchungen und weiteren Demütigungen. Aber das ist eine andere Geschichte. Sollte es dennoch einmal passieren, dass eine Privatperson des Nachts den öffentlichen Raum benutzt, um von A nach B zu gelangen, stürzt sich die Ordnung auf diese wie eine Meute hungriger Wölfe, denen du ein Stück Fleisch vor die Füße wirfst.
Und so werde auch ich, in meinem Kleinwagen mit kaputtem Bremslicht, ein Hors d‘oevre für das grüne Rudel. Nur kein Hauptgang werden. Eine Polizeistreife stand an ihrer Lieblingsstelle und ließ sich das berühmte „wir-folgen-Dir-einige-hundert-Meter-und-hoffen-dass-du-nervös-wirst-Psychospiel“ nicht entgehen. Nun leuchtet „Stop-Polizei“, wie immer in Blutrot. Zwei junge, engagierte Ordnungshüter steigen aus. Es sind alte Bekannte, obwohl ich die beiden Jungspunde noch nie gesehen habe. Was ich an ihnen wiedererkenne ist dieses selbstsichere, furchteinflößende und doch so leere Grinsen, das Polizisten, die die Schnauzbartzeit noch nicht erreicht haben, kennzeichnet. Und noch etwas kommt mir bekannt vor: die Gelfrisur. Niemand sonst schmiert sich eine solch übertriebene Menge Pomade in die Borsten und formt diese zu einer „Frisur“, die selbst David Beckham hätte sein lassen sollen.
Ein erster Feindkontakt. Langsam kurbele ich das Fenster hinunter. „Guten Morgen, Polizeikontrolle. Führerschein und Fahrzeugpapiere!“ Wortlos übergebe ich meine Papiere. Auch sein unterfränkischer Zungenschlag hört sich für mich vertraut an. Ich muss an meine Schulzeit auf dem Dorfe zurückdenken, an Fünfer in Latein und Mathe, an Händchenhalten in der Geisterbahn, an Brausestäbchenessen im Freibad und an all die einstigen Klassenkameraden, die heute ihrem beschissenen Job nachgehen.Und ich muss auch an Coco und Ralle1 denken. Sie waren die Coolen von der Schule2, mit einer Attraktivität für das weibliche Geschlecht ausgestattet, die eben nur auf dem Lande existiert: Die coolen Fußballtypen, stets mit abgedroschenen Sprüchen auf den Lippen, kleinen Prügeleien auf dem Pausenhof nie abgeneigt. Immer auf eine Art und Weise bedrohlich auftretend, vor allem gegenüber dummen Strebern oder Fettsäcken wie mir. Die typischen Halbstarken also, die auch mit 20 Jahren noch ihre 15 Jahre alte Freundin mit dem GTI von der Schule abholen werden. Damals, in der fünften oder sechsten Klasse, gingen bestimmt einige Eltern davon aus, dass den beiden Fußballhelden, denen die Faust so locker sitzt, eine kleinkriminelle Zukunft bevorstehe. Es kam anders: Beide wurden Polizisten.
„Herr Arthur, schon mal was mit der Polizei zutun gehabt?“ Ich hasse diese rhetorischen Fragen, diese vorhersehbaren Spielchen auf den Nerven verängstigter Autofahrer. Sollte ich wirklich einen Eintrag in irgendeinem Polizeiregister haben, so wissen dies die Ordnungshüter spätestens nach der Überprüfung meiner Daten per Funk. Aber zurück zu Coco und Ralle: Ich habe mich oft gefragt, wie sich ein Polizist im Moment der Verkehrskontrolle fühlt. Ob er es befriedigend findet, Leuten von Berufswegen psychisch, manchmal auch körperlich, zu schaden. Ob er zu Hause seiner Freundin stolz davon erzählt, wie vielen Kiffern er diese Woche ihren Führerschein entzogen hat, genauso wie ein Jäger damit prahlt, wie viel Wild er des Nachts erlegt hat. Und wenn ja, woher stammt der Antrieb, selbst den kleinsten Delikten nachzugehen? Coco und Ralle wurden Gendarmen- aber in ihrer Kindheit und Jugend waren sie eher die Räuber. Die Clique, die sich aufspielte, als gehörten ihr alle hübschen Mädchen, DFB-Pokale und dein Pausenbrot. Ihre Allmachtsphantasien wurden Realität: Coco und Ralle müssen sich heute nicht mehr einbilden, ihnen gehöre die Welt: Der Polizei gehört sie zumindest mehr als mir, wie ich in diesem Moment erneut feststellen muss.
„Haben die heute Abend Alkohol getrunken oder illegale Drogen konsumiert?“. „Nein“. Der eine Polizist holt eine Taschenlampe und leuchtet mir damit in meine Augen. „Ihre Pupillen reagieren überhaupt nicht!“, faucht es aus ihm heraus. Die Tricks der Ordnung sind derart vorhersehbar, derart dämlich, dass ich darüber nicht einmal mehr lachen kann. Hat man diese Prozedur einige Male mitgemacht, dann verwandelt sich die Angst vor der Polizei irgendwann in Häme oder blanken Hass. Es handelt sich um die Masche, einfach zu behaupten, dass man keine Reaktion zeige, um Menschen nervös zu machen. Und dieses Herumfuchteln mit der Taschenlampe erinnert mich erneut an einen Halbstarken, der sein Springmesser an meine Kehle legt. Und meine Schulkameraden Coco und Ralle? Aus zwei jugendlichen Räubern wurden am Ende Gendarmen. Woher der Antrieb, woher die Akribie rührt, Kleinkriminellen ihr Dope wegzunehmen oder das Wort „Bulle“ als Beleidigung zu registrieren, konnte ich nie verstehen. Vielleicht habe ich nun endlich eine Antwort gefunden. Aus Räubern wurden Gendarmen. Gendarmen jagen Räuber und jagen dadurch die eigene Lust am Ganoventum. Verdrängen durch ihre Arbeit den gesetzeslosen Teil ihrer selbst, der tief unter der Oberfläche ihres Ichvergraben liegt.
Wie aus dem Nichts reicht mir der Polizist auf einmal meine Papiere und verabschiedet sich mit „OK, alles klar, einen schönen Morgen noch!“ in die Nacht. Danke auch. Wenigstens war ich der Polizei kein Hauptgang. Ich habe mich nie mit ihnen versöhnen können, mit den Herren in Grün, obwohl ich es mir längst abgewöhnt habe, irgendeinen Beruf, den die bürgerliche Gesellschaft gebärt, moralisch verurteilen zu wollen. Außer den Polizeiberuf.
Die Erkenntnis aber, dass auch Polizisten vermutlich nur kleine Ganoven wie du und ich sind, macht mich seitdem froh.

