Ein weiteres Mal: „It´s time to say goodbye.“

oder: wie verängstigte Einhörner vom Mond aus niederstarren und die Welt sich in der Neigung von 23,5° ringsum dreht.

„Wir meinen zunächst, daß die Welt verändert werden muß. Wir wollen die größtmögliche emanzipatorische Veränderung der Gesellschaft und des Lebens, in die wir eingeschlossen sind. Wir wissen, daß es möglich ist, diese Veränderung mit geeigneten Aktionen durchzusetzen.“ – Guy Debord, Rapport zur Konstruktion von Situationen

Wer mich kennt, weiß – dass die oben genannten Worte schon einmal im World Wide Web Einzug erhielten. Für den Rest: Es spielt eigentlich keine weitere Bedeutung. Sie wurden damals eingemeißelt, weil sie nimmer mehr vergessen werden durften. Eingehämmert, damit jeder sich erinnern wird und ich aus heutiger Sicht sagen kann, dass es nicht schlecht tat, die Brüche zu begehen, die eben – so bitter wie sie sein mochten – unumgänglich waren. Havarien werden einer Notwendigkeit der Unkenntnis über das Unheil vorausgeschickt. Es scheint kein großer Verlust zu sein, dass ich hinfort bin. Es war eben auch kein immenser Gewinn für eine schreckliche „Szene“. Ich bin draußen. Weg. Auf nimmer wiedersehen könnte man sagen oder es auch lassen. In Anbetracht der aktuellen Lage ist dieses Vorgehen eine Unabwendbarkeit – mehr noch – ein Obligatorium.

Die letzten Trümmer eines Irrglaube an die Restvernunft der Linken, wurde von der Langeweile besiegt. Ihr habt nichts das euch berechtigt den Unsinn zu treiben, den ihr treibt. Alle anderen können mit ihrem Erfolg prahlen – ihr lasst es tatsächlich besser. Ihr versteht eure Rolle nicht, die ihr mit eurem Handeln einnehmen wollt. Die ihr mit eurem Dasein fristet. Ihr habt noch nie die Notwendigkeit einer historische[n] Verantwortung verstanden, die man als freiheitsliebender Mensch verstehen sollte. Endlich die „Notbremse“ zu ziehen, daran gilt es festzuhalten. (0) Die Vorbereitungen zu machen! Ihr versauert dort, wo sich niemand um euch kümmert. Warum sollte es auch jemand? Eure lapidaren Ausschweifungen zu Themen, die altbacken sind, sind nicht die Belange, die unseren grässlichen Alltag bestimmen und uns tagtäglich zu das machen, was wir sind. Ihr quält euch mit deplatzierten Gedanken – statt euch tatsächlich mit dem zu beschäftigen, das etwas verändern wird. Und selbst ihr kauft euch eure Postulate (ja, nichts anderes scheinen sie zu sein) mehr ab. (1) „Szenetalk“ ist es, wie es Kriegstheater als sinnentleertes „Geplänkel“ zu Recht als solches bezeichnet. (2)

Warum ist man nicht in der Bewandtnis das zu tun, das doch so unentbehrlich scheint? Ihr steht morgens auf um euch die Schuhe zu binden, das Frühstück zu verzehren, zu lüften und den Weg zur Straßenbahn zu finden – trotz der Müdigkeit die euch doch so quält. Ihr steht mittags in der Kantine um euer Mittagessen zu verzehren, um den Tag physisch zu überstehen – trotz der psychischen Qual. Ihr liegt nachts im Bett um eure Ruhe zu finden; vor dem Alltag, der noch Schlimmer nicht zu drohen scheint? Und ihr könnt noch schlafen? Trotz der Strapazen um die ihr angeblich bescheid wisst, entscheidet ihr euch täglich für das Selbige? Diesem Trott des Alltags hingegeben, scheint man solch große Übung in den Abläufen zu haben, dass man sie selbst im Schlaf beherrscht. Nicht sonst würde der Spruch eines alten Griechen auch heute noch an Aktualität verlieren, der besagt: „Auch die Schlafenden halten die Ordnung der Welt aufrecht.“

