Archiv der Kategorie 'evi schmitt'

Fick die Uni!

An die Studenten

Wollt ihr euch jetzt endlich eurer Haut wehren, oder nicht? Oder wollt ihr uns das Schauspiel, dass ihr uns schon im „besetzten“ Hörsaal geboten habt, noch länger bieten?

Habt ihr kein Gefühl dafür, wie sehr ihr euch zu Deppen gemacht habt? Habt ihr nicht so viel Klarsicht und Verstand, um zu begreifen, wie lächerlich eure Aktionen, eure Forderungen, euer ganzes hervorragendes demokratisches Bewusstsein sind, wenn man sie vergleicht mit dem Leben, das ihr führt, und das ihr führen werdet?

Sogar mein Zorn auf eure wahrhaft kindischen Manifestationen beleidigt euch; ist es vielleicht, weil ihr nicht lernen könnt? Ihr fühlt euch in euren besten Absichten böswillig falsch verstanden: habt ihr nie gelernt, dass es auf die gute Absicht nicht ankommt, und könnt ihr nicht erfassen, was abzüglich der guten Absicht, die ich euch nicht abnehme, von euren Aktionen übrigbleibt?

Einen Hörsaal „besetzt“ man nicht so, wie ihr es tut. Etwas zu besetzen, was einem nicht gehört, ist ein bisschen schwieriger. Manche wissen das, ihr nicht. Ihr wolltet gerne etwas wichtiger und radikaler aussehen, als ihr zu sein glaubtet. Gleichzeitig habt ihr euch darauf verlassen, dass ihr harmlos genug seid, um nicht wirklich rausgeworfen zu werden. Das falsche Spiel ging nicht gut auf.

Ihr habt es nicht drauf ankommen lassen. War es euch etwa gar nicht ernst? Euer leisetreterisches Geheule um den Dialog mit dem Herrn Präsidenten zeigt mir, dass ihr ganz einfach nur ernst genommen werden wolltet. Weil ihr nicht begriffen habt, dass ihr nicht ernst genommen werden könnt. Es gibt nämlich keinen Grund, warum jemand einen Studenten ernst nehmen sollte.

Studenten sind fleissig, eifrig, nehmen unglaubliche Entbehrungen hin, verheimlichen ihre Depressionen und setzen sich ein Gesicht auf, als ob sie glücklich und voller Mut und Dankbarkeit ihrer Zukunft entgegensehen, die doch sicher – darauf vertrauen sie ganz fest – nur Gutes für sie bereithält, denn sind sie nicht die Auserkorenen ihrer Nation? Sind sie nicht, wenn nicht die Besten der Besten, so doch der Produktionsfaktor der Zukunft? Hat das nicht der Bundespräsident versichert? Glaubt man ihm etwa nicht?

So benimmt sich ein Mensch, dem man alles einreden kann. Und das tut man auch. Alle Welt lacht über die Studenten. Und ihr wolltet ernst genommen werden, solange ihr noch die Rolle von Studenten spielt? Solange ihr es tut, werdet ihr die Hand nicht beissen, die euch füttert. Bevor ihr nicht aufhört, Studenten zu sein, wird euch niemand ernst nehmen. Aber niemals wird ein Student den Schlauch kappen, aus dem er die Bedeutung zieht, die seinem objektiv elenden Leben allein einen Sinn gibt. Denn irgendwozu muss das doch alles gut sein.

Eher rebellieren die Katholiken gegen den Papst, als die Studenten gegen die Uni.

Und deswegen werdet ihr euch nach dem, was Uni und Staat euch vorgeben, zu richten haben. „Die Studenten können gegen nichts rebellieren, wenn sie nicht gegen ihre Studien rebellieren“. Wenn ihr das System der Mühsal, für das ihr auch noch Geld zahlt, los werden wollt, müsst ihr es anders anfangen. Solange ihr das nicht tut, werden jedenfalls wir euch im Stich lassen, denn unsere Sache betreibt ihr nicht.