Von Arthur Anna
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1: Namen von der Readaktion geändert

Hype 14 kommt…

…hoffentlich…

bald. Wenn unser Layouter sich endlich mal dran macht.

Bis es so weit ist, habe wir schon mal drei Sachen aus #14 hierher gestellt, und stellen vielleicht noch ein paar hin, mal sehen.

Fick die Uni!

An die Studenten

Wollt ihr euch jetzt endlich eurer Haut wehren, oder nicht? Oder wollt ihr uns das Schauspiel, dass ihr uns schon im „besetzten“ Hörsaal geboten habt, noch länger bieten?

Habt ihr kein Gefühl dafür, wie sehr ihr euch zu Deppen gemacht habt? Habt ihr nicht so viel Klarsicht und Verstand, um zu begreifen, wie lächerlich eure Aktionen, eure Forderungen, euer ganzes hervorragendes demokratisches Bewusstsein sind, wenn man sie vergleicht mit dem Leben, das ihr führt, und das ihr führen werdet?

Sogar mein Zorn auf eure wahrhaft kindischen Manifestationen beleidigt euch; ist es vielleicht, weil ihr nicht lernen könnt? Ihr fühlt euch in euren besten Absichten böswillig falsch verstanden: habt ihr nie gelernt, dass es auf die gute Absicht nicht ankommt, und könnt ihr nicht erfassen, was abzüglich der guten Absicht, die ich euch nicht abnehme, von euren Aktionen übrigbleibt?

