Archiv der Kategorie 'heft 1'

Rainer Bakonyis Lieblingsrezepte

heute:Tortillas in feuriger Schokosoße.
Kein Witz. Und ist überhaupt nicht süß.

Für die Sauce:
In einem Topf Butterschmalz – oder eben Bratmargarine– erhitzen und eine fein gewürfelte Zwiebel anbraten.
Nun 5-6 in sehr feine Streifen geschnittene rote und grüne Chilischoten dazu geben, mit zwei kleinen Dosen Pizzatomaten ablöschen. Mit Salz, Pfeffer, 1 Eßlöffel Paprika, ½ Teelöffel Kreuzkümmel, einer Prise Koriander, 1 Eßlöffel Oregano und etwas zerstoßener Nelke würzen. 2 Eßlöffel Kakao Pulver einrühren und mit 200ml Wasser auffüllen. Nun noch 6-8 gepreßte Zehen Knoblauch dazu geben und etwa eine halbe Stunde köcheln lassen. Darf nicht zusehr eindicken, evtl. etwas Wasser zugeben. Ohne Handwerker in der Küche ist das ein
recht einfaches und ziemlich schmackhaftes Menü.
„Mahlzeit“
sagt Rainer Bakonyi

Das Elend der studentischen Politik. Über die schon lange absehbare Niederlage der angeblichen Protestbewegung gegen die Studiengebühren

Nach 10 Jahren ist der Widerstand gegen die Einführung von Studiengebühren nunmehr wohl endgültig gescheitert. Das sollte, namentlich für die an diesem Widerstand beteiligten, ein Grund sein, einen Blick zurück zu werfen, und zwar im Zorn.

Ich habe an anderer Stelle und nicht allzu selten schon über die innere Schwäche und Halbheit dieser sogenannten Protestbewegung und der sie tragenden Organisationen geprochen, und kann mich deshalb hier mit einer kurzen Zusammenfassung begnügen.

Dass seit 1997 die Einführung von Studiengebühren bevorsteht, war damals und später allen klar. Ebenso war allen klar, welche Folgen das für Struktur des Studiums, die Zusammensetzung der Studierenden und die Autonomie des studentischen Milieus hat.

Dass es dann doch fast 10 Jahre gedauert hat, ist nicht im mindesten irgendeinem ernsthaften Widerstand der Studierenden zu verdanken. Denn dieser Widerstand existierte praktisch nicht.

Es sei denn natürlich, man bezeichnet die alle paar Jahre, wann immer es der parlamentarische Zeitplan diktiert, stattfindenden langweiligen und folgenlosen Grossdemos oder die nicht minder öden sporadischen „Aktionswochen“ als einen solchen. Letztgenannte Aktionen waren regelmässig darauf angelegt, das Verständnis der sogenannten Öffentlichkeit zu bemühen, indem man an den vermeintlich gemeinsamen Wert der „Bildung“ appelliert – ohne freilich zu sehen, dass man damit einem jämmerlichen Wortspiel aufsitzt, von dem niemand getäuscht wird als lediglich die Studierenden allein. Denn „Bildung“ bedeutet zweierlei für einen Kultusminister und für die Studierenden.

Man hat unbedingt Bildungspolitik treiben wollen, dem Staat gute Ratschläge geben wollen; man hat nicht die eigene Haut, sondern „die Bildung“ retten wollen, darunter tat mans nicht; man hat nicht wahrhaben wollen, dass der Staat Studiengebühren haben wollte zur Rettung eben der Bildung, welche im Kapitalismus alles andere bedeutet als die freie Entfaltung von Fähigkeiten und Bedürfnissen. Man wollte mitspielen beim grossen Spiel der Interessen und meinte, sein eigenes Interesse als Wohl der Allgemeinheit verkleiden zu müssen, wie es bei diesem Spiel so der Fall ist: nämlich zur Täuschung. Und man war dabei so ungeschickt, gerade als einzige Klasse auf diese eigene Täuschung hereinzufallen.

Die namenlosen Idioten, die auf Studierendendemos mit Transparenten herumliefen, auf denen der Verfall des Bildungsstandortes Bayern beklagt wurde, waren einfach nur gute Studenten. Und das wollten sie bleiben. Dass dergleichen Äusserungen im Namen irgendeines wertlosen Pluralismus geduldet wurden, ist ein Argument gegen die studentischen Aktivisten aus allen denkbaren irgendwie linken oder alternativen Gruppen.

Während solchermassen die Studierenden nichts anderes demonstrierten als ihre masslose Selbstzufriedenheit, die überschlug in die Wahnidee, sie seien tatsächlich in irgendeiner Weise gesellschaftlich besonders nützlich, taten die verschiedenen Fraktionen der studentischen Linken, sofern sie überhaupt irgendetwas zusammenhängendes taten, nichts anderes, als Politik zu spielen. Sie nutzten, genügsame Resteverwerter, noch das geringe Interesse an dem Vorgang überhaupt für kleinere oder grössere Intrigen um die Studierendenvertretung herum, sie warfen sich in Pose, um bei der Presse Profil zu gewinnen, sie luden auf den ohnehin halbtoten Widerstand ihre bildungspolitischen oder globalisierungskritischen Konzepte, um aus der geringen Zahl derer, die überhaupt aktiv waren, Rekruten für ihre schwindsüchtigen Organisationen zu machen.

Diesen Leuten ging naturgemäss jede Idee ab, dass die sogenannte Bewegung, die sie gemeinsam verwalteten und vertraten, auf diesem Weg kein anderes Ziel nehmen konnte als das erbärmlichste Scheitern. Denn jeder andere, bessere Weg hätte erfordert, den schwachsinnigen Stolz der Studierenden auf ihre sogenannte Bildung, und das heisst: ihre völlige Identifikation mit ihrer gesellschaftlichen Rolle, anzugreifen.

Die Studenten können nicht rebellieren, ohne gegen ihre Studien zu rebellieren, schrieb Mustafa Khayati 1967, und hat bis heute recht.

Widerstand gegen die Studiengebühren hätte bedeutet, das einzige sinnvolle am Studium zu verteidigen, nämlich den kurzzeitigen Freiraum und die kurzfristige Position, dem Getriebe der Ökonomie nicht ganz so hart ausgeliefert zu sein wie alle anderen. Die Niederlage bedeutet nicht mehr und nicht weniger als die Austrocknung dieses Biotops.

