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Ordnung, Disziplin und Lagerfeuerromantik

Aufgrund von drastischen Kürzungen in der kommenden Print-Ausgabe (14b/15) werden wir einige (auch längere) Artikel lediglich online veröffentlichen. Es folgt ein Gastbeitrag.

Ordnung, Disziplin und Lagerfeuerromantik
Katholische BootCamps in Unterfranken

Als vor einiger Zeit die Medienöffentlichkeit auf die neofaschistische Jugendorganisation
Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) aufmerksam wurde, war das entsetzte Erstaunen groß. Berichte über Sommerlager im Stil der HJ und die neofaschistische Indoktrinierung von Kindern machten genauso die Runde wie Bilder von uniformierten Kindern, Fackelzügen und „Führerbunker“-Zelten. Nach anhaltender Berichterstattung ist die HDJ mittlerweile verboten. Keineswegs unbemerkt von der Provinzöffentlichkeit, vielmehr mit deren Wohlwollen aufgenommen fühlen sich hingegen seit Jahrzehnten Jugendlager in Unterfranken, die zwar aus einer gänzlich anderen ideologischen Spielrichtung des Bürgertums kommen, nämlich dem Katholizismus, deren gesellschaftliche Funktion aber die gleiche ist: Brutale Disziplinierung und Einbindung von Kindern in sexistische und rassistische Kategorien. Die Rede ist von Zeltlagern, die jahrjährlich von Jugendorganisationen des Katholizismus, namentlich vor allem den Ministranten, abgehalten werden. Dort erfahren Kinder ab dem Grundschulalter, abgeschieden von jeglicher Rest- Zivilistation, bei Lagerfeuerromantik Disziplin, Ordnung und Drill. Im folgenden soll ein Aussteigerbericht dokumentiert werden, der die Geschehnisse in diesen Lagern treffend schildert:

>> Die Teilnehmer eines Ministranten-Zeltlagers sind in der Regel zwischen 8 und 20, in Ausnahmefällen bis 25 Jahre alt. Sie organisieren die Lager selbst, theologische sowie organisatorische Hilfe bekommen sie dabei von der Pfarrgemeinde als auch dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend. Die Lager finden oftmals in den Pfingstferien, einer Jahreszeit, die von sehr unsteter, nass-kalter Witterung geprägt ist, auf Wiesen oder Waldlichtungen fernab jeder Rest-Zivilisation statt. Diese Abgeschiedenheit ist bereits Teil des reaktionären Programms. Im Zeichen der Lagerfeuerromantik wird so ein naturwüchsiges, anti-modernes Leben idealisiert.
Errungenschaften der Unterhaltungselektronik sind während des Lagers genauso verboten, wie Kommunikation zur Außenwelt und Duschen. Vielmehr wird sich bei militaristischen Spielen „amüsiert“: Inszenierte und gewünschte Schlägereien, bei welchen die Konstruktion maskuliner Stärke nur einen ihrer vielen Ausdrücke auf solchen Lagern findet, gehören genauso zum
Programm, wie Tagesmärsche und der sog. nächtliche Überfall. Dabei versuchen befreundete Jugendorganisationen die Zelte des Lagers einzuwerfen und die zuvor im Stile einer militaristischen Zeremonie gehisste Lager-Fahne zu stehlen. Verhindert werden soll das durch die Aufstellung von Kindersoldaten, die verängstigt in stockfinsterer Nacht Wache halten müssen, und dem kämpferischen Eingreifen älterer Lagerteilnehmer, deren heldenhafter Einsatz ihnen Ehre und Ansehen in der Lagergemeinschaft einbringt. Dabei wird den Kindern spielerisch die Idealisierung eines kriegsähnlichen Zustandes und militärischer Riten nahe gebracht. Zur Lagerfeuerromantik des Lagerlebens gehören selbstredend auch gemeinsame Liederabende am Lagerfeuer. Aus einem vorgegebenen Repertoire an Liedern wünschen sich die Lagerteilnehmer ihre Lieblingsstücke. Die Wahl fällt dabei oftmals auf sexistische und/oder rassistische Lieder, die auch gerne mehrmals am
Abend gesungen werden. So wird in einem beliebtem Lied die Vergewaltigung eines Mädchens/jungen Frau am Donauufer glorifiziert. Ein anderes handelt von angeblichen „Negeraufständen in Kuba“, bei welchem die „Neger“ als brutale, Weiße massakrierende Kannibalen dargestellt werden. Die Lieder werden so oft gesungen und ihre Melodien sind so eingängig, dass ich sie selbst heute nach Jahren noch auswendig singen könnte. Kinder im Grundschulalter werden so unterbewusst mit rassistischen und sexistischen Kategorien vertraut gemacht, Ältere können dabei ungestört ihren Ressentiment freien Lauf lassen.
Eine weitere Form der Disziplinierung von Kindern und Jugendlichen bei Ministranten Zeltlagern sind Abhärtungsrituale. Die schon erwähnten Dauermärsche, die fester Bestandteil der Lagerwoche sind, finden bei jedem Wetter statt. So marschieren die Kinder, unabhängig ihrer körperlichen Verfassung und Vermögens, sowohl bei frühsommerlicher Hitze als auch bei klirrender Kälte, Regen und Hagel von Morgens bis Spätabends über Feldwege. Eine Freistellung wird nur in Ausnahmefällen gegeben. Eine andere Form der körperlichen Abhärtung stellt der allmorgendliche Morgensport- und Waschritus dar. Direkt nach dem Weckruf, der gegen 7:30 Uhr erfolgt, gilt es sich zum Morgensport aufzustellen. Die Teilnahme daran ist verpflichtend. Danach gehen die weiblichen Lagerteilnehmer in ein Waschzelt, während der männliche Teil sich unter freiem Himmel bei kältesten Temperaturen oberkörperfrei mit eisigem Wasser waschen müssen. Wer diesem Ritual nicht nachkommt muss mit Disziplinierungsmaßnahmen rechnen, die bis zur brutalen Zwangswäsche gegen den Willen des Einzelnen führen. Keine Beachtung finden natürliches Schamgefühl vor der öffentlichen Entblößung oder Angst, sondern werden als Schwäche und
fehlende männliche Härte diskreditiert. Kernstück der Disziplinierungs- und Konditionierungsfunktion der katholischen BootCamps ist eine ausdifferenzierte Hierarchie, die sich sowohl in zwischenmenschlichen Beziehungen per se gleichgestellter Mitglieder vor allem in Formen des Mobbings zeigt, als auch in der Ausübung offizieller Ämter. Mobbing, ein gesamtgesellschaftliches Problem, tritt bei den abgeschotteten Lagern der katholischen Jugendorganisation in besonderer Härte auf, weil, analog zu Geschehnissen in Kasernen, die Opfer hier zum einen keine Chance haben ihren Peinigern aus dem
Weg zu gehen, zum anderen sich das Mobbing mit den Erlebnissen der offiziellen Hierarchie verzahnt. Diese definiert sich in erster Linie durch Alter und Ansehen. Das Lager wird durch eine sog. Gruppenleiterrunde geleitet, der ein oder zwei Oberministranten vorstehen. Sowohl bei den Gruppenleitern als auch den Oberministranten handelt es sich um ältere und angesehene Ministranten. Deren Ernennung erfolgt intern durch Cliquenbeziehungen und ohne jede demokratische Legitimierung. Dazu kommen noch hierarchische Ämter während des Lagers wie den sog. Zeltleitern oder Leitern bei den Tagesmärschen, die sich allerdings mit den Gruppenleitern überschneiden können. Unter dieser kleinen Zahl an Führungspersonal steht die Masse der jungen Teilnehmern. Die skizzierte Hierarchie funktioniert als System absolutem Befehl und Gehorsams. Den Anweisungen der Gruppenleitern ist Folge zu leisten. Darüber hinaus gibt es appellähnliche Aufstellungen, sowohl zu festgelegten Uhrzeiten als auch bei dem Trillerpfeifenton der Lagerleitung.