Einen Hörsaal „besetzt“ man nicht so, wie ihr es tut. Etwas zu besetzen, was einem nicht gehört, ist ein bisschen schwieriger. Manche wissen das, ihr nicht. Ihr wolltet gerne etwas wichtiger und radikaler aussehen, als ihr zu sein glaubtet. Gleichzeitig habt ihr euch darauf verlassen, dass ihr harmlos genug seid, um nicht wirklich rausgeworfen zu werden. Das falsche Spiel ging nicht gut auf.

Ihr habt es nicht drauf ankommen lassen. War es euch etwa gar nicht ernst? Euer leisetreterisches Geheule um den Dialog mit dem Herrn Präsidenten zeigt mir, dass ihr ganz einfach nur ernst genommen werden wolltet. Weil ihr nicht begriffen habt, dass ihr nicht ernst genommen werden könnt. Es gibt nämlich keinen Grund, warum jemand einen Studenten ernst nehmen sollte.

Studenten sind fleissig, eifrig, nehmen unglaubliche Entbehrungen hin, verheimlichen ihre Depressionen und setzen sich ein Gesicht auf, als ob sie glücklich und voller Mut und Dankbarkeit ihrer Zukunft entgegensehen, die doch sicher – darauf vertrauen sie ganz fest – nur Gutes für sie bereithält, denn sind sie nicht die Auserkorenen ihrer Nation? Sind sie nicht, wenn nicht die Besten der Besten, so doch der Produktionsfaktor der Zukunft? Hat das nicht der Bundespräsident versichert? Glaubt man ihm etwa nicht?

So benimmt sich ein Mensch, dem man alles einreden kann. Und das tut man auch. Alle Welt lacht über die Studenten. Und ihr wolltet ernst genommen werden, solange ihr noch die Rolle von Studenten spielt? Solange ihr es tut, werdet ihr die Hand nicht beissen, die euch füttert. Bevor ihr nicht aufhört, Studenten zu sein, wird euch niemand ernst nehmen. Aber niemals wird ein Student den Schlauch kappen, aus dem er die Bedeutung zieht, die seinem objektiv elenden Leben allein einen Sinn gibt. Denn irgendwozu muss das doch alles gut sein.

Eher rebellieren die Katholiken gegen den Papst, als die Studenten gegen die Uni.

Und deswegen werdet ihr euch nach dem, was Uni und Staat euch vorgeben, zu richten haben. „Die Studenten können gegen nichts rebellieren, wenn sie nicht gegen ihre Studien rebellieren“. Wenn ihr das System der Mühsal, für das ihr auch noch Geld zahlt, los werden wollt, müsst ihr es anders anfangen. Solange ihr das nicht tut, werden jedenfalls wir euch im Stich lassen, denn unsere Sache betreibt ihr nicht.

Von Evi Schmitt

Bekenntnisse eines jungen Lohnarbeiters III

An diesem Abend lief ich unter am Fluss vor der Stadt und hing meinen Gedanken nach; ich stand unter den Bäumen, und sah zu, wie es langsam dunkel wurde. Vor mir, über dem Fluss, hing die alte Brücke mit der Autobahn; neben mir, hinter den Bäumen, die Strasse. Hinter mir irgendwo die Stadt.

Die Scheinwerfer der einzelnen Autos verwandelten, von der Bewegung verschmolzen, die Strassen in leuchtende Bänder, die wie Schlangen durch die Gegend liefen; irgendwo vorne im Dunkeln kreuzten sie sich, umwanden sich, mündeten ineinander und teilten sich, und tanzten ein seltsames Ballet.

Das Schauspiel blieb sich zu lange selber gleich, und ich wollte weitergehen, um meine Gedanken zu zerstreuen, aber ich zögerte erst, und dann betrachtete weiter, erst unwillig, dann interessiert die niemals endende Bewegung des Wurmes.