Dass der Irrglaube, das Studium sei wegen der tollen Inhalte etwas zu verteidigendes, im Kern nichts anderes ist als Konformismus, und zu nichts anderem führen kann als zur Unterwerfung, das zu sehen haben die wenigsten die Augen. Gerade für die kritischsten im Übrigen hat die unergründliche Weisheit nämlich die Politikwissenschaft erfunden; und dort bringen es, unter der gütigen Anleitung eines gewissen für radikal versehenen Dozenten, noch die hoffnungslosesten Fälle zur nicht zu unterdrückende Leichtigkeit und dem Glück, ein Student zu sein.

Es gilt, teils aus Kalkül, teils aus Dummheit, als ungeschriebenes Prinzip der Linken, dass man den Massen nach dem Maul zu reden habe; so als ob nicht deren unbegreifliche Geduld noch der einzige Grund wäre, warum weiterbesteht, was doch nicht mehr zu rechtfertigen ist. Niemals also wird man die Linken erleben, wie sie etwas anderes treiben, als die Leute dort abzuholen, wo sie stehen. In besseren Zeiten nannte man so etwas Opportunismus. Nichts liegt diesen Leuten ferner als der Skandal, nichts fürchten sie mehr als die Isolation.

Als Gefangene einer opportunistischen Strategie müssen sie Gefangene der Formen bleiben, in denen sich der offizielle Betrieb abspielt. Ob sich daher unter der vollendeten Passivität der sogenannten Massen eine ebenso vollendete Unzufriedenheit verbirgt, werden sie nie herausfinden. Im Falle der Studiengebühren haben sie es jedenfalls geschafft, die Studierenden mit dem Versuch, ihr Anliegen der Öffentlichkeit nahezubringen, tatsächlich völlig zu isolieren. Das Beharren auf der Verteidigung der Bildung war zwar sehr gut der sogenannten Mitte zu verkaufen, aber muss für die anderen Klassen völlig ohne Interesse bleiben, wenn nicht schlimmeres. Jeder Versuch dagegen, sich lediglich im eigenen Namen und auf keinen gefälschten allgemeinen Titel hin seiner Haut zu erwehren, hätte namentlich seit den Hartz-Reformen möglicherweise eine gänzlich unvermutete Sympathie bei breiten Schichten hervorgerufen, die die linken Kader selbst schon durch ihre völlig vergessene Existenz überrascht hätten.

Unglücklicherweise bleiben die offiziellen Linken nur solange Herren der sogenannten Linken, solange die gefährlichen Klassen nicht erwacht sind. Und das unbewusste Wissen darum ist es, das sie ängstigt, und immer zuverlässig dazu treibt, nichts unbedachtes zu tun.

Dass die studentischen Kader von der Linken aus der Bewegung nichts machen konnten, mag ihr Schicksal sein, immerhin schon ein Einwand dagegen, solchen Leuten die Hand zu reichen. Wie sie aber, alle mit- und gegeneinander, die letzten Monate vor der Niederlage organisiert haben, das ist ihre Schuld, für die sie bei der nächsten würzburger Hochschulwahl die Antwort verdienen.

Nicht genug, dass die eine Fraktion (Jusos) jahrelang die opportunistischste Politik getrieben haben, die man sich denken kann, und zwar nach jeder Richtung; nicht genug, dass sich diese Fraktion zerlegte über einen unglaublichen persönlichen Streit; nicht genug damit, dass einer der schlimmsten Opportunisten, ein Mitarbeiter eines SPD-Landtagsabgeordneten, schliesslich zusammen mit Michael Kraus eine eigene „Alternative Liste“ gründete, welche den Widerstand nunmehr richtig zu führen versprach: die Damen und Herren (vor allem Herren) beider Fraktionen haben es geschafft, ihre theoretische gemeinsame Mehrheit zu verschenken, aus Gründen desselben persönlichen Streits.

Die „Alternative Liste“ jedenfalls, die seit den letzten Wahlen zusammen mit denselben Konservativen, Liberalen und Grünen, welche sie im Wahlkampf noch nicht zu Unrecht als „neoliberal“ bezeichnet hatte, die Studierendenvertretung stellt, verdient, wenn sie denn noch einmal anzutreten die Stirn haben sollte, keine einzige Stimme. Diese von Martin Bielwaski (SPD) und Michael Kraus (Attac) geschaffene Gruppierung hat ihren Kredit so derartig verspielt, dass sogar die völlig heruntergekommene SPD-Truppe daneben noch gut aussieht.

Zuletzt haben es diese Leute geschafft, die definitive Einführung der Studiengebühren durch den Akademischen Senat der Universität mit nichts anderem zu begleiten als einer Diskussionsveranstaltung, auf der Uni-Präsident Haase und andere Senatoren zum abermaligen sprachlosen Erstaunen der wenigen anwesenden Studierenden kundgeben durften, wie sehr richtig sie das finden, was sie jetzt anschliessend zu beschliessen gedächten; woraufhin dann, nach eineinhalb Stunden, die Studierenden allmählich heim in ihre WGs liefen und Haase die Versammlung beendete, um zusammen mit dem Senat in aller Ruhe zu beschliessen. Absurderweise hatte man ihm sogar die Leitung der Veranstaltug überlassen.

Es fällt einem nichts mehr ein: sogar die wenigen anwesenden Studis hätten ausgereicht, um die Senatssitzung zu stören. Man hat Haase bewusst solange labern lassen, bis sie sich zerstreuten. Richtig erleichtert müssen sie sich gefühlt haben, die Jüngelchen der AL und ihr Meister, als endlich alles vorbei war: die Nervosität, die das Erscheinen dreier angeblich scharz gekleideter bei ihnen und den anderen Funktionären der Ordung herrvorrief, war immerhin ein kleiner Trost. Ich betrachte diese Nervosität, die meine blosse Anwesenheit bei solchen hervorruft, jedenfalls als eine Verpflichtung.

Das bisher letztes Lebenszeichen von AL und Studierendenvertretung war der sogenannte Studiengebühren-Boykott, an dem sich um die 50 Leute beteiligten, was in etwa der Anzahl der Mitglieder der AL zuzüglich ihrer WG-Mitbewohner/innen entspricht; wer das eine Blamage nennt, untertreibt. Angepeilt waren 30% der Studierenden. Soviele wissen, legt man die bisherigen Wahlbeteiligungen zu Grunde, noch nicht einmal von der Existenz der Studierendenvertretung. Eine nutzlose Existenz im übrigen, die bisher nichts als Schaden angerichtet hat und jetzt, in den Händen der Konservativen, der Liberalen und ihrer Alternativen Steigbügelhalter, natürlich nicht besser geworden ist.