Am deutlichsten und brutalsten tritt die Disziplinierung der jungen Lagerteilnehmer durch Hierarchie jedoch beim bereits erwähnten Waschritus als auch beim gemeinsamen Essen auf. Während des Essens darf der Tisch nicht verlassen werden. Kindern, die ihren Harndrang (noch) nicht entsprechend kontrollieren können, werden so brutal zu absoluter Disziplin erzogen. Ebenso ist es Pflicht seinen Teller leer zu essen. Keine Rücksicht genommen wird auf Sättigung oder
Ekelgefühlen. Weigerung wird nicht akzeptiert, und zieht nur größere Aufmerksamkeit auf sich. Letztendlich muss der Teller leer gegessen werden, was bis zum Brechreiz durchgesetzt wird. Beide Regelungen erfolgen offen und ausdrücklich mit dem Bestreben die Kinder zu Ordnung und Disziplin zu erziehen. Dabei spielen Ältere und höhergestellte Ministranten offen sadistisch ihre Macht aus. < <

Die hier dargestellten Geschehnisse müssen als Spiegel der gesellschaftlichen Realität begriffen werden. Diese steht dem Individuum als feindliches Umfeld gegenüber, das soziale Disziplinierung, Ausrichtung und Einpferchung vielleicht noch subtiler täglich erfahrbar macht.
Gehorsam, Disziplin und Ordnung, sind aber nicht nur deutscheste Tugenden, sie sind die absolute soziale Notwendigkeit einer totalitären Vergesellschaftung durch Arbeit. Eine Gesellschaft, die einerseits so umfassend auf das Individuum zugreift, ihm Härten abverlangt, in Kollektive presst und deren Glücksversprechen andererseits ein ums andere mal als himmelschreiende Farce erscheint, ist notwendigerweise auf innere Disziplinierung seiner Objekte angewiesen. Seit Kaiserszeiten übt das Militär als „Schule der Nation“ diese Funktion passend aus, mit Brandts Regierungserklärung «69 kommen folgerichtig auch die Bildungsanstalten als geeignete Institution zur Disziplinierung hinzu. Der dokumentierte Aussteigerbericht stellt die katholischen Jugendlager ebenfalls in diese Kategorie. Sie erscheinen als BootCamps, als Institutionen psychischer und physischer Disziplinierungsgewalt. Als Inbegriff Roland Kochs feuchtester Träume. Die soziale Funktion der Disziplinierung ist die Vorbereitung auf ein Leben als Objekt einer totalen Gesellschaft. Gemeinsam mit der Schule ist diesen Camps, dass hier auf jüngste Mitglieder der Gesellschaft zugegriffen wird. Durch Angst, Druck und Befehl und Gehorsam werden sie autoritär
sozialisiert. Das Produkt dieser Erziehung zum Gehorsam ist ein rassistischer, sexistischer, obrigkeitshöriger autoritärer Charakter. Ein Untertan im Mannschen Sinne, der nach Unten tritt und nach Oben buckelt, der sich in agressiven Kollektiven wohl fühlt, der die Obrigkeit nur kritisiert, wenn er das Kollektiv gefährdet sieht. Der bereitwillig und aufopfernd seinen Teil zum Wohl des Kollektivs beiträgt. In anderen Worten, und dem Schrecken der gegenwärtigen Tage geschuldet,
kšnnte man ihn auch einen ‚Schland‘-Fan nennen. Die katholischen BootCamps in Unterfrankens Wäldern und Auen sind also nicht nur Spiegel des barbarischen Zustandes der Gesellschaft sondern auch Vorbereitung auf die Hörten, die diese
Gesellschaft vom Individuum abverlangt. In ihrer sozialen Funktion der Disziplinierung des Einzelnen vereinen sie notwendigerweise beides, nach dem Motto:
„Disziplin und Gehorsam wirst du überall finden, mein Kind. Es ist also wirklich nicht schlecht sie in jungen Jahren zu erfahren.“ (1)

A to the Teo

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(1) Karl v. Medina

Teachin‘ some history

(bevor die Nähe zum besagten Ereignis ganz und gar dahin ist, stellen wir’s mal online, obwohl die gedruckte Ausgabe noch nicht da ist…)