Ich bin so oft selbst entlanggefahren, hier oder anderswo, zur Arbeit oder zurück, die Strassen entlang, die die einzige Verbindung meines zerrissenen Lebens sind, und so oft habe ich mit sehnsüchtigem Blick etwa abseits der Strasse, hier neben dem Fluss, das grüne und gelbe Gras im Wind wehen sehen, unter den schattigen Bäumen, und das Wasser, das in der Sonne um die Steine glitzerte. Und wie oft habe ich gewünscht, ich wäre dort, und nicht da, wo ich herkomme, oder wo ich hingehe. Und nie war ich dort.

Jetzt stand ich an einem ganz ähnlichen Ort und sah den Leuten zu, denen es vielleicht gerade genauso ging. Was dachten sie wohl gerade? Wohin gingen sie, woher kamen sie, warum passierte das alles?

Und ich sah dem stählernen Tanz weiter zu, der wie sich zu den Schlägen eines unsichtbaren Taktstockes blind weiter bewegte, manchmal rascher, manchmal stockend und stossweise. Was trieb diese gespenstische Maschine an?

In den Autos, wusste ich, sassen Menschen, die zur Arbeit oder von der Arbeit heim fuhren; in den Lkw Waren, die zum Verkauf oder zur Produktion fuhren. Eine gigantische rollende Lagerhalle für Industrie und Handel, pulsierend unter einem rauchigen orangenen Nachthimmel. Und zum Verkauf oder zur Produktion fuhren auch die Menschen. Oder nach Hause.

Wie Batterien, wie Leergut, das gefüllt werden muss, und alles, was sie ihr Leben nennen, ist nur das Auffüllen. Und morgend früh werden sie wieder zur Arbeit fahren, fast wie freiwillig, aus eigenem Antrieb, und werden glauben, sie seien das selbst, was das Auto fährt; dabei ist es nur eine Ware. Die sind sie selbst.

Dinge, und Menschen, und die Menschen sind auch Dinge. Sie zirkulieren, auf dem Markt. Sie haben alle ihre Wünsche und Träume, und wollen vielleicht, dass es anders ist, und alles ist ihnen sehr persönlich, was sie tun, aber in Wirklichkeit interessiert nicht,was sie wollen, sondern was sie müssen. Und es ist, wie wenn ein Schleier vor mir zerreisst, und kreischend erscheint die Wirklichkeit vor mir.

Der unfassbar riesenhafte Kreislauf pulsiert vor mir wie das Blut in den Adern eines gigantischen Ungeheuers, von dessen Willen alleine bestimmt; ich sehe, wie er sich aus den Strassen, den Ansiedlungen, den bewohnten Häusern, aus dem Fluss und den Bergen, aus der Stadt und den anderen Städten zusammensetzt, wie vor meinen Augen; ein riesenhafter organischer Leib, der die ganze Wirklichkeit in sich begreift, aus allen ihren Bewegungen besteht; er ist um uns, und wir sind in ihm, nur ein Teil von ihm; alles Land um mich ist, als ob es sich zu seiner Gestalt wölbt; höher als die Berge, ich sehe, wie er sich vor dem Nachthimmel erhebt; ich schreie vor Furcht, ich begreife mit Entsetzen, was vor mir geschieht: ich sehe den grossen Leviathan, in seiner wahren Gestalt. — Ich sehe ihn, ich kann ihn sehen, seht ihr ihn denn nicht? Sieht es niemand? Packt niemanden das Grauen, vor der Bestie, dem grossen Drachen? Ich sehe, wie er sich bewegt, ich höre ihn zischen! ---

Zu Hilfe! Zu Hilfe! Der Absolute ist hier! —

Als das Entsetzen über das, was ich begriffen habe, nachlässt, bin ich schon wieder auf dem Weg in Richtung Stadt, aus allen Kräften rennend: nur weg von diesem Ort, nur schnell weiter, schnell.

Antifadebatte

Der Hype heißt (noch) nicht Phase 3. Trotzdem hier eine kleine Antifadebatte….