Angesichts einer Studierendenvertretung, die bloss entweder den linken oder den rechten Politikanten zur Tribüne dient, kann jede wirklich grundlegende Veränderung nur mit der Forderung anfangen, diese Studierendenvertretung einfach abzuschaffen.

Jörg Finkenberger

Iran, die Bombe und die linken Dr. Strangeloves

Pünktlich zum Frühling wird in der islamischen Republik Iran eine quasi rituelle Säuberungskampagne inszeniert: Frauen, die es wagen, das verordnete Verhüllungsdiktat nicht peinlichst einzuhalten, werden angehalten, im glücklicheren Falle lediglich auf das Beleidigendteste „ermahnt“, sehr oft jedoch festgenommen und in Polizeistationen verschleppt, wo sexuelle Übergriffe zu den regulären Befragungsmethoden gehören.

Irans Griff nach der Weltmacht
Irans Griff nach der Weltmacht

So soll der vom „zionistischen Feind“ unterminierten Moral wieder zur Gültigkeit verholfen werden. Gleichzeitig hat das Regime die Straffreiheit bei dabei zuweilen vorkommenden Tötungen sichergestellt. Wer, auch ohne Amtsträger zu sein, Personen wegen unislamischen Handelns tötet, wird von der Strafe freigestellt. Diese gewaltsame Formierung im Inneren korrespondiert mit einer aggressiven Außenpolitik, welche mittels Handlangern wie den Klerikerkarikaturen al-Sadr junior und Nasrallah oder dem Diktatorendarsteller Baschar Assad die Region systematisch in einen Krieg nach dem Modell eines „low intensity conflict“ zieht und gleichzeitig eine bislang straflos gebliebene Serie von Provokationen gegen die führenden Staaten „des Westens“ lanciert. Weder die Tugenddiktatur des Klerus mit ihrem mörderischen Feldzug gegen Frauen, Homosexuelle, aufmüpfige Jugendliche und selbstverständlich auch Anders- bzw. Nichtgläubigen, noch die Militarisierung der Politik unter den Prärogativen eines islamisch aufgeladenen persischen Imperialanspruchs scheinen hierzulande den sonst überall Faschismus witternden linken Geschaftlhubern eine Bemühung des antifaschistischen Bekenntnisapparats wert. Wieso auch? Nazis sind und bleiben George W. Bush und die Israelis. Das Pfaffenregime in Teheran dagegen kann das Privileg des gerechten, weil „antikolonialen“ Kriegs für sich in Anspruch nehmen und seine Handpuppen gehen glatt als Führer von Befreiungsbewegungen gegen USA und Israel durch. Soweit von außen erkennbar ist die Theoriebildung in sämtlichen linken Fraktionen dabei lediglich in der Wahl der Termini verschieden, wobei die Schärfe der Urteilskraft mit der Weisheit deutscher Bischöfe konkurrieren muß, welche in Ramallah das wieder errichtete Warschauer Ghetto erkannten.
Wessen Ziel allerdings noch immer in der zu besorgenden Beseitigung aller Verhältnisse in denen der Mensch ein verächtliches und geknechtetes Wesen sei liegt, muß sich dringlich der Frage nach dem Wesen der „islamischen Republik“ stellen. Zeigt sich doch hier die Befähigung verbissener Feinde der Emanzipation des Menschen als Gattungswesen und Anhänger einer nach Geschlecht, Rasse und Religion hierarchisierten Gesellschaft (vulgo Barbarei) in das Gewand der Freiheit und des menschlichen Fortschritts zu schlüpfen. Gerade die Unterstützung der Ayatollahs durch die Internationale der Globalisierungsskeptiker und Multitudenvisionäre läßt die Wahrscheinlichkeit der Fortdauer – und damit Sieg – des Regimes auf ein immerhin zu beachtendes Maß wachsen. Was also, so lautet die hier zu stellende Frage, macht einen nach innen wie außen terroristisch agierenden Staat für westliche Linke so ungemein attraktiv? Diese Frage beinhaltet genau besehen zwei Fragen, und zwar nach den theoretischen Grundlagen dieser Linken auf der einen Seite, sowie nach der Beschaffenheit des iranischen Staates auf der anderen.
Die erste Antwort sei in gebotener Kürze erteilt: Denkverweigerung.(1)
Die Suche nach der zweiten Antwort erfordert deutlich mehr Kopfzerbrechen.
Die meisten Einschätzungen des Irans sehen in dem Regime lediglich ein weiteres Beispiel nahöstlicher Despotie, eine monolithische Diktatur, welche zynisch ihre Bevölkerung unterdrückt und lediglich am eigenen Machterhalt interessiert sei, jedoch deshalb auch mit geeigneten Lockangeboten zu einer gewissen Zusammenarbeit mit den führenden Industriestaaten zu bringen sei. Solcherlei kurzsichtige Erkenntnis liegt etwa der Forderung der Mehrheit des US Kongresses nach einer Verhandlungslösung mit Teheran zu Grunde. Ein anderer Ansatz bedient sich der Analogie mit dem historischen Faschismus bzw. dem Nationalsozialismus. Mit guten Gründen wird auf den aggressiven Antisemitismus, der nicht nur Achmadinedschads Reden durchzieht, sondern eine Grundlage der Staatsdoktrin darstellt, verwiesen. Auch die mit dem quasi-messianischen schiitischen Glauben an die Wiederkehr des „verborgenen Imams“ verbundene apokalyptische Weltsicht, die der Ministerpräsident nicht müde wird mittels Briefe an die politischen Führungen des Westens zu predigen, wird hier berücksichtigt. Dabei wird allerdings von einem zentralen Merkmal faschistischer Herrschaft abgesehen, nämlich der Basierung auf einer Massenbewegung, wie auch von der im Nationalsozialismus erreichten, absoluten Homogenisierung nicht lediglich der „Massen“ sondern restlos aller Angehörigen des Volkes. Weder ist der Iran eine Diktatur mit einheitlicher Führung – schon der verfassungsmäßige Widerspruch zwischen gewähltem Parlament und Regierung mit dem „Wächterrat“ spricht dem Hohn – , noch gibt es eine Massenorganisation, die wie im NS Deutschland mit dem staatlich bürokratischen Apparat in mörderischer Konkurrenz steht. Grundsätzlich opponierende Positionen sowohl zu zentralen Zielen in der Außenpolitik („Atomstreit“), als auch zum Umgang mit „unislamischen“ Tendenzen in der Bevölkerung werden innerhalb des Apparats und in den Medien vertreten und trotz rigider Repression existiert eine immer wieder aufflammende Opposition, die sich in wilden