Die Welt in der die Existenz unserer zu finden ist, erkennt ihr als eine schreckliche an, doch das was ihr tut ist alles was es aufzubringen gilt? Dann werde man auch euch den Kampf ansagen müssen. Es gilt nämlich: „All dem muss in offener Feindschaft entgegengetreten werden, um endlich das Leben selbst herauszufordern.“(3) Die Gefahr dabei ist gen Ende gänzlich die, alleine in der Backstube als Lehrling auszuharren. Alleingelassen von der „Ersatzfamilie“ von den Leuten die einen zeitweiligen Lebensabschnitt mit uns teilen und sich wie so oft Freunde schimpfen. Die Dinge so hinzunehmen scheint jedoch auch für euch nicht ganz in Ordnung, dieser letzte Keim muss sprießen, damit es wenigstens Unkraut wird. So arrogant bin ich!

Es nämlich einfach so hinzunehmen wäre fatal und mit dem Bewusstsein, der Dringlichkeit auf Veränderung hin zu einer emanzipatorischen Tagesordnung nicht vereinbar. Warten können wir nicht länger. Warten wollen wir nicht länger. Und während die isländische Vulkanwolke zeigt, wer die Krise ist, schafft man hier keine Zuspitzung. (4) Vielleicht ist noch nicht die Zeit gekommen es begreiflich zu machen, dass unser Anliegen derzeit keine revolutionäre Bewegung sein kann. Immerhin dient noch die Poesie der Toten für eine Nordwestpassage zu den Ansätzen einer möglichen emanzipatorischen Gesellschaft, und solange dies so ist, werden sie viel lebendiger sein als die Lebenden selbst.

In den Nervenzellen meines Gehirns spielen sich im Gleichtakt Illustrationen ab, die keine Photothek aufnehmen könnte, da sie endlos sind. Ohne Anfang, ohne Ende – und ständig wäre ein Einschub, ein Schnappschuss möglich. Doch niemand findet augenblicklich den Auslöser. Das Stativ ist bereits auf drei Beine gestemmt. Das Objektiv scheint jedoch noch in Bauplanung und für das Kameramodell gar nicht gerüstet. Der Fotograf muss erkennen, dass nur er alleine den Auslöser zu aktivieren hat, denn das Objekt der Begierde schreitet immer weiter Richtung Horizont. Und trotzdem scheint es wichtiger als ehemalig, „je unmöglicher der Kommunismus ist, desto verzweifelter gilt es, für ihn einzutreten.(5)

Damit das Blitzlichtgewitter endlich Einzug erhält!

Karl von Irgendwo oder so.

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(0) Der Terminus der Notbremse ist Walter Benjamin entlehnt: „Marx sagt, die Revolutionen sind die Lokomotiven der Weltgeschichte. Aber vielleicht ist dem gänzlich anders. Vielleicht sind die Revolutionen der Griff des in diesem Zuge reisenden Menschengeschlechts nach der Notbremse.“ – Walter Benjamin. Angesichts der Züge die nach Auschwitz rollten, mag es tatsächlich eine revolutionäre Tat gewesen sein, diese Notbremse spätestens (!) an Ort und Stelle zu ziehen.
(1) Nebenbei könnt ihr sie ja nicht einmal formulieren und würgt bei genauerem nachfragen kleinlaut ab: „Ja, ich weiß das ja auch nicht so genau. Kann schon sein.“
(2) www.kriegstheater.blogsport.de in dem Beitrag mit der merkwürdigen Überschrift: „Manifest (Entwurf)“
(3) Carlo Raimondo Michelstaedter. In offener Feindschaft mit dem Bestehenden, seinen Verteidigern und seinen falschen Kritikern
(4) Ich möchte natürlich die Annahme – die derzeit eher einer Tatsache entspricht – nicht abstreiten, dass die deutsche Bestie gerade derzeit so schrecklich barbarisch daherkommt und eine Konterrevolution viel wahrscheinlicher als alles andere wäre. Solange diese Befürchtungen bestehen, darf man getrost auf keinen Umsturz hoffen. Mehr noch, man muss gegen ihn Stellung beziehen.
(5) Max Horkheimer. Um mich auch einmal bei den beliebten Zitateonkeln zu bedienen.