Anmerkungen zum antifaschistischen Protest gegen den Naziaufmarsch des Freien Netzes Süd am 01. Mai in Schweinfurt

Autonome AntifaschistInnen aus Unterfranken stecken in zweierlei „Dilemmata“: Einerseits fehlt eine offensiv in Erscheinung tretende Neonaziszene, gegen die man sich zur Wehr setzen müsste. Wer dies bestreitet, sich nachts in das Kornfeld setzt, um ein gutes Foto von einem organisierten Nazi zu schießen, Wohnungen tagelang belagert, um zu beobachten, ob dieser oder jener Fascho wirklich oft spät nachts noch mal mit dem Hund spazieren geht, hat ein schönes Hobby gefunden. Ein wenig wie Fußballbildchensammeln. Eine gewisse Zeit meines Lebens bereitete mir dieser außergewöhnliche Zeitvertreib, in Verbindung mit einem militanzfetischisiertem Lifestyle, der niemals militant war, viel Spaß. Wer unter den AntifaschistInnen die Aktivitäten des Freien Netzes Süd in Unterfranken, das selbst das Laubkehren an einem Kriegerdenkmal zu einem großen Erfolg für die nationale Bewegung erklärt, genauso ernst nimmt, wie die Faschos selbst, bestärkt diese in ihrer niedlichen Selbstüberschätzung.
Soweit zu ersten „Dilemma“. Wer das autonome am Antifaschismus groß schreiben möchte, die/der müsste eigentlich froh sein, dass der Kampf gegen Staat und Kapital nicht von Nazis durchkreuzt wird. „Antifa ist mehr als gegen Nazis“ heißt es ja so schön. Nun könnte man an die Arbeit gehen, und der Gesellschaft, in der dem Menschen nichts anderes übrig bleibt, als um die Sonne des Kapitals zu kreisen, den Kampf anzusagen. Leider Gottes: Die Menschen drehen sich nicht traurig, Arbeitssklaven ähnlich, um diese Sonne, sondern sie tun dies zumeist freudestrahlend. Und sie kennen nur die eine Sonne. In einer Zeit, in der der neu-nationalistische Stimmungsfaschismus die Deutschen zu Millionen auf die Straßen treibt, und ein Journalist im Spiegel, in einer Mischung aus kollektivem Rauschzustand und schlichter Dämlichkeit, schreibt, dass sich Deutschland im Moment ziemlich bunt anfühle, wenn das farbige Grau gemeint ist, wie kann da praktischer Kampf gegen den Staat betrieben werden? Das zweite Dilemma der autonomen AntifaschistInnen in unserer Gegend, et voila: Löst sich der Kitt „Gegen Nazis“, so müsste der Kampf „Um’s Ganze“heißen. Aber wie, mit und gegen wen ist dieser zu führen?
Jeder antifaschistische Zusammenhang beantwortet die beiden „Dilemmata“ unterschiedlich. Im folgenden versuche ich zu analysieren, wie einerseits das „antifaschistische Bündnis gegen den Naziaufmarsch am 01. Mai in Schweinfurt“, ein breiteres Bündnis gegen die Demo des Freien Netzes Süd, und andererseits der „AK Maifeuer“, mit den Zwickmühlen umgegangen sind.
Sowohl das Antifabündnis als auch der AK Maifeuer verzichteten, auf den erstem Blick zumindest, erfreulicherweise auf die Behauptung, eine regionale Neonaziszene verunmögliche einen antifaschistischen Lifestyle.
Es gab in den letzten zwanzig Jahren jedoch durchaus Momente, in denen der aktive Kampf gegen Neonazis geführt werden musste, weil eine starke Naziszene alternativen Jugendlichen das Leben schwer machte. Hierzu zwei Beispiele in die Geschichte des Neonazismus dieser Region, die auch für die gesellschaftlichen Veränderungen der BRD stehen. Anfang der 90iger Jahre, als jungakademisierte und Linke zusammen nachts Wache vor Flüchtlingsunterkünften hielten, damit das wiedervereinigte Deutschland in Würzburg nicht die gleichen Pogrome verüben konnte wie in Hoyerswerda, Lichtenhagen oder Solingen, kam dem Antifaschismus eine wichtige Bedeutung zu. Helmut Kohl verweigerte nach den Morden von Solingen gar eine Reise nach Solingen, weil er den „Beileidstourismus“ anderer Politiker nicht unterstütze. Diese Zeiten sind- zumindest vorerst- Geschichte, denn Antifaschismus wurde zur Staatsräson erklärt. Ius sanguinis und Ius solis kämpfen zwar immer noch um die Deutungshoheit über den Staatsbürgerbegriff, aber immerhin ist es in den meisten Gegenden Deutschlands nicht mehr möglich, dass ein Naziaufmarsch ohne bürgerlichen Gegenprotest stattfindet. Klar ist dabei, dass der Bürgerprotest nie fähig sein wird, den Nazis den Nährboden ihrer Ideologie, Deutschland genannt, unter den Füßen wegzuziehen. Aber immerhin beinhaltet aktivbürgerliches Engagement auch den Kampf gegen Faschos. Ein Beispiel für die Notwendigkeit, autonomen Antifaschismus auch in Zeiten des staatlichen Antifaschismus zu betreiben, war die Gefahr, die in den Jahren 2004/05 drohte, als sich in Lohr am Main eine dauerhafte rechtsradikale Szene etablieren wollte. Zwar zerschlug der Staatsschutz, getragen durch zivilgesellschaftlichen Druck, den Szenetreffpunkt „Schlosscafé“, aber genau in jener Zeit war es bitter nötig, dass Antifas den Nazis nicht die Straße überließen. Denn wie man schmerzlich weiß, gehen die BürgerInnen nach einer „Blabla-Ist-Bunt-Demo“ wieder in ihre warmen Stübchen, statt sich den Nazis auf den Straßen in den Weg zu stellen. In den Jahren 2004/05 war es daher bitter nötig, dass eine Szene, die sich den Antifaschismus auf ihre Fahnen geschrieben hatte, präsent war, um nicht noch mehr geschehen zu lassen als den Angriff auf das Lohrer Juze. Nun befinden wir uns im Jahre 2010, und im Moment sieht es nicht danach aus, als etabliere sich gerade ein rechtsradikaler Schwerpunkt in unseren Gefilden. Das Vakuum, das der Wegzug von Uwe Meenen, der für 20 Jahre Hauptagitator der Nazis im unterfränkischen Raum war, und welcher stets als Kitt zwischen Kameradschaftstrukturen und NPD fungierte, entstehen ließ, lässt die Frage aufkommen, wie es von den Neonazis gefüllt werden wird. Auf der Hut sein ist daher angebracht, hysterisch sein nicht, und das waren das Antifabündnis und der AK Maifeuer nicht.