Streiks, Demonstrationen und recht handfesten Manifestationen bemerkbar macht. Zudem hat die durchgängige Kontrolle der öffentlichen Räume durch Anhänger des Regimes bei gleichzeitiger weitgehender Ignorierung der im Privaten sich abspielenden „unzüchtigen“ Tätigkeiten seiner Bürger (weniger seiner Bürgerinnen, wie die häufigen Steinigungen angeblicher Prostituierter zeigen) zu einer nahezu vermittlungslosen Auftrennung der Sphären des Privaten und des Politischen geführt. (2) Dennoch scheint das Regime gefestigt und der Griff nach der atomaren Waffe ohne allzu große Widerstände möglich. Mit der Geiselnahme der britischen Marineangehörigen und ihrer inszenierten Freilassung hat die Regierung einen gewaltigen politischen Erfolg zu verbuchen, der sich etwa auch in der Aufnahme direkter Kontakte zu den USA niederschlägt. Die regimeinternen Skeptiker, die sich über etwaige militärische Konsequenzen sorgten, wurden beruhigt, die bewegungsförmige Anhängerschaft wurde mit einem weiteren Sieg belohnt und das Bild des Iran als erfolgreichem Führer im internationalen Dschihad aufpoliert. Die militärischen Interventionen im Irak und im Libanon, die Gewinnung der Hamas als zusätzlichem Klienten und die zunehmend in ein Abhängigkeitsverhältnis sich wandelnde Allianz mit Syrien haben sich dank europäischer Gleichgültigkeit strategisch ausgezahlt und könnten dem Regime die Zeitspanne bis zur Erlangung der Bombe – und das bedeutet die Erreichung einer nahezu absoluten Abschreckungsfähigkeit – absichern. Angesichts der ernstzunehmenden Drohung, Israel von der Karte zu wischen und den nicht lediglich taktischen Bündnissen mit Hisbollah und Hamas, sowie Venezuelas Chavez und der Internationale der Holocaustleugner müßte es selbst den europäischen Linken spätestens jetzt gruseln.
Der historische Faschismus war der Kampf gegen die Moderne auf dem Boden und mit den Mitteln der Moderne; der Nationalsozialismus war die deutsche Revolte gegen das Kapital auf dem Boden des Kapitalverhältnisses. Der Antisemitismus, wiewohl nicht notwendiger Bestandteil des Faschismus, war Zentrum und Motor des nationalsozialistischen Amoklaufs. Der industriell längst im Atomzeitalter angekommene Iran wendet sich mit aller zur Verfügung stehender Kraft gegen die Moderne, der Antisemitismus ist in seinem Kostüm als Antizionismus ein Hauptbestandteil der offiziellen Ideologie. Es ist wohl zutreffend, dies als Rebellion der Postmoderne zu fassen. Israel als Jude unter den Staaten gerät in der antisemitischen Imagination an die Stelle des Juden; der Kampf gegen den als Weltenlenker phantasierten jüdischen Staat soll eben das bewirken, wozu dem modernen Antisemiten der Kampf gegen das Judentum dienen sollte: Die Wiedererlangung eines eingebildeten Zustandes vor der Verwandlung aller Dinge in Wertform. (Wobei sich genau hier die Herren Chavez, Achmadinedschad, Lafontaine und Mahler gemein machen.) Postmodern ist hier nicht lediglich die Objektwahl des Staates Israel bei gleichzeitiger Beseitigung staatlicher Strukturen im internationalen Dschihad, wie auch im, ja doch staatlich organisierten, Iran, sondern auch die – zumindest ohne Erlangung der Atomwaffe, welche alle apokalyptischen Wunschträume zur gräßlichen Realität geraten ließe – Verschiebung des direkten Kampfes auf unbestimmte spätere Zeiten ohne dabei die Bewegung der wahrhaft Gläubigen zu Zweifeln herauszufordern. Diese Form der institutionalisierten Krise bietet als ewiger Kampfzustand die Möglichkeit zur notwendigen ständig gesteigerten Radikalität und Aggressivität der Bewegung, ohne gleich den Weltenbrand entfachen zu müssen. Die dem Antisemiten eigene, irre Selbstsicht als hoffnungslos unterlegenes Opfer geheimer jüdischer Machenschaften, ist gewendet (und damit auch rationalisiert) zum Selbstbild des heroisch agierenden Kämpfers gegen koloniale Ausbeutung und imperiale Unterdrückung. Die wahren Anhänger Mohameds, also die seit Jahrhunderten geknechtete Partei Alis (die Schia), haben sich im Kampf gegen den großen und den kleinen Satan aus der Unterwürfigkeit befreit und treten aufrecht gegen die Übermacht der Feinde: Amerika, Israel sowie die arabischen Staaten, an. Die in der Realität bestehenden Grenzen einer so gearteten wahnhaften Politik stellen die Interventionen der (ja doch immerhin in der Wirklichkeit vorhandenen) benachbarten Staaten dar. Angesichts der für sie immer bedrohlicher werdenden Krise sind diese momentan sogar bereit, einen Hauptpfeiler ihrer Staatsdoktrinen, nämlich den ungebrochenen Haß auf Israel, zu opfern, um im Bündnis mit den USA gegen den Iran anzutreten. Das Mittel, mit dem die iranische Führung dem vorzugreifen gewillt ist, ist bekannt: Die iranische Bombe, abgeworfen auf Israel.
Rainer Bakonyi(3)

(1) Unter der Vorstellung einer Welt, die von persönlich konkreten Mächten beherrscht sei und in der es widerständige Residuen – die folkloristisch uniformierten „unterdrückten Völker“ – gebe, welche im Ringen um ihre vom Westen bedrohte Identität seien, ist jegliche Ahnung des realen Horrors einer zwangsweisen Vergesellschaftung unter einem prozessierenden Verhältnis: das Kapital, dahingeschwunden und angesichts der allgemeinen Akzeptanz der Relativität aller Dinge, also der Leugnung des Begriffs von Wahrheit, wird Denken, das gegen die irregegangene Realität aufgebracht werden muß, selbst verunmöglicht. Da hilft dann auch die Lektüre des „Kapitals“ nicht mehr weiter.
(2) Dies heißt auch: Es gibt noch ein vom staatlichen Zugriff freigehaltenes Privates, in das sich Opposition, ohne aufständisch zu werden, zurückziehen kann.
(3) Es sei hier knapp auf die theoretischen Grundlagen verwiesen: Das Marx’sche Werk der Kritik der politischen Ökonomie, die kulturtheoretischen Schriften Freuds und die im Gefolge der kritischen Theorie stattfindende Auseinandersetzung mit dem stattgehabten Rückfall in die Barbarei.