10 Antworten auf „Ein weiteres Mal: „It´s time to say goodbye.““


  1. 1 Passant 21. August 2010 um 1:26 Uhr

    @Endlich die „Notbremse“ zu ziehen, daran gilt es festzuhalten. (0)
    Andernorts, nämlich in den Vorarbeiten zu seinem „Passagen“-Werk, schreibt W.Benjamin auch, Revolution sei „Ausverkauf“. Gefällt mir!

  2. 2 administrator 21. August 2010 um 14:28 Uhr

    Danke für den Hinweis. Werde mal nachlesen.

  3. 3 KOMMOUNISMOS 25. August 2010 um 2:48 Uhr

    Was für ein Gebrabbel! Ein bißchen Gehate auf die inzestuöse linke Szene, von der man sich offensichtlich trotz gegenteiligen Bekenntnissen („Ich bin draußen. Weg. Auf nimmer wiedersehen könnte man sagen oder es auch lassen“) noch lange nicht abgelöst hat – sonst wären solche sentimentalen Beiträge zur privaten Vergangenheitsbewältigung ja komplett überflüssig – verbalradikal-situationistische Standardsentenzen kombiniert mit weitgehend substanzlosen Zitaten (Hork, Debord, „Kriegstheater“-Blog) – weiter nichts. Das Ganze wird dann natürlich, gewissermaßen traditionell, phrasendreschmaschinenmäßig als „Kritik“, „Subversion“, „Emanzipation“ und „Materialismus“ verkauft, nachdem man einige ältere Flugblätter „inhaltlich“ recycelt hat. Habt ihr überhaupt mal versucht dieses belanglose Zeug auch Kommunisten außerhalb der deutschen Misere verständlich zu machen? So ein Schwachsinn kann nur aus Deutschland kommen und nur dort die entsprechende Kundschaft finden, die sowas interessiert.

  4. 4 paul und nicht kalkbrenner. 25. August 2010 um 12:31 Uhr

    „…noch lange nicht abgelöst hat…“ Eben nicht, denn man könnte es auch lassen, da es nicht von belang ist. (Den Abschied). Es interessiert niemanden, zu recht auch nicht. Wieso sollte es auch, weil es langweilig ist dazu ist die linke marginalisiert und selbst die „eigenen szeneleute“ interessiert den üblichen senf nicht – eben auch der nicht, der hier zu lesen ist. wieso sollte es denn auch? den einzigen vorwurf der sich der autor vielleicht vorwerfen lassen müsste, wäre eine romantisierung im ersten absatz.

    „Das Ganze wird dann natürlich, gewissermaßen traditionell, phrasendreschmaschinenmäßig als „Kritik“, „Subversion“, „Emanzipation“ und „Materialismus“ verkauft, nachdem man einige ältere Flugblätter „inhaltlich“ recycelt hat.“

    Da tritt der Altlinke ins Licht? Naja, wer denn hier noch auf abgesiffte Punk-Konzerte ins AZ Conny geht, hat sich gerade selbst entlarvt und am nächsten Tag mit der RevolutionärenAktion-Stuttgart die „soziale Revol.“ am 1. Mai ausruft. Andererseits magst du eine Tradition erkennen? Leider, gibt es diese ja nicht mal!

    „verbalradikal-situationistische Standardsentenzen“ hahaha

    „weitgehend substanzlosen Zitaten“ Ein Zitat hierauf: „Die Angst des Einsamen, der zitiert, sucht Halt beim Geltenden.“ – ADK (?)