Ich schrieb, dass das Antifabündnis dem ersten Dilemma auf den ersten Blick entgeht. Denn chiffrenhaft kommt durch die Kampagnenpolitik dann eben doch zum Ausdruck, dass man Nazis benötigt, um aktiv zu werden. Wenn „Antifa mehr als gegen Nazis“ sein will, warum zeigt man dann lediglich die Zähne, wenn Nazis in die Stadt kommen? Der Kapitalismus ist derart grausam, dass man jeden Tag kotzen müsste. Die Antifa kotzt aber meistens nur, wenn eine Kampagne gegen Nazis ansteht. Sicher ist diese Kampagnenpolitik, die Nazis benötigt, um sich antikapitalistisch äußern zu können, auch dem Fehlen einer linksradikalen Infrastruktur in Unterfranken geschuldet. Nach dem Wegfallen des AKWs ist einzig der Stattbahnhof als „Szenetreffpunkt“ geblieben. Keine Infrastruktur mag ein Faktor sein, aber keine Entschuldigung. Meine These, die ich hier nicht zum ersten Mal in den Raum stelle, ist die folgende: Antifaschismus als Lifestyle ist nötig, wenn Faschos sich als Subkultur an einem Ort eingenistet haben. Solange dies der Fall ist, und man sich auf Kampagnenpolitik zu einem Naziaufmarsch, zu dem die regionalen Nazis ihre Kameraden aus halb Deutschland rufen müssen, um überhaupt eine ordentliche Demo zu organisieren, beschränkt, drückt diese Fixierung auf Naziaktivitäten „in Gegenden ohne rechtsradikale Szene die Unfähigkeit der Antifas aus, eine radikale Kritik an der gesellschaftlichen Gesamtheit zu artikulieren.“
Womit wir beim zweiten Punkt angelangt sind, dem Dilemma des Kampfes „Um’s Ganze“. Wie versuchten das Antifabündnis und der AK Maifeuer, diesen zu führen bzw. zu vermitteln (sofern dies überhaupt möglich ist). Die Kapitalismuskritik des Antifabündnisses soll hier nicht zur Debatte stehen, denn ein Aufruf muss zwangsläufig verkürzt sein. Hier soll es vielmehr um die Art und Weise gehen, wie Kritik betrieben wurde. Bewusst klinkte man sich in die Bürgerproteste ein.
„Von der Zusammenarbeit erhoffen wir uns außerdem die Möglichkeit, den BürgerInnen unsere Standpunkte näher zu bringen. Die Vermittlung von eigenen Inhalten und konstruktiver Kritik scheint uns auf der Basis eines gemeinsamen Agierens weit sinnvoller, als durch reine Abschottung und elitäres und überhebliches Gebaren.(Anmerkung: Aus dem Aufruf des Bündnisses)“.
Es ist schon beinahe süß, wie hier davon ausgegangen wird, dass man die BürgerInnen mit Flugblättern vom richtigen Weg überzeugen könnte und „konstruktiv“ sein möchte. Was hier nicht verstanden wurde: Konstruktiv ist immer der Staat, nicht die Kritik an ihm. Konstruktiv ist immer das Kapitalverhältnis, nicht der Kampf dagegen. Der Kampf gegen den Kapitalismus ist eine überaus destruktive Sache, GenossInnen! Im zweiten Satz schwingt dann doch noch eine Kritik an die arroganten Arschlöcher aus dem Dunstkreis des Linksradikalismus mit, die immer alles besser wissen. Dies ist weder kreativ noch neu. Die Appelation an die BürgerInnen, doch bitte AntikapitalistInnen zu werden, war nach meiner Einschätzung letztendlich dann ebensowenig von Erfolg gekrönt wie der vorher angekündigte, aber kaum sichtbare „Antikapialistische Block“ auf der Bürgerdemo. Und spätestens, als dann mal wieder Antifasport angesagt war, alle hastig und erfolglos versuchten, diese oder jene Bullenblockade zu durchbrechen, hätten sich die Mädels und Jungs des Antifabündnisses fragen sollen, wo denn jetzt die ganzen BürgerInnen waren, die man mit konstruktiven Argumenten überzeugen wollte. Ergo: Nicht verstanden hat man im Antifabündnis, dass mit dem Aktivbürger aus der Fanmeile keine Revolution zu machen ist. Und dass man nicht umhin kommt, auf seiner linksradikalen Insel zu verweilen, solange der Rest der Republik von schwarz-rot-goldenen Freudentränen überschwemmt ist. Dann doch lieber „überhebliches Gebaren“. Und der AK Maifeuer? Immerhin vollzog dieser nicht den fatalen Fehler, sich einzureden, dass Schweinfurt bunt sei:
„Dem völ­ki­schen, stand­ort­na­tio­na­lis­ti­schen Kon­sens der bür­ger­li­chen Ge­sell­schaft ist die Vi­si­on einer klas­sen­lo­sen und be­frei­ten Ge­sell­schaft ent­ge­gen­zu­stel­len.“
Dennoch stellt sich auch hier die Frage, weshalb man mir nur zum Anlass eines Naziaufmarsches ein Flugblatt mit solchem Pathos in die Hand drückt, weshalb man auch hier die Nazis benötigt, um als antinationale AktivistInnen auf den Plan zu treten? Und schließlich entkommt auch der AK Maifeuer nicht dem Dilemma Nummer zwei: Nur, weil man sich auf die Kritik beschränkt und ansonsten wenig zur erfolgreichen Blockade tut, ist noch nichts darüber ausgesagt, wie man den Kampf „Um’s Ganze“ zu führen gedenkt. Dies soll nicht bedeuten, dass Kritik nicht für sich alleine stehen kann. Aber der AK Maifeuer ist zu einem „antifaschistischen Event“ auf den Plan getreten und muss sich, da der autonome Antifaschismus stets mit der Praxis verwoben bleibt, daher die Frage gefallen lassen, wie denn ihre Kritik mit der Praxis zu versöhnen ist.
Abschließend stelle ich die Frage, ob das Label „Antifa“ noch immer eine sinnvolle Klammer ist, um gewisse Personen unter einem Dach zu vereinen. Solange man sich noch nicht einmal darin einig ist, dass eine „Schweinfurt-Ist-Bunt-Demo“ eine Lüge ist, lohnt es wenig, bei diesem oder jenem Event über das richtige Verständnis von Antifaschismus zu debattieren. Ich plädiere dafür, sich aus dem Linksradikalismus heraus antifaschistisch zu organisieren, statt dem Lifestyleantifaschismus bei diesem oder jenem Event einen linksradikalen Anstrich zu verpassen.
Tja, wieder mehr Fragen als Antworten. Sorry.