„Nazis unplugged“ – die Kampagne der bayerischen Antifa-Gruppen


An dieser Stelle wird die Antifa-Kampagne „Nazis unplugged- Rechten Strukturen den Saft abdrehen“ der in Bayern vernetzten Antifa-Gruppen vorgestellt. In der Region Mainfranken beteiligen sich die Würzburger Antifa Sin Patria und die Antifaschistische Linke Main-Spessart an der Unplugged-Kampagne .


„Nazis unplugged – Rechten Strukturen den Saft abdrehen“ ist eine Kampagne von antifaschistischen Gruppen aus Bayern. Wir wenden uns offensiv gegen die sich weiter verbreitende und personell stärker werdende Naziszene in Bayern. Der Schwerpunkt der Kampagne liegt auf der Zurückdrängung und Bekämpfung extrem rechter Infrastruktur. Darunter verstehen wir zum einen die Rückzugsorte von Neonazis – wie Wohnprojekte, Kneipen und andere „private“ Treffpunkte – natürlich aber auch die Orte des rechten Lifestyles, in denen versucht wird, neue AnhängerInnen zu gewinnen, also: Läden, die neonazistische Kleidung und Musik vertreiben, (Internet-) Versände und politische Veranstaltungsorte.
Die bayerische Naziszene kann auf eine Vielzahl von organisatorischen und personellen Netzwerken zurückgreifen. Nahezu in allen Regionen Bayerns bestehen organisierte extrem rechte Strukturen. Neben den teilweise schon Jahrzehnte existierenden Parteien wie NPD, DVU oder REPUBLIKANER wuchs in den letzten Jahren die Zahl sogenannter „Freier Nationalisten“, welche sich meist in Form von Kameradschaften organisieren, stark an. Diese stellen, nachdem sich ihre Akteure vom Image des deutschen, dauerbesoffenen Naziskinhead weitestgehend verabschiedet haben und sich im Erscheinungsbild an „normale“ Jugendliche angepasst haben, gerade in Gegenden, in der keinerlei Art von progressiver Jugendkultur existiert, für viele Jugendliche eine Anziehung dar. Das bedeutet auch, dass sich nahezu in jeder Subkultur extrem Rechte finden und versuchen gerade auch in diesen Zusammenhängen neue AnhängerInnen für ihre menschenverachtenden Ziele zu gewinnen.
Einer derartigen Entwicklung kann nicht tatenlos zugesehen werden, sie gilt es mit allen Mitteln und auf allen Ebenen zu bekämpfen und zurückzudrängen. Mittels Aufklärungsarbeit, politischen und kulturellen Aktionen sowie Demonstrationen wollen wir deshalb die Knotenpunkte und AktivistInnen der rechten Szene öffentlich machen und sie in ihrem Treiben stoppen.
Wir setzen in unserer Aktionsformen auf Vielfalt und Kreativität: neben altbewährten Aktionsmustern wie Infoveranstaltungen oder überregionalen Demonstrationen setzen wir auf Ansätze, die sich von linken Einheitsbrei abheben und Resultate unseres emanzipatorischen Politverständnisses sind. Wir verstehen darunter kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen, Konzerte, Agit-Prop-Aktionen. Hier sind die Ideen und Einfälle der beteiligten Gruppen gefragt, für Kritik und Vorschläge sind wir jederzeit offen.
Linksradikale Politik in Bayern gleicht häufig einem Kampf gegen Windmühlen. In einem Bundesland, in dem 2/3 der WählerInnen für eine Partei stimmen, „die rechts neben sich keine andere duldet“ (Zitat Franz Josef Strauß) und mit ihrer Politik all denen das Leben schwer macht, die keinen deutschen Pass haben oder sich nicht dem Kalkül aus Laptop und Lederhose unterwerfen wollen; für ein selbstbestimmtes Leben ohne Rassismus, Sexismus, Antisemitismus und Kapitalismus einzutreten, ist in Bayern eine prekäre Angelegenheit. Aber gerade deshalb ist es umso notwendiger.
Wir verstehen daher die Kampagne „Nazis unplugged“ auch als einen Versuch, die linksradikale, antifaschistische Bewegung in Bayern zu stärken, besser zu organisieren und aus ihrer gesellschaftlichen Isolation zu führen.

Rechten Strukturen den Saft abdrehen!

Für die antifaschistische Offensive!

Ein Leben ohne Nazis, Staat und Kapital erkämpfen!“

Weitere Infos unter:
>>> unplugged.nonazis.net (Kampagnen-Seite)
>>> wasp.antifa.net (Page der Würzburger Antifa Sin Patria)

Hören & Schmecken Die Seite für moderne Kultur

Heute: „zirrrrrp“

Hi Folks, Gutentagverehrtedamenunherrn, Grüß Gott und auch ein Küssdiehandgnädigefrau.
Willkommen bei Rainers hochpolitischer Jazz und Kochkolumne.