    „Habt ihr überhaupt mal versucht dieses belanglose Zeug auch Kommunisten außerhalb der deutschen Misere verständlich zu machen?“ Die wenigen „Kommunisten“ mit denen es sich derzeit lohnen würde in Kontakt zu treten, eint das selbe Problem das die deutsche Misere teilt und zwar ist das die Isolierung der Einzelnen. Solche Publikationen hatten nie zum Ziel gehabt diese aufzubrechen. Sollten sie aber.

    „So ein Schwachsinn kann nur aus Deutschland kommen und nur dort die entsprechende Kundschaft finden, die sowas interessiert.“ Alles Übel kam bislang aus Deutschland. Wie auch sonst?
    Rosa Luxemburg: „Da aber selbst die Sonne ihre Flecken und das schönste Gesicht oft ein Leberfleckchen oder eine andere Unvollkommenheit hat so hat auch die kapitalistische Gesellschaft ihre „Unvollkommenheit“: die Deutschen.“

  5. 5 dudu 25. August 2010 um 17:36 Uhr

    vielleicht sollte man, statt voluntaristisch zu postulieren, dass man nicht mehr zu den linken gehören will, eine kritik an der linken, als genuinen linken flügel der bürgerlichen gesellschaft formulieren, die das auch entfaltet. dann ist auch das „ich bin draußen“ nicht mehr nur eine leere geste. die bleibt es ohne das, was einen gerade von der linken abhebt: das kritische bewusstsein. andererseits wäre auch mal darauf zu reflektieren das man gleichzeitig immer wieder im ideologischen bewusstsein und möglicherweise auch im handgemenge ins lager geschmissen wird und man sich in diesem sinne nicht einfach qua bewusstsein herausheben kann.

  6. 6 KOMMOUNISMOS 25. August 2010 um 18:58 Uhr

    Ansonsten noch viel Erfolg mit eurer „kritischen“ Geistes- und Bewußtseinsrevolution! ;)

  7. 7 Katja (ohne H) 04. September 2010 um 13:06 Uhr

    Begriffe im abwertenden Sinne wie „Altlinke“ zu gebrauchen ist auch dermaßen fehl am Platze, man bezieht sich ja schließlich nicht auf die Tagespresse, sondern auf Marx & Konsorten. Oder hat man dieses „altlinke“ Gewässer bereits verlassen?

  8. 8 frankie vally 04. September 2010 um 16:06 Uhr

    marx ist also ein altlinker. dann bist du eine arschmade.

  9. 9 wikipedia 04. September 2010 um 16:20 Uhr

    @katja mit bh:

    „Geht man im Parteienspektrum von links nach rechts, gab es in der Weimarer Zeit folgende Parteien von Bedeutung:

    * Kommunistische Partei Deutschlands (KPD, ab 1918)
    * Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD, bis 1922 – formal bis 1931)
    * Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
    * Deutsche Demokratische Partei (DDP), ab 1930 Deutsche Staatspartei
    * Deutsche Zentrumspartei (Zentrum)
    * Bayerische Volkspartei (BVP)
    * Deutsche Volkspartei (DVP)
    * Deutschnationale Volkspartei (DNVP)
    * Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP)“

    les erstmal wiki du arschmade.

  10. 10 suptro 05. September 2010 um 11:29 Uhr

    @KOMMOUNISMOS der nur KOSMONAUT ist: lern mal lesen oder besser: stringent die zusammenhänge (mehrere kommentare; für dich obertrottel) auf den punkt zu bringen, wenn du schon „kritik“ übst (haha). ansonsten scheint dir die „bewusstseinsrevolution“ ja doch zu taugen und auf deine lahmen antworten wartet man auch nicht all zu lange. folgt: du updatest den fuck hier ständig oder bist admin. beides ist mehr als langweilig.

    ps: Nirgends war von einer „Altlinken“ die Rede, ihr Schwachköpfe, sondern von „älteren Flugblättern“.

    Ich antworte dir nochmal: Nirgends wollte dir einer antworten. wohnst wohl in Niederdorla. (3. google-such-anzeige)

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