Yvonne Hegel

Du mieses Speziesistenschwein!

Als unser Hunter S. Heumann irgendwann um 2004 das erste mal das Wort „Speziesistenschwein“ benutzte, das er eigens zu dem Zweck erfunden hatte, Tierrechtler zu verwirren (Tip: das Wort ist in sich widersprüchlich), wusste niemand, wie furchtbar ihm dies Geschäft gelingen würde.

Nochmal: Zur Benutzung der Kommentarspalte

Wir hatten das ja schon mal, und es sind tatsächlich immer nur die Studenten, bei denen das Problem auftritt, weil sie so gescheit sind.

Man macht es so:

1. Hirnlosen Kommentar posten
2. Entsetzt feststellen, dass er nicht sofort sichtbar ist, sondern erst freigeschalten werden muss. Nun dämmert es sogar im trostlosesten Studentenhirn: Die haben meinen Beitrag einfach gelöscht! In Sekundenbruchteilen gelesen, und hämisch lachend wegzensiert. Weil wir nichts anderes zu tun haben.
3. Nun muss man unverzüglich grosses Geschrei erheben: „Zensur!“, und dann nichts wie weg.

Hier spricht der Erdvater

Wow. Wahnsinn.
Es folgt eine wichtige Mitteilung des Erdvaters zum Bundeswehreinsatz in Afghanistan:

Link.

Wirkt wohl am besten auf LSD. Unbedingt nachts anschauen und Licht im Zimmer aus, sonst wirkt die Hypnose nicht.
Gibt’s eigentlich auch Videos vom Weltgeist?