Zunächst seien dem geneigten Publikum die verworrenen Wege aufgezeigt, welche der Autor zu gehen gezwungen ward, bis nun endlich wieder ein gedrucktes Wort von ihm zu lesen ist.
Also: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst…
Ach so! Nicht ganz so ausschweifend. Jaja. Also: Am Anfang… Ja, am Anfang saß ich wieder einmal im Kult. Vor mir ein dampfender Teller und ein gülden Glas redlich verdienten Feierabendbieres. Neben mir die Plätze frei und leergefegt von der Macht eines „reseviertab19Uhr“ Schildchens. Ich meditierte über die Ereignisse der letzten Tage, über entführte Soldaten und deutsche Kleriker im „heiligen Land“. „Da muß was Schlaues geschrieben werden! Und zwar – jawohl! – von MIR“. Es war deutlich nach Sieben, der Teller mittlerweile geleert. Mit einem frisch eingeschenkten Bier in der Hand richtet sich mein Blick in stetig schneller werdendem Takt auf die Uhr. Und plötzlich macht es „Plumps“. Das edle Antlitz des künftigen Herrn Oberredaktors erscheint mit einem Mal direkt neben mir und ich höre die bedeutenden Worte: „Da muß unbedingt etwas geschrieben werden!“ Es plumpste gleich noch mehrmals und die versammelten Herren wie auch eine Dame der Redaktion befanden sich im sofortigen wilden Dispute. So viele wichtige Dinge wollten alsbald geklärt sein. Name und musikalischer, wie auch POLITISCHER Standpunkt mußten sich in Kürze einstellen. „Klar, Hip-Hop. Könnenwirschonmachen“. „SchlechteLauneCore, so mit Ultragewalttexten, ja so“. „Antifainfomag“. „???“. „Halt als Name…“. „Aber DU kannst doch nicht ALLES mit POLITIK vollschmieren!!!“.
So ging das drei Stunden lang. Ja und über Jazz muß ich was schreiben, weil: „da kennt sich doch keiner aus“ – ich auch nicht, aber: „das macht doch nichts!“ Und: „Du machst das jetzt mit der Kochkolumne, schließlich riechst Du immer noch nach Fritten und du hast das schon mal gemacht!!!“ So war das.
Derweil wedelte der Jörg hohnlachend mit einem imaginierten Artikel, der gewiß den Vatikan zur erstmaligen Aussendung der Schweizer Garde zwecks Ergreifung eines Erzgegners auf gut Würzburg’schem Boden zwingen würde. Also gut; das Risiko, selber auf dem Scheiterhaufen zu landen, ist mir eh’ zu groß – da lasse ich doch lieber Irgend etwas eindrucksvoll im Ofen oder in der Pfanne in Rauch aufgehen.
„Lokalpolitik!!!“ Der Ruf erschallt mehrmals. Ja, Lokalpolitik, „kann man das denn essen???“ So frag ich vor mich hin. „Das isses! ZIRRRRP!! Ja! Heuschrecken!!! Aus der Pfanne!“
Sie verstehen nicht ganz? Das ging mir auch so. Aber es stellte sich als völlig logisch und in sich schlüssig heraus:
Der Herr Elsässer war für eine Veranstaltung über die Macht der Heuschrecken angekündigt; sie wissen schon: Jene Münteferingsche Plage von vor der letzten Wahl. Daß Heuschrecken in zu großen Mengen gefährlich seien, wußten wir schon aus der Bibel – aber das einfache und simple, global einzusetzende, doch lokal wirkende Gegenmittel finden Sie hier:
„In Honig karamelisierte Heuschrecken auf roter Chili Sauce“
(nach einem altorientalischen Rezept)
Man fahre nach Frankfurt am Maine und fange im Börsengebäude etwa 1 ½ Pfund der dort häufigen Acridida Amerikaniensis, und verwahre sie in einem mit ausreichend Atemlöcher versehenen Karton. Chilischoten, Honig, frischen Koriander, Tomaten, Zwiebel besorgt ihr ganz einfach im Tauschladen eurer Wahl.

Sie fühlen sich veralbert? Verzeihung. Nun gut; der Versuch, aus einer schieren Idiotie wenigstens noch einen Scherz herauszuzaubern, darf als gescheitert gelten. Selbst erwählter Dummheit ist mit Satire einfach nicht beizukommen.

Zum Beweiß der Aufrichtigkeit meiner Reue verrate ich hier, wie jenes griechische Rindsragout zubereitet wurde, welches von den Kult Gästen – so sie nicht der veganen Fraktion dieser Redaktion angehören – an diesem denkwürdigen Abend als „wirklich lecker“ gepriesen wurde. (Danke nochmals)

Stifàdo
800g Rindfleisch waschen, trocken tupfen und von Sehnen befreien. In nicht zu kleine Würfel schneiden.
Eine Gemüsezwiebel in kleine Würfel schneiden, zwei Zehen Knoblauch pressen.
In einem Topf das Fleisch mit Olivenöl erhitzen. Die Zwiebel und den Knoblauch mit ¼ l herbem Rotwein ablöschen, eine Dose Pizzatomaten zugeben und mit Wasser aufgießen, bis das Fleisch bedeckt ist. Salzen, pfeffern, mit etwas Cumin und Lorbeerblatt, sowie einer Stange Zimt würzen und etwa zwei Stunden bei leichter Hitze weich kochen.
800g kleine weiße Zwiebeln schälen und in einem Topf mit einer Tasse heißem Wasser und etwas Essig begießen, salzen und zugedeckt einige Minuten kochen lassen, den Sud abgießen und die Zwiebeln ¼ h vor dem Servieren zum Fleisch geben. Direkt vor dem Servieren noch ½ Bund gehackte Glattpetersilie zufügen und mit wenig Balsamicoessig abschmecken.
Dazu Reis reichen; als Vorspeise empfiehlt sich Fladenbrot, Salat aus weißen Riesenbohnen, Tsatsiki, sowie ein Kartoffel-Knoblauch-Püree. (Kartoffelbrei mit reichlich Zitronensaft, etwas frischem Koriander und gepreßtem Knoblauch). Eventuell noch gemischter Salat mit Feta.
Ohne Vorspeisen reichlich für vier Personen; mit Vorspeisen entweder weniger Fleisch, oder mehr hungrige Mäuler.
PS: Geht auch mit Fakefleisch – aber das Sojazeug vorher einige Stunden leicht sauer mit Zwiebel und Knoblauch einlegen.

Bis zum nächsten Mal!

Rainer Bakonyi

Schreckliche Linke und heuschreckliche Kritik

Kaum einer anderen Person der deutschen Linken wurde während der letzten Monate so viel Kritik zuteil wie Jürgen Elsässer. Dabei warf man ihm unter anderem Nationalismus und Homophobie vor. Am 03. April lud das Würzburger Friedensbündnis Jürgen Elsässer in die Buchhandlung Neuer Weg ein, wo er sein Buch „Angriff der Heuschrecken und globaler Krieg“ vorstellte. Insekten mussten leider draußen bleiben.