Von Evi Schmitt

Audimax Besetzung Würzburg Hype

Auf Anregung meiner eigenen Person verlinke ich hier mal, zur Frage, wie man anderswo Unis besetzt bzw. eben nicht, dieses Interview von FSK Hamburg mit ein paar Leuten, die in Frankreich an den Auseinandersetzungen von 2006 teilgenommen haben.

Diese Auseinandersetzungen 2006 werden vielleicht nicht unbedingt, wie Jörg Finkenberger gerade nach 3 Bier behauptet hat, die letzten in der europäischen Geschichte bleiben, aber wenn, dann wird das nicht an den würzburger Aktivisten liegen, wie ich fürchte. Plus die da interviewt werden, sind nicht gerade solche wie ich, die ja nie was tun, sondern immer nur maulen; sondern Leute, die mal was tun wollten, und deswegen Grund gefunden haben, zu maulen. Nicht zu verwechseln mit mir, die ich nur faul bin. Und eine Klassenverräterin dazu, naja.

Gut, dass es wenigstens die Aktivisten noch gibt.

Evi Schmitt

Die letzen paar neuen grossen Dinger

Falls es jemanden interessiert, hier sind ein paar Dinger, die in den letzten Monaten in gewissen internationalen Kreisen gelesen worden sind:

Ein Ding namens „The Call“ („The Left is periodically routed. This amuses
us but it is not enough. We want its rout to be final. With no remedy. May the spectre of a reconcilable opposition never again come to haunt the minds of those who know they won’t fit into the capitalist process.“),
eine anarchistische Kritik daran,
die berühmte Schrift Über die kommende Insurrektion („The flames of November 2005 still flicker in everyone’s minds. Those first joyous fires were the baptism of a decade full of promise. The media fable of “banlieue vs. the Republic” may work, but what it gains in effectiveness it loses in truth. Fires were lit in the city centers, but this news was methodically suppressed. Whole streets in Barcelona burned in solidarity, but no one knew about it apart from the people living there. And it’s not even true that the country has stopped burning.“),
(französisches Original hier, nicht zu verwechseln mit unserer eigenen Artikelserie Über die kommende Revolte),
und die Diskussion darüber auf libcom.org

Mir ist langweilig #2

Hahahahaha. Und grad muss ich doch noch mal auf wuerzblog.de nachschauen. Unfassbar.

Un-fass-bar.

Ein länglicher Bericht über das

Buisiness Lunch der Würzburg AG in der Autobahnraststätte

zum

Slogan für die Imagekampagne »Würzburg. Provinz auf Weltniveau.«

Und der Mann war allen Ernstes da, weil es ihn allen Ernstes interessiert, mit welchem Werbespruch dieses Kaff über den eigenen Totalausfall hinwegtäuschen will:

Dann ging es zur Diskussion und es zeigte sich, dass der Slogan überwiegend positiv aufgenommen wurde. Mit der »Provinz« als Gegensatz zu »Weltniveau« zu werben fanden die wenigsten problematisch. Als Abschluss wurde eine Testabstimmung gemacht, bei der mal sich melden konnte, ob man sich diesen Slogan und das Konzept auf die Fahnen schreiben würden. Fast alle waren dafür, wenig haben sich enthalten und nur einer – ich – war dagegen.

Warum ich immer noch dagegen bin? Aus mehreren Gründen. Mit dem Begriff »Weltniveau« kann ich leben. Vielleicht ist er ein bisschen geklotzt, aber ok, das ist Werbung. Ich finde der Begriff »Provinz« trifft nicht für mein gefühltes Würzburg-Bild zu. Ganz sicher ist Würzburg keine pulsierende Metropole. Aber Provinz? Das ist für mich irgendwo auf dem flachen Land, wo es das Highlight des Jahres ist, wenn mal ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor durch die Hauptstraße fährt. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich mir dieser Einschätzung alleine stehe. Provinz ist für mich eindeutig negativ besetzt, ich kann es leider nicht ändern.

Und „Würzburg“, kann man sich denken, eher eindeutig positiv.

Was juckt es den Mann? Was lässt es ihm keine Ruhe? Aber einen Trost findet unser Recke zuletzt doch noch:

Sicher darf man sich nicht ausschließlich auf den Slogan versteifen, er wird ja von anderen Werbemaßnahmen begleitet.