(So Gott will, wird der Hype 14 bald erscheinen. Da ich sehr ungeduldig bin, werde ich jetzt ein paar Texte aus dem Hype 14 hochstellen. So.)
Im Hype Nr. 11 formulierte ich einige Thesen über Scheitern, Konsequenz und Gebrauchswert des Autonomen Antifaschismus, die aber bisher nicht online gestellt wurden. Hier wird auf einige der Thesen geantwortet, was auch im Hype 14 nachzulesen sein wird. Wenn ich Lust darauf habe, werde ich im Hype 15 eine Antwort formulieren.
Anbei der Text über den Autonomen Antifaschismus aus der #11:

Thesen über Scheitern, Konsequenz und Gebrauchswert des Autonomen Antifaschismus

Totgesagte leben länger: Weder durch die rot-grüne Institutionalisierung des Antifaschismus ab 2000 noch durch die Spaltung der Antifaschistischen Aktion/Bundesweite (AA/BO) scheint das Konzept der Autonomen Antifa als letztes popkulturelles Phänomen der radikalen Linken für Jugendliche seine Bedeutung verloren zu haben. Die folgenden Thesen sind eher an diejenigen gerichtet, die sich im Antifa-Umfeld bewegten und bewegen. Diskussionen über das Für und Wider des Konzeptes Autonome Antifa veranlassten mich, diese niederzuschreiben, um vielleicht auch in anderen Kreisen Debatten anzustoßen oder wenigstens, um ein paar Dogmatiker zu ärgern.

1.Das Konzept der Autonomen Antifa als Nachhall der autonomen Bewegung hat sich selbst ad absurdum geführt. Nicht die Vollendung der linken Staatswerdung durch die rot-grüne Regierung und die damit einhergehende Institutionalisierung des Antifaschismus, sondern die Unfähigkeit, Rassismus, Faschismus und insbesondere offenen und strukturellen Antisemitismus nicht als pathologische, sondern als aus dem Wesen der deutschen Gesellschaft selbst hervor kommende Erscheinungen zu begreifen, nimmt dem Autonomen Antifaschismus seinen Gebrauchswert als eines der letzten Milieus, in dem der Gedanke der Überwindung des Staates hauste und haust.

2.Das Zerbrechen der bundesweiten Organisationsversuche, insbesondere in Form der Antifaschistischen Aktion/Bundesweite Aktion (AA/BO), und die Konfliktlinie des Nahost-Konfliktes führten dazu, dass es heute nicht mehr möglich ist, von der Antifaschistischen Bewegung als Ganzes zu sprechen, geschweige denn, diese begrifflich zu fassen. Alle Versuche, den Begriff „Antifa“ als Kitt zu verwenden, um die Bewegung als Ganzes zu mobilisieren, ist lediglich der Versuch, die legitimen Brüche und Gedankengänge der radikalen Linken glattzubügeln und eine diffuse antifaschistische Bewegungslinke auf dem theoretischen Stand von 1989/90/91 zu erschaffen.

3.In Gegenden ohne offensiv in Erscheinung tretende Nazi-Szene ist das Label Antifa kaum mehr als eine Beschäftigungstherapie für gelangweilte Jugendliche. Antifa-Recherche und antifaschistischer Lifestyle in Form bestimmter jugendkultureller Symbolsprache haben natürlich in Regionen mit einer festen Neonazis-Struktur ihre Berechtigung. In gewisser Weise drückt sie aber in Gegenden ohne rechtsradikale Szene die Unfähigkeit der Antifas aus, eine radikale Kritik an der gesellschaftlichen Gesamtheit zu artikulieren. Durch die Fixierung auf den Feind Neonazismus meint man, ein klar auszumachendes Subjekt des falschen Ganzen gefunden zu haben, gegen das es zu kämpfen gilt, ohne sich gegen dieses Falsche Ganze selbst zu stellen.