Von Liberalen und anderen Balzvögeln

Hunter S. Heumanns Bericht zweier blau-weißer Festivitäten

Nun, es passiert ja nicht gerade viel in der Gegend. Die Langeweile ist derart groß, dass ich den Polizeibericht eines vergangenen Wochenendes als kleines Highlight für mich entdeckt habe. Ein paar Schlägereien, Vandalismus, Exibitionisten und ab und zu sogar eine brennende Mülltonne. Dieser Öde entkommt man schwer.
Es sei denn, man schafft es, sie zu verdrängen. Hilfsmittel ist dabei entweder der liebe Herr Alkohol oder der Besuch von absurden Veranstaltungen. Das größte Vergnügen ist jedoch die Kombination beider. Und so kam es, dass ich zwei ganz besondere Highlights in meinem Kalender der gepflegten Unterhaltung eingetragen hatte, bei denen den Farben blau und weiß eine besondere Bedeutung zukam.
Die erste Veranstaltung, der ich beiwohnte, war ein Umzug gegen Deutschland. Als Ort für diese vielversprechende Demonstration hatten sich die Veranstalter das brodelnde Herz Germaniens ausgesucht: Kitzingen. Es gibt viele Gründe, gegen Deutschland zu sein, Kitzingen ist aber mit Sicherheit einer der besten.
Nach einer schlimmen Nacht, vernebelt von dichtem, schwerem Tabakduft, klingelte es am Morgen an meiner Türe. Auf meinen Synapsen spielte der Obstler noch immer Punkrock. Das Aufstehen fiel mir wahrlich schwer. Bevor ich die Türe erreichte, schnappte ich mir noch mein Pfefferspray- denn man kann ja nie wissen, welche Freaks schon wieder vor der Wohnung stehen. Was sich mir darbot, kam tatsächlich einer Freakshow relativ nahe. Da standen drei Leute mit verquollenen Gesichtern und Augenrändern bis zum Allerwertesten. Einer stammelte irgendetwas von „Elektroparty“ und „Nacht durchgetanzt“. Ach richtig, das waren die Herren, die mich zur Demo abholen wollten. Mit flauem Gefühl im Magen stieg ich also ins Auto. Im Nachhinein frage ich mich, ob es der Gesamtsituation zuträglich war, dass ich es genoss dem Fahrer während der Fahrt vom hinteren Sitz permanent meine Knie in den Rücken zu rammen. Vielleicht war dies aber auch die einzige Möglichkeit, ihn wach zu halten. Wir werden es nie erfahren.
Wir kamen in Kitzingen an. Die Sonne schien, die Tiere am Mainufer freuten sich über diesen wunderschönen Frühlingstag. Zumindest nahm ich es so wahr. Ein böser Mann mit blauen Adiletten und feuerrotem Kopf schimpfte von seinem Balkon herab. Seine Stimme klang wie ein Polizeiauto, inklusive Doppler-Effekt. Er schien nicht sehr erfreut darüber, dass die Abschlusskundgebung dieser Demonstration vor seinem Haus stattfinden sollte. Dicke Luft, ich hätte auffallen können, nur raus hier. Mir war das ganze Theater sowieso recht egal. Ein Freund und ich setzten uns bis zum Anfang der Demo an den Main und schauten Enten beim Geschlechtsverkehr zu. Ein faszinierendes Schauspiel! Der Umzug sollte am Bahnhof beginnen, und so begaben wir uns in seine Richtung. Was gehört zu einer guten Bahnhofskneipe, in der man sich schon um die Mittagszeit volllaufen lassen will? Das rustikales Ambiente, Sportwimpel, Faßbier- sonst nichts. Und genau eine solche fanden wir auch vor, was uns zum Konsum von einem, zwei oder auch drei Hopfengetränken verleitete. Von den gemütlichen Stühlen im Hof der Trinkhalle konnten wir dann auch beobachten, wie lange vor den Demonstranten die Ordnungshüter den Platz inspizierten- und mit Ihnen dieser Herr vom Staatsschutz mit dem schönen Holzfällerhemd und der modischen Sonnebrille. Irgendwann ging die Demo dann auch los. Es gab 100 Israel-Fähnchen, 50 Demonstranten und kaum jemanden auf den Straßen. Ein paar Kids freuten sich über die Bonbons und Plätzchen, die von Antifas verteilt wurden. Lächelnde Kinder waren dann aber auch schon die ganze Außenwirkung dieser antideutschen Hateparade. Die Musik vom Lautsprecherwagen war schlimm. Ich wünschte mir Schleimkeim, aber niemand wusste, was ich damit meinte. Punk ist halt auch nicht mehr, was er mal war. Angekommen bei der Abschlusskundgebung trank ich noch ein paar Vodka-Redbull. Mir wurde schwindelig. Betrunken in Kitzingen. Die Reise war’s wert.
Wenige Tage später hatte meine Leber bereits das nächste weiß-blaue Großereignis zu befürchten: Die Kanzlerin sollte in unsere gottverlassene Stadt kommen. Aber niemand hatte ihr einen Thron gebaut. Bewaffnet mit einer Flasche Apfelkorn und einer Hubschraubermütze begab ich mich barfüßig zum Marktplatz. Und verdammt, dieses unentwegte Augenzucken. Hunderte, wenn nicht tausende Menschen, viele mit Lederhosen an, fast alle mit Schaum um den Mund, warteten gespannt auf die Rede der Fürstbischöfin. Ich setzte mich an den Obelisken, an dem sich am Wochenende normalerweise die Punks treffen, und versuchte, mein zuckendes Auge in den Griff zu kriegen. Keine Punks in Sicht. Deren Rolle sollten heute die Milchbauern spielen. Die Landwirte protestierten gegen den niedrigen Milchpreis und riefen unverständliche Dinge, die wie ein lautes „Muuh!“ klangen. Wenn mich meine Sinne nicht täuschten, hatten die Milchbauern sogar eine Kuh mitgebracht, die stark nach Stall roch. Die freundliche Kuh schmatzte zufrieden vor sich hin. Kurz überlegte ich mir, ob ich ihr ein paar Pommes vom Marktstand holen sollte. Die Widerkäuerin war zweifellos die sympathischste Person auf dem gesamten Platz. Aber ein Ereignis machte meine Pläne zu nichte: Da stand er wieder, der Mann vom Staatsschutz. Er hatte immer noch das selbe Holzfällerhemd an. Ob er es zwischendurch wenigstens mal gewaschen hatte? Eine Angstattacke überkam mich. Kann es sein, dass dieser Mann mich verfolgt? Dass es weiß, dass ich selten vor zwölf Uhr aufstehe, dass er mich beim umziehen beobachtet? Ich versuchte, mich hinter der Kuh zu verstecken, die vielleicht gar keine Kuh war. Die Rede der Königin hatte bereits angefangen. Ich kann mich an kein einziges Wort mehr erinnern. Im Schatten der Kuh drückte mir ein junger Mann ein Flugblatt einer liberalen Partei in die Hand. Seine Art und Weise, um die Leute herumzutänzeln und Wahlpropaganda zu verteilen ähnelte dem Balztanz der Enten bis ins Detail. Bei genauerem hinsehen erinnerte mich der junge Mann aber nicht mehr an ein süßes Entchen, sondern eher an einen Kampfhahn mit etlichen Schmissen im Gesicht. Da waren noch mehr Menschen, die Flugblätter verteilten. Eine bedrohliche Situation. Sie hätten mich mit ihren Schnäbeln zerhacken können. Sollte dies mein Ende sein? Panisch rannte ich davon, schreiend stieg ich in die erste Straßenbahn, der ich begegnete. Zufälligweise war es die richtige. Ich schleppte mich in mein Bett und schlief 20 Stunden am Stück. Ich bin wirklich froh, noch am Leben zu sein.

Hunter S. Heumann

Ein kleiner Vorgeschmack auf den Hype 12

Willkommen zur Kotzkolumne- es gibt vegane blaue Zipfel

Die Kochkolumne ist ja Rainer Bakonyis heilige Kuh. Da ich selten Fleisch esse, fällt es mir wirklich schwer sie zu schlachten. Aber es muss sein. Seit zwei Jahren hält er uns zum Narren. Seine Gerichte kann man entweder besoffen nicht kochen, weil man dabei einschläft, oder die Produkte gibt’s nicht beim Discounter. Und mal ehrlich, was soll am Gaisburger Marsch gut sein? Nein, so geht das nicht!
Die Drohung stand schon lange im Raum, jetzt mache ich’s wahr und schreibe meine eigene Kochkolumne. Im Gegensatz zu Rainer Bakonyi („Rainer Bakonyi lebt in Würzberg. Er schreibt regelmäßig für das akw! info und ist Wirt.“ Phase 2) behaupte ich gar nicht, dass mein Gericht gut schmecke. Ganz im Gegenteil, der Versuch, vegane Blaue Zipfel zuzubereiten, war mit Abstand das ekelhafteste, das ich je gekocht habe. Betrachtet es deshalb als Chance, ungeliebte Gäste loszuwerden, mit eurer Freundin oder eurem Freund Schluss zu machen oder einfach mal gepflegt zu kotzen. Et voilà:

Sie brauchen:
Für die blauen Zipfel: vegane Sojawürste, Wacholderbeeren, Lorbeerblätter, Essig, Öl, Salz, Pfeffer;
Für das bayrisch Kraut: Weißkohl, Gemüsebrühe, Kümmel, Räuchertofu, Essig, Zucker, Öl, Zwiebeln
Für den Kartoffelbrei: Kartoffelbreipulver, Sojamilch ungesüßt

Zubereitung:
Schneidet das Kraut in riesige Stücke, so dass sie nicht gar werden können. Verwendet den Stumpf am besten auch. Zwiebeln würfeln. Räuchertofu (wichtig: viel Räuchertofu verwenden, vielleicht sogar mehr als Kraut. Das macht die Sache besonders widerlich.) würfeln und frittieren. Die Zwiebeln andünsten, mit Wasser, Essig und Zucker ablöschen. Das Kraut und den Kümmel mit einer übertriebenen Menge Gemüsebrühe aufkochen, bis kein Wasser mehr übrig ist. Am Ende Räuchertofu hinzufügen.