Was für ein Glück.

So, wieder gemeckert, ohne ein Lösung anbieten zu können. Diese Blogger aber auch immer … ;-)

In der Tat, Herr Wuerzblog.de, immer so negativ.

Ich lache mich schlapp, wo leben wir bloss.

Mir ist langweilig #1

Deswegen poste ich heute Scheisse.

Irgendjemand hier aus der Gegend postet folgenden sinnlosen Scheissdreck:

Esst mehr Tiere

ein weiterer sinnloser beitrag

gründe:

-schmecken gut
-kühe verursachen mehr CO2 wie autos
-schmecken gut
-ich mag keine vegetarier („die essen meinem essen das essen weg“)
-enthalten wichtige omega3fettsäuren oder so
-wir leben im westen
-fleisch ist gut
-“ich finde es toll tiere zu erniedrigen indem ich sie töte und in ihren eigenen darm stopfe”
-schonmal fondue ohne fleisch gemacht?
-tiere machen uns unseren lebensraum streitig und konkurrieren mit uns
-tiere sind keine menschen
-ich persönlich glaube nicht das tiere etwas fühlen

guten appetit frau schmitt

ich finde es wirklich wichtig gegen diesen vegetarierkack vorzugehen

Ein paar Fehler auf jeden Fall: erstens heisst es nicht „mehr CO2 wie Autos“, sondern „als wie Autos“. Zweitens ist die Argumentation natürlich zirkulär, und so weiter. Ein Deutschlandfan ist es auch noch. Was die Seite aber find ich irgendwie rettet, sind die Fotos und das völlig überflüssige Video von einem rangierenden Liefer-Lkw in der Innenstadt. Was für ein schöner Stumpfsinn.

Die Seite hab ich, geb ich zu, bei dem Twittersepp da grad eben gefunden.

Nachtrag: Seltsam, kaum verlinkt man jemanden aus Estenfeld, schon hat man einen Nazi-Spammer in der Kommentarspalte. Hahaha.

Neue/r Chefredakteur/in

Das monatelange Tauziehen hinter den Kulissen hat ein Ende! Sie, meine sehr verehrten Damen und Herren an den Geräten, haben entschieden! Evi Schmitt, vielen von uns noch von Ihrer Zeit beim Keil als „Die unsichtbare Frau“ in Erinnerung, ist neue Chefredakteurin des Letzten Hype. Sie wird uns einer goldenen Zukunft entgegenführen. Zittert, schwache Erdlinge!

Der Stumpfsinn der universitären Lehre

Einige Anmerkungen zum Studium in Jahre 2008

Wir leben in einer Welt, in der wir zuerst gehen und sprechen lernen.
Später lernen wir dann still zu sitzen und den Mund zu halten.