4.Die zahlreichen Neugründungen von Antifa-Gruppen haben wenig mit einem neuerlichen Revival des klassischen Konzeptes der Autonomen Antifa zutun, sondern zum einen mit der Tatsache, dass aktionistische Jugendliche das Web 2.0. für sich entdeckt haben und es viel leichter geworden ist, durch Internet-Präsens seinen Freundeskreis als eine verfassungsfeindliche Gruppe namens Antifa XY hochzustilisieren, zum anderen mit der Kult-Werdung des Konzeptes Antifa und einem damit verbundenen ästhetisierten Militanzfetisch, der als bloße Drohung im Raum steht und sich somit zum Kitsch geriert.

5.Was Fragen von Geschlechterverhältnis und Sexismus angeht, ist der Autonome Antifaschismus sogar hinter die Autonomen der 80er zurückgefallen. Die Antifa blieb ein heterosexuelles Männerphänomen. Aus der vermeintlichen Präsenz von Stärke gegen die Neonaziszene wurde und wird nicht selten ein Fetisch von proletenhafter Virilität, und in Verbindung mit Alkohol wird aus Antifa-Freundeskreisen oftmals nichts anderes als ein aggressiver Männerbund.

6.Mit der Krise der Wertverwertung, besonders deutlich durch die dritte industrielle Revolution, verschwand nicht nur die klassische fordistische Arbeiterklasse als vermeintliches revolutionäres Subjekt der StaatskommunistInnen, sondern es verflüchtigte sich auch das links-bürgerliche Milieu samt seiner Lebensweise, aus dem ein Großteil der AntifaschistInnen stammen. Ob bewusst oder unbewusst, so stellen bestimmte „Ideale“, die in der Antifaschistischen Bewegung hochgehalten werden, nichts anderes dar als eine bürgerliche Krisenideologie, nichts anderes als den Versuch, das kleinbürgerliche Idyll gegen die aktuelle ökonomische Realität zu verteidigen, statt beide als Kehrseite der kapitalistischen Medaille zu betrachten. Beispielhaft seien zum einen der Versuch der meisten Antifas genannt, an der Universität Fuß zu fassen oder LehrerIn zu werden und somit fleißig am eigenen Hineinwachsen in den Staat zu arbeiten , zum anderen die Verteidigung der eheähnlichen bürgerlichen Zweierbeziehung und die damit einhergehende Ablehnung andere Formen von Sexualität, im schlimmsten Fall die pauschale Bezeichnung derer als sexistisch.

7.Wer sich heute noch autonomeR AntifaschistIn nennt, muss sich spätestens seit den Brüchen von 2000 bis 2003 bewusst sein, dass der Ausspruch „dieser Ort ist bunt!“ nichts anderes ist als der Schutzreflex der Heimatidentität, deren Klima den (Neo-)Faschismus selbst hervorgebracht hat. Im dem Moment, in dem sich auch Antifa-Gruppen an die Seite einer bürgerlichen Protestkundgebung stellen, die behauptet, die Region sei bunt, spricht sie zur Erhaltung der Kaffharmonie eine offene Lüge aus, noch mehr: Sie macht sich selbst zum Teil des gesellschaftlichen Klimas, aus dem heraus der Nationalsozialismus und Neonazismus entstanden.

8.Jede Gruppe, die sich in irgendeiner Weise antifaschistisch definiert und sich auf den Autonomen Antifaschismus bezieht, müsste die Kritik an strukturellem Antisemitismus und an Antizionismus mit einschließen, nicht ohne den Bruch mit jenen Linken, die den Kapitalismus auf der Grundlage von Verkürzungen kritisieren, die leicht an antisemitische Denkmuster andocken, zu scheuen. Die Unfähigkeit, das Gros der Bewegungslinken zu verlassen, hat viel dazu beigetragen, dass man die meisten Antifa-Gruppen als eine Art von militantem Arm des sozialdemokratischen Antifaschismus bezeichnen kann.

9.Genauso wie viele die kommunistische Kritik teilen, ohne sich mit den Überbleibseln des Staatsmarxismus als Bewegung zu identifizieren, müssen AntifaschistInnen fähig sein, den Kitt mit Namen „Antifaschistische Bewegung“, der nichts zu bieten hat als die Erinnerung an die 90er Jahre und der längst die historische Relevanz für KritikerInnen verloren hat, aufzukündigen. Einfach und allein aus dem Grund, um auf der Grundlage einer radikalen Kritik an den Kategorien der kapitalistischen Gesellschaft wie Wert, Nation, Staat und Arbeit, die bereits im Autonomen Antifaschismus, aber in unklarer Form, enthalten war, das Projekt der Emanzipation voran zu treiben, statt Staat machen zu wollen.