Wasser, Essig und Öl zu gleichen Teilen, Sojawürste, Wacholderbeeren, Lorbeerblätter und Sojawürste in einen Topf geben und köcheln. Nicht vergessen werden darf dabei, dass der Sud bitter werden muss. Ich habe keine Ahnung, wie ich das hinbekommen habe. Es soll auf jeden Fall wie Lebertran schmecken. Die Sojawürste nehmen den Geschmack des Suds nicht auf, egal wie lange ihr sie köchelt. Versucht’s erst gar nicht. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Den Kartoffelbrei so zubereiten, wie es auf der Packung steht. Statt Muhmilch Sojamilch verwenden.
Ich wünsche ein gutes Erbrechen!

Hunter S. Heumann,
welcher an dieser Stelle weiterhin noch folgende Kochbücher empfiehlt, um das Kochen im Gesamtzusammenhang der Verhältnisse zu begreifen:

- das große Buch vom Fleisch von Nikolai Buroh
- Wo unser essen herkommt von Willi Spatz
- Natural born Killer von Rainer Bakonyi im akw-info August 1994
- Schnaps brennen. Rezepte für Obstbrände und Ansatzschnäpse. Schritt-für-Schritt-Anleitungen von Herbert Herbst

Katzencasino – das Haushaltscanasta

Ziel dieses Kartenspiels ist es sog. Haushaltstrios zu sammeln, oder auch nicht. In der ersten Phase des Spiels, der Vorrunde, werden an jeden Spieler sieben Karten ausgeteilt. Der jüngste Spieler beginnt. Er zieht eine Karte vom Stapel und legt eine andere (oder dieselbe) wieder ab. Sobald er ein Trio hat, wird es ebenfalls abgelegt und dafür gleich drei neue Karten auf die Hand genommen. Pro Zug darf nur ein Trio abgelegt werden. Ist der Spielzug beendet, ist der nächste Spieler an der Reihe.
In dieser Phase des Spiels ist es gut, die Haushaltstrios zu sammeln, aber nicht nötig. Punkte gibt es nicht.

Erst in der zweiten Phase, wenn sich einer der Spieler in eine Katze verwandelt (die anderen tun es ihm gleich), zählt das Spiel: Ab jetzt dürfen keine Trios mehr gesammelt werden!

Alle Karten werden abgelegt und neu gemischt. Jede Katze erhält drei neue Karten. Pro Spielzug wird weiterhin eine Karte gezogen und abgeworfen. Ziel ist es nun, anders als in der Vorphase, keine Trios zu bekommen. Geschieht es dennoch, fängt die Katze, ganz nach Art der Katzen, zu jammern an. Sie muss sofort drei neue Karten auf die Hand nehmen. Die Katze, die als erste drei Haushaltstrios zusammen hat, hat das Spiel verloren, wobei die Trios aus der Vorphase des Spiels, als die Spieler noch keine Katzen waren, nicht mitgezählt werden. Gewonnen hat die Katze mit den wenigsten Haushaltstrios.

Anmerkung: In sehr seltenen Fällen kann es geschehen, dass sich kein Spieler in eine Katze verwandelt. Sollte nach Stunden noch immer keine Verwandlung gegeben haben, ist es ratsam, das Spiel abzubrechen.

Kartentrios:
Bügeleisen – Bügelbrett – Hemd
Fön – Kamm – Spange
Staubsauger – Besen – Schaufel

Von Homer Berndl

Spielkarten können über die Redaktion bezogen werden.

Robert Kurz im Kribbel Krabbel Mäusehaus

Auch die MitarbeiterInnen bei Amazon scheinen Humor zu haben, oder stimmt es tatsächlich, dass der Wertkritiker Robert Kurz seit kurzem Kinderbücher für die ganz jungen WertkritikerInnen entwirft?
Sehen sie selbst: Die Welt als Wille und Design.

Ein Kinderbuch von Robert Kurz wäre dann auch ein sicheres Zeichen dafür, dass sich das Konzept des Letzten Hypes, nämlich Schwachsinn und radikale Kritik zu verbinden, herum gesprochen hat….

Bands, die Würzburg braucht #1

Heute: Styckwaerk. Besser kann man das studentische Milieu nicht verkörpern. Schon mit 20 klingen wie die Toten Hosen? Über Oberschülerprobleme zetern? Das Vollgefühl der eigenen Wichtigkeit hinter gefälschter Selbstironie verstecken?

Hörprobe.

Soll man dazu ernsthaft ein Wort sagen? Man lässt es lieber bleiben.

und keine Texte mehr von Borchert
über das, was einmal war.

Borchert! Poesie! Man schüttelt den Kopf. Was die gymnasiale Oberstufe für Schäden anrichten kann.

Bin ich überhaupt normal?

fragt sich der Sänger weiter. Gerne geben ihm den Bescheid: Ja, und wie. Du bist eine Durchschnittsexistenz in jeder Hinsicht. Mehr als das, du bist zum Entsetzen langweilig. Zustände, in denen so ein Haufen Tröpfe behaupten kann, „Punkrock“ zu machen, gehören bis aufs letzte bekämpft.

Nieder mit dem studentischen Milieu. Das ist die einzige Lehre aus diesem traurigen Kapitel.

Fruchtsalat

Art des Spiels: Ein deutsches Gesellschafts- Gruppenspiel. Als Familien- oder Partyspiel geeignet.