Manche Momente fühlen sich wie der Eintritt in das Reich der Freiheit an – und sind es leider nur bis zu dem Moment, in dem wir zu realisieren beginnen, dass alles, was uns die bürgerliche Gesellschaft verspricht, eine bloße Lüge, nämlich die Verneinung der menschlichen Vielheit, zu sein scheint. Haben wir wieder einmal eine Hürde erklommen, die uns die Gesellschaft in den Weg gelegt hat und die einzig und alleine aus dem Grund existiert, um die Klassenstruktur zu erhalten und uns in die Verwertungsmaschinerie zu integrieren – das Abitur oder ein universitärer Abschluss zum Beispiel – so kann das befreite Gefühl, die ganze Welt vor sich zu haben und alle Möglichkeiten zu besitzen, nur von kurzer Dauer sein. Denn genauso, wie wir in unserer Schulzeit lediglich zu einem fleißigen Bürgerchen erzogen werden, geht es in der Universität weiter – still zu sitzen, den Mund zu halten und im richtigen Moment universitäre Lehrmeinungen wie vom Tonband abzuspielen, bleibt die beste Devise.
Beginnt man das Studium aus Interesse am Fach und nicht von Vorneherein mit einem festen Berufsziel, so wird man bereits nach den ersten Tagen als StudentIn enttäuscht: studentische Freiheit ist nichts anderes als eine Worthülse, die keinen Inhalt besitzt oder besaß – nicht vor 40 Jahren und schon gar nicht im Jahre 2008. Dies fing bereits bei meiner ersten Vorlesung an, die als Frontalvortrag knapp zwei Stunden dauert und meist Fragen keine einzige Minute einräumt – von kritischen Zwischentönen, die den/die ProfessorIn aus dem akademischen Elfenbeinturm führen könnten, ganz zu schweigen. Genauso wie die Gesellschaft ist auch die Universität eine Maschinerie, in der um Machtpositionen gerungen wird und in der Autorität benutzt wird um kritische Töne möglichst klein zu halten. So mag das Interesse am Fach noch so groß sein: Entweder man legt den Enthusiasmus ab, stellt die eigenen Suchbewegungen größtenteils ein und schleimt sich bei möglichst vielen mächtigen Menschen ein, oder die/der scheinbar Freie entdeckt seine Unfreiheit, die Eindimensionalität des gesellschaftlich anerkannten Zusammenlebens und der akademischen Lehre. Eigentlich kann man sich vom ersten Semester an nur „hoffentlich komme ich hier unbeschadet hindurch!“ denken.
Mit den Bologna-Prozessen und der Einführung von Bachelor/Master-Studiengängen werden Studierende noch viel weniger über die Grundlagen ihrer Wissenschaft und einer möglichen kritischen Auseinandersetzung mit dem Unibetrieb in Berührung kommen. Universitäre Abschlüsse sind nichts anderes als Berufsausbildungen. Die Unterwerfung der akademischen Lehre unter die Gesetze des Marktes ist nur die logische Konsequenz aus einer Wissenschaft, die bei Strafe ihres eigenen Untergangs dem Kapital zur Verfügung stehen muss. Die Tatsache, dass jene Umstrukturierungsmaßnahmen sowohl bei der so genannten organisierten StudentenInnenschaft als auch beim Lehrpersonal auf kaum Widerstand stießen, verdeutlicht, das die Lehre keineswegs frei ist, sondern sich wie alle anderen Elemente der Gesellschaft lediglich um die Sonne des Kapitals dreht. Das Bild einer kritischen Masse von Studierenden, das sich vom Jahre 1968 bis in die Gegenwart erhalten hat, ist reiner Kitsch geworden. Wenn Solidarität unter den Studierenden eingefordert wird, dann klingt dies für mich wie ein schlechter Witz. Ich werde einen Teufel tun, mich mit den deutschen Eliten von morgen zu verbrüdern.
Das Problem der Menschen, die erkannt haben, dass sie in der verkehrten Gesellschaft leben und die richtige Gesellschaft wollen, ist, das sie zuviel zu verlieren haben. Man fühlt sich teilweise pudelwohl als KritikerIn der bürgerlichen Gesellschaft und bewegt sich doch in den spießbürgerlichsten Kreisen. Den vorgezeichneten Weg seiner eigenen Klasse zu verlassen und auf die Meinung seiner Verwandten zu pfeifen – dazu haben nur wenige den Mut, und jenen AussteigeInnen gilt mein vollster Respekt. Für die restlichen Studierenden gilt nur, das positive aus der Studienzeit schätzen zu wissen: Ein bisschen vom unbeschwerten Leben der Jugend in die Erwachsenenzeit zu tragen. Man kann nur hoffen, die Unizeit möglicht unbeschadet zu überstehen, denn Platz für eine kritische Lehrmeinung bietet die Gegenwart kaum. Die Aussage, dass die Universität nichts anderes ist, als eine Ausbildungsstätte für Eliten, kann in Zukunft niemanden mehr verwundern.

Wir leben in einer Welt, in der wir zuerst gehen und sprechen lernen,
Später lernen wir dann still zu sitzen und den Mund zu halten.
Es ist die Reihenfolge, in der man die Dinge lernt,
die uns zu dem machen was wir sind.

Von Yvonne Hegel