Yvonne Hegel

Intro #14

Als Vorgeschmack auf die Printausgabe #14 finden sie hier bereits das Intro der Ausgabe. So in einer Woche liegt der Hype dann an den (un)bekannten Stellen aus.

Intro Nr. 14

Ein dreifaches Oi und herzlich willkommen zur Schneeglöckchenausgabe des Letzten Hypes. Seit unserer letzten Ausgabe ist in Würzburg bestimmt sehr viel passiert. Nur werden sie hier nichts davon lesen. Und auch wenn noch so viele StudentInnen „Würzburg brennt!“ rufen: Ein Feuer habe ich noch nicht gesehen.

„Gähnende Langeweile, dies ist der Boden, auf dem Punkrock entstand!“ Ein Zitat, das ich irgend woher aufgeschnappt habe. Ich bin mir aber sicher, dass auf dem Boden der gähnenden Langeweile auch die Meerscheinchenzucht entstanden ist. Mit Schlonzo dem Geachteten in einem Hasenkostüm und einer ungenierten Schwäbin machte ich mich doch im Herbst tatsächlich nach Veitshöchheim auf, um eine Meerschweinchenschau zu besuchen. Fragen sie mich nicht warum, höchstwahrscheinlich wegen dieser gähnenden Langeweile. Ich habe mich nie für Meerschweinchen interessiert, und tue es auch jetzt nicht. Wie verdammt noch mal kann es sein, dass ich bei einer Tombola, in der die Gewinnchance angeblich 50/50 beträgt, fünf mal hintereinander die Niete ziehe? Wenigstens habe ich dann beim sechsten Male einen Schwimmreifen gewonnen. Wussten sie eigentlich, dass Meerschweinchen einen Stopfdarm besitzen? Sie müssen ununterbrochen Fressen, und wenn einmal das Futter ausbleibt, dann bilden sich Blähungen, die über Tage anhalten und sehr schmerzhaft für die Tierchen sind. Ich stelle mir das so vor wie eine Überdosis Sojasteaks im menschlichen Magen. Oder in meinem zumindest. Bei dieser Ausstellung hing auch ein Grußwort des Bürgermeisters, der davon berichtete, dass Touristen sich an den Gardasee erinnert fühlen, wenn sie in Veitshöchheim am Main spazieren gehen. Ich war zwar noch nie am Gardasee, aber ich glaube jetzt weiß ich, dass ich dort niemals hin will.

Soviel zu den Meerscheinchen. Ein Vogelo hat mir erzählt, dass angeblich Jojo Schulz in Zukunft das AKW-Gelände als Zweigstelle der Posthalle nutzen darf. Wurden da die geheimen Begehren des Jojo S. Am Ende doch noch wahr? Erst brennt man das Dorf nieder, nach dem Bürgerkrieg reitet man auf einem Maulesel wieder in das zerstörte Kaff und will als Held gefeiert werden? Zum Glück wissen noch ein paar Menschen, wer sich da als Retter darstellen wird, und werfen hoffentlich statt Rosenblüten faule Früchte.

Und ich habe nicht die geringste Ahnung, was diese Anekdote mit der kommenden Ausgabe zu tun haben soll. Aber irgendwer muss ja ein Intro schreiben. Also zumindest ich wäre enttäuscht, wenn es keines gäbe. Jörg Finkenberger glaube ich wäre ganz froh, wenn man das Intro weglassen würde. Den Gefallen werde ich ihm nicht tun. Nie!

Für immer Ihr
Hunter S. Heumann

Hype 14 kommt!

Paaret Euch!
Neu:
Jetzt mit 30 % mehr Liebe!

Hype 14 kommt!

Fürchtet Euch!
Neu:
Jetzt mit 30 % mehr Hass!