Zirp Zirp
„Nie wieder Deutschland“- selbst siebzehn Jahre nach der Schöpfung dieser Parole werden Antifa-Kiddies nicht müde, ihren Gegnern diesen Spruch entgegen zu brüllen. Umso erstaunlicher ist, dass die Erfindung des Satzes einer Person zugeschrieben wird, die sich in diesen siebzehn Jahren vom antinationalen Protagonisten zu Oskar Lafontaines Schoßhündchen entwickelte.
Elsässer zählte sich in den Neunziger Jahren zum antideutschen Lager der radikalen Linken, schrieb bis 1997 für die Junge Welt und gründete nach dem Zerwürfnis mit dieser 1997 die Jungle World. Er beschäftigte sich insbesondere mit der deutschen Außen- und Balkanpolitik. Anfang dieses Jahrzehnts kam es zum Bruch mit dem antinationalen Spektrum und Elsässer schreibt seitdem wieder für die Tageszeitung JungeWelt, aber auch für die Parteizeitschrift der Linkspartei.
„Mit Staatsknete wird Multikulti, Gender-Mainstreaming und die schwule Subkultur gefördert, während die Proleten auf Hartz IV gesetzt werden und sich oft auch keine Kita, kein Schwimmbad und keine warme Wohnung mehr leisten können.“ Dieser Satz entstammt nicht etwa einem Artikel der NPD-Zeitung Deutschen Stimme von Jürgen Gansel, sondern einem Text von Jürgen Elsässer, der am 19.09. in der Jungen Welt erschien. Wer sich mit dessen Hinwendung zu einer nationalen Identität beschäftigt hat, wundert sich über solche Aussagen Elsässers schon lange nicht mehr. Er wendet sich seit längerem in populistischer Weise gegen den „US-Imperialismus“ und scheut dabei nicht zurück, Oskar Lafontaines Politik und dessen nationalistische Parolen über die „Inländerfeindlichkeit“ zu verteidigen. Dabei macht er auch vor rechtsradikalen Bewegungen nicht halt. „Zum ersten Mal seit der kapitalistischen Wende 1989/90 kommt in Donald Rumsfelds ‚neuem‘ Europa eine politische Kraft ans Ruder, die mit dem Neoliberalismus brechen will.“ Mit dieser Aussage bezieht sich Elsässer am 06. Juli in der Jungen Welt positiv auf das politische Bündnis zwischen der rechtsradikalen slowakischen Nationalpartei SNS und der sozialdemokratischen Partei SMER. Die SNS war in der Vergangenheit durch die Forderung von Ghettos für Sinti und Roma aufgefallen. Die wundersame Verwandlung des Jürgen Elsässer vom Staatsfeind zum Nationalbolschewisten beschäftigt seit 2006 auch die Antifaschistische Linke. Die Zeitschrift Der Rechte Rand widmete den rechten Tendenzen Jürgen Elsässers und seinen Kontakten zur rechten Presse sogar einen ganzen Artikel. Darin geht es unter anderem um ein fragwürdiges Interview, das Elsässer der rechtsradikalen Zeitschrift Choc Du Mois gab. In der gleichen Ausgabe der Zeitschrift wurde ein weiterer politisch Aktiver interviewt: Jean-Marie Le Pen.
Ortswechsel. Die würzburger Provinz scheint für kritische Stimmen an vermeintlich linker Politik ein unwegsames bis unpassierbares Terrain zu sein. Zumindest hatte das Würzburger Friedensbündnis keine Bedenken, Elsässer für die Vorstellung seines Buches „Angriff der Heuschrecken und globaler Krieg“ am 03. April nach Würzburg einzuladen. Insbesondere die Heuschreckenmetapher und die damit verbundene Personalisierung der Kapitalismuskritik, also die populistische Trennung zwischen gutem schaffenden und bösem raffenden Kapital, ohne das Produktionsverhältnis und den Kapitalismus an sich zu kritisieren, wird von Teilen der radikalen Linken scharf kritisiert. Wenn sich für den Autor „im Zeitalter der Globalisierung […] die nationale Frage neu“ stellt, „auch in Deutschland“, wie es im Buch heißt, dann müsste Linken spätestens bewusst werden, was in Elsässers Hirnwindungen vor sich geht. Die Tage vor der Veranstaltung machte sich jedoch Kritik bemerkbar: Ein „Internationaler Bund zum Schutz der Gemeinen, Vielscheckigen und Wallisischen Heuschrecke“ hatte um den Veranstaltungsort Informationstexte zum aktiven Schutz der Heuschrecken verteilt, die wohl einem Naturkundelexikon entlehnt waren. Am Veranstaltungstag selbst wollten es sich zwei als Heuschrecken verkleidete Elsässer-Kritiker nicht nehmen lassen, die Buchbesprechung anzuhören. Unter „Zirrrrrp!“- Lauten sprangen sie kurz vor der Veranstaltung im Neuen Weg umher. Das bereits anwesende Publikum zeigte sich anfangs durchaus belustigt und hielt die beiden für Einheizer der sensationellen Elsässershow. Dieser ergriff schleunigst die Flucht, als er das Ungeziefer zu Gesicht bekam. Als die Veranstalter bemerkten, dass es sich um Kritiker handelte, wurden diese aufgefordert zu gehen. Dadurch wurde der Zirkus beendet und Elsässer konnte mit seinem eigenen beginnen. Wenn konstruktive Argumente gegen einen linken Nationalismus ihre Wirkung verlieren, ist eine solch skurril-absurde Art von Kritik vielleicht das vernünftigste, was man tun kann.
Elsässer hat in letzter Zeit einen ganz neuen Unterstützer gefunden. So findet Jürgen Gansel, NPD-Mitglied des sächsischen Landtags, durchaus Anknüpfungspunkte zu Elsässer und schreibt dazu am 12.04. in der Deutschen Stimme, das für ihn das „entscheidende […] seine Absage an Randgruppenkult, US-Hörigkeit und Israel-Tümelei, sein Widerstand gegen Arbeitsmigration, Inländerfeindlichkeit, EU-Fremdbestimmung und Staatszerstörung“ ist. Von seiner einstigen Parole „Nie wieder Deutschland!“ hat sich Elsässer Lichtjahre entfernt. „Frei, sozial und national!“ würde da sicher besser passen.
Benjamin Böhm

The Sicksteez are high and tight

„Du siehst , dass alle gleich aussehen. Alle haben die gleichen T-Shirts an. Alle folgen genau meinen Anweisungen. Das war eine krasse Erfahrung.“

steez
Das Meer des deutschsprachigen HipHops erlebt stürmische Zeiten. Ab und zu schlägt es große Wellen, denn die See ist seit Jahren rough und die Wogen glätten sich selten. Ungeachtet aller Stürme gleitet ein ruhiger Dampfer namens Sicksteez seit Jahren durch den Rap-Ozean. Während Andere längst Schiffbruch erlitten, gleiten Frank Sidata und PhiloPhilta weiter und unaufhaltsam über tiefgründige Beats.
Der Name Sicksteez steht seit vielen Jahren für eigenständige Musik aus dem Herzen der HipHop-Kultur. In Zeiten, in denen Straßen- und Gangsterrap einen Großteil der Plattenreleases im deutschsprachigen Raum ausmachen, blieben sich Philo und Frank stets treu und entwickelten ihren ganz eigenen Stil. Mal tiefgründiger, mal straighter Rap, aber niemals plump oder peinlich. Zwei Plattenreleases, „Kein Plan“ und die „Key-EP“, haben die beiden bereits hinter sich und diesen Herbst wird ihr erster Longplayer mit dem Namen „High&Tight“ erscheinen. Daher traf ich die Jungs in Philos Bude, in der sich gleichzeitig auch ihr Aufnahmestudio befindet.