Gruppengröße: mind. 4 Leute

Altersbeschränkung: keine

Materialien: 1 funktionstüchtiger Toaster, 1 Stirnband beliebiger Farbe, 1 Stück Kreide, evtl. frisches Obst

Spielort: Hof oder Straße, kurz nach Sonnenaufgang

Hinweis: Dieses Spiel ist sehr geeignet für ausgezehrte, wassersüchtige Körper nach einer durchzechten Nacht.

Beschreibung:

1. Die Schüssel:
Der älteste oder erfahrenste Mitspieler setzt das Stirnband auf und nimmt das Stück Kreide in die Hand. Er malt auf den Boden einen Kreis. Dieser sollte angenehm rund und nicht zu klein sein, als Faustregel gilt:
Radius in m= Gruppengröße – 1
Dieser Kreis stellt die „Schüssel“ dar und wird auch so genannt. Sie darf, wenn alle damit einverstanden sind, mit kleinen Tierbildchen verziert werden.

2. Der Toaster
Der Toaster wird neben die Schüssel gestellt. Er muss über Verlängerungskabel sehr umständlich mit einer Steckdose verbunden sein. (siehe Abb. 1)

3. Die Früchte
Nun sind die übrigen Teilnehmer an der Reihe: Jeder von ihnen denkt sich eine Frucht aus, die er sein möchte, und spricht ihren Namen laut aus, z. B. so:
Spieler A: „Ich möchte eine Birne sein.“
Oder Spieler B: „Ich bin eine Traube.“
Sollte ein Spieler etwas unliebsames sagen („Ich bin eine Kartoffel“), darf der Spieler mit dem Stirnband ihn schlagen und anschließend fortjagen.
In der Zwischenzeit haben sich die anderen Spieler ihre neuen Früchtenamen auf ein Schild geschrieben und umgehängt. Sehr atmosphärisch ist es auch, wenn die Spieler ihre jeweilige Frucht vorher eingekauft haben und sich kunstvoll ins Haar stecken oder mittels Haarreif auf dem Kopf befestigen (siehe Abb. 2)

4. Beginn des Spieles:
Der Tanz:
Alle Früchte stellen sich nun im Kreis um die Schüssel herum und beginnen zu tanzen. Es darf gerne gesummt werden. Der tanz sollte immer charakteristisch für die jeweilige Frucht sein, d. h. eine Birne sollte einen bauchigen Tanz vorführen, während die Traube, den Kopf kreiselnd, kleine Schritte bevorzugt.
Für jede Frucht ist es ratsam, den Tanz vorher allein zuhause zu üben.

Die Zubereitung des Fruchtsalats:
Glücklich über die tanzenden Früchte stellt sich der Träger des Stirnbandes nun zwischen die Schüssel und den Toaster, wobei er unbedingt jeden Anflug von Neid vermeiden sollte. Er atmet tief durch und spricht folgende Worte:

„Ach, ich habe Hunger. Und wie immer kann ich mich nicht entscheiden. Esse ich Toast oder einen Fruchtsalat?“

Kaum wurde der Satz gesprochen, hören die Früchte zu tanzen auf. Sie fassen sich an der Hand und rufen: „Iss doch einen Fruchtsalat!“

Was nun folgt, ist der Höhepunkt des Spiels: Der Träger des Stirnbandes muss sich entscheiden. Wählt er den Fruchtsalat, wird das Spiel einen freudigen Ausklang finden. Wählt er den Toast, so ist das Spiel auf der Stelle vorbei. Und alles war umsonst.

Sollte sich der Stirnbandträger nach zähem Ringen für den Fruchtsalat entscheiden, ruft er feierlich verkündend aus: „Ich wünsche mir den Fruchtsalat!“
Darauf beginnt er einen ekstatischen Tanz um die kleinen Früchte herum und verpasst jeder von ihnen einen Klaps. Dabei nennte er sie einzeln beim Namen und lobpreist ihren Geschmack, ihren Liebreiz und die Energie. (siehe Abb. 3)
Die Früchte springen, sobald ihr Name fällt, voller Freude in die Schüssel und tanzen. Der Ausgelassenheit sind keine Grenzen gesetzt und Ausrufe der Freude und Jubels sind erwünscht. Und so tanzen alle bis sich der Tag zu ende neigt.

Von Homer Berndl

Was ist das?

http://der-keil.org/wueterror.mov

Der befreundete Gesangsverein

Der Keil führt sein neues Stück auf:
Die Bienen
Am Freitag und Samstag im Theaterensemble.
Nähere Infos auf der Homepage des Keils

Nochmal Studi-Sachen

Im Nachgang zum Artikel, und im Hinblick auf die Uniwahlen:

Der AK Aktion bei der Studierendenvertretung gibt bekannt:

Der Boykott muss leider abgesagt werden.

Der Boykott muss leider abgesagt werden, denn es mangelte zu sehr an Helfern, die Anwaltskosten von 3000 Euro konnten nicht finanziert werden und bis auf drei positive und etwa fünf negative Ausnahmen waren die meisten Fachschaften noch nicht einmal bereit, überhaupt mitzuteilen, ob sie den Boykott unterstützen oder nicht.

Unter solchen Vorraussetzungen kann in diesem Semester nichts mehr erreicht werden.

Wir sind bekanntlich die, die immer nur kritisieren, während andere etwas tun. Nichts gegen den guten Willen der wenigen Aktiven, die irgendwann festgestellt haben, dass es mangels Masse nicht geht; aber alles gegen die Selbsttäuschung über eingeschlagene Irrwege, die von allen jenen aufrechterhalten wird, welche die Irrwege vor jeder Kritik in Schutz zu nehmen bemüht sind.

Solange sich die Sache im Getriebe einer Unipolitik befindet, die in den jetzigen Formen abläuft, wird nichts zu retten sein, und nichts zu holen, ausser für die wenigen umtriebigen Politikanten.

Zur Benutzung der Kommentarspalte

Und so wirds gemacht:

1. Hirnlosen Beitrag posten
2. Schockiert feststellen, dass man ihn nicht sieht
3. Unverzüglich „Stalinismus!“ schreien
4. Beleidigt ab.