Ich würde gerne ein wenig auf eure musikalische Entwicklung zu sprechen kommen. Eure erste Platte, Kein Plan, war „Straight-Forward-Rap-Musik“. Die Key-EP und auch Philos Beats vom Recyclin‘ Plastic Tape waren viel melancholischer. In welche Richtung wird das kommende Album gehen?

Philo: Ich denke das Album wird beides sein. Ich denke mal es ist ein Album das wirkliche Albumlänge hat. Daher wird es nicht so sein wie bei der „Key-EP“, die nur langsame Beats hatte. Es sind einige Sachen dabei die eher wieder zurückgehen zum straighter Rap.

Frank: Die Key-EP war einfach die Frage: Wer ist das? Der Key! Es war einfach ein persönliches Ding. Zwei Solotracks von ihm und von mir die sehr tief gingen. Das Album hat beides, wobei es eher straighter Rap nach vorne ist.

Philo: Der Fokus wird wieder auf dem klassischen Rap-Ding sein. Es sind ein paar nachdenkliche Sachen darauf, aber der Großteil werden klassische Representer-Dinge sein.

Wo wir gerade bei Reise sind, ich habe auf eurem Myspace-Account einen Track gehört der Plemplem hieß. Er beschäftigt sich mit der Tendenz von HipHop in Deutschland. Daher würde mich eure Meinung interessieren von der Richtung, in die Rap aus Deutschland gesteuert ist. Gerade vom Street- und Gangsterrap Ding. Lasst ihr euch davon beeinflussen?

Philo: Also man muss sagen Plem ist schon relativ alt. Bei der Anfangszeile mit „ihr seid die Coolsten“ kann man sich ja schon denken auf was sie anspielt. Daher war der Track vor der Aggro-Berlin-Welle. Da waren wir gerade im Airport als wir die Vorgruppe von der Sekte waren. Das hat uns schon ein bisschen beeinflusst. Für mich zumindest war dies ein krasser Gig. Du siehst, dass alle gleich aussehen. Alle haben die gleichen T-Shirts an. Alle folgen genau meinen Anweisungen. Das war eine krasse Erfahrung. Im Endeffekt würde ich aber sagen, dass wir davon nicht viel mitbekommen. Es ist auch nichts, was uns groß in unserem Leben beschäftigt. Ich bekomme hier nicht mal MTV. Vielleicht erzählt mir Frank mal davon wenn er irgendein Video sieht. Wenn ich sowas mitbekomme höre ichs mir klar an, weil ich Rap mache, aber es ist jetzt nicht so, dass ich jetzt in die Läden gehe und mir die ganzen neuen Sachen anhöre nur um auf dem neuesten Stand zu sein. Bei Ami-Rap ist es etwas anderes, weil man da schon noch guckt und genau weiß aus welcher Richtung Sachen kommen die mehr taugen. Da ist auch eine ganz andere Vermarktungsstruktur da. Dadurch kommen Sachen an mich ran. In Deutschland ist es so, dass es klar gute Sachen gibt, aber die bleiben uns leider verschlossen.

Ich bin als Rap-Kiddie durch die B-Hof-Jams auf euch aufmerksam geworden. Damals hatte eine echte Rap-Szene einen Bezugspunkt durch den B-Hof oder dann Pauls Boutique. Würdet ihr in Würzburg heute von einer aktiven Rap-Szene sprechen? Fühlt ihr euch zu dieser zugehörig oder macht ihr eher euer Ding?

Philo: Man kennt sich klar. Auf der anderen Seite gibt’s viele die man vielleicht vom sehen kennt und die auch was machen wollen, von denen mans aber gar nicht mitbekommt. Gerade weil es nicht mehr diesen Bezugspunkt gibt wie früher den B-Hof oder Pauls Boutique. Es ist daher auch nicht mehr der Zusammenhalt und Bezugspunkt da wie früher.

Frank: Szene an sich gibt’s keine. Es gibt eine Szene, die besteht aber aus den einzelnen Aktivisten. Es gibt also kein Zusammenspiel. Das ist auch der Grund warum wir unser Ding machen und der Rest macht sein Ding. Die traurige Geschichte ist, dass sich dann ein Szeneevent im Netz abspielt, in dem alle Freunde sind und alle geadded sind aber man sieht sich halt nie. (Anmerkung: die Seite www.myspace.com/wuehiphop ist gemeint) Da wird man dann auch aufmerksam auf Leute, von denen ich mir dann Sachen anhöre und denke: Guck mal da drauf Philo, da geht was! Von Leuten die man noch nie gehört und gesehen hat. Es kommt auf jeden Fall was nach aber es ist jetzt nicht so, dass es noch einen Punkt für die Szene gibt an dem man sich trifft und an dem diese Einheit da ist.

Ich kenne noch von früheren Tracks den Bezug auf CSU und Polizei in Würzburg. Stört euch das Überwachungsklima in Würzburg nach wie vor oder habt ihr euch damit arrangiert?

Philo: Ich denke mit der Zeit arrangiert man sich irgendwo. Klar ist es hier deutlich anders als in anderen Teilen Deutschlands. Das kriegt auch jeder mit der von woanders kommt und Wü besucht. Hier gibt’s einfach verdammt viel Polizei. So ist es einfach. Kann man gut oder schlecht finden, aber es gehört zu Würzburg. Man gewöhnt sich daran. Ich fühle mich nicht besonders überwacht.

Euer Album wird wieder an den altbekannten Stellen zu erwerben sein? Monophon, H20?

Frank: Ja klar, aber diesmal auch über hiphopvinyl.de.

Habt ihr noch ein letztes Statement am Ende des Interviews?

Frank: Herbst 2007! We‘re high and tight! Kaufen!

>> Checkt
www.ironcore.info
für mehr Infos über die Sicksteez.