Archiv für Juni 2010

Ein Filmtipp

Der passenden Film zur passenden Zeit:

Das Erstaunlichste an Zombies ist wohl, dass sie es irgendwie geschafft haben, ihren gesellschaftskritischen Subtext aus Romeros Autorenfilm (für Georg Seeßlen der linkeste Filmemacher, den Industrie hervor gebracht hat) mit ins Genre hinüber zu retten. Als menschenfressende Metaphern schmatzen und stöhnen sie seit einigen Jahrzehnten durch die Landschaft, ohne dass sich ihre Nähe zu tatsächlichen kollektiven Bewusstlosigkeitszuständen übersehen ließe. Der Kurzfilm Dawn of the Dorks zeigt sie jetzt als deutschen Fanmob, was so dermaßen naheliegend ist, dass sich kaum noch mit Bestimmtheit sagen lässt, wer hier eigentlich wem die Vorlage geboten hat.
Und obwohl im Grunde kein Mensch solche gesteigerte Ausdrücklichkeit braucht, ist der Film dann erstaunlicherweise auch noch richtig witzig. Es muss an den grausigen Erfahrungen der »Sommermärchen« – WM 2006 liegen, als sich vereinzelte Überlebenden plötzlich in ihre Wohnungen eingesperrt fanden und zitternd auf ein Ende der Epidemie hofften, während es draußen mehr und mehr Freunde erwischt hat. Auch wenn der deutsche Fußballwahnsinn ein Nebenwiderspruch sein mag – bevor das da draußen nicht überstanden ist, wird auch sonst nichts mehr besser werden.(Beatpunk)

Zum Film.

Mal etwas anderes.

Selten gab es einen solch emotionsgeladenen Polizeibericht wie am vergangenen Freitag, weil es mittlerweile zu mühselig ist, über diese Schrott-WM noch zu berichten, darf man sich an dieser Stelle klammheimlich über die journalistische Meisterleistung der unterfränkischen Polizei verachtend und zugleich begeistert zeigen.

Ernüchterung nach WM-Niederlage – Lust am Feiern vergangen

UNTERFRANKEN. Die unerwartete WM-Niederlage der deutschen Fußballnationalmannschaft hat bei den Fans deutliche Spuren hinterlassen. Mehrere Tausende hatten sich bei Public-Viewing-Veranstaltungen eingefunden und mussten an den Bildschirmen miterleben, wie die Mannen um Bundestrainer Löw auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wurden. Nach der 0:1 Niederlage traten die meisten Fans mit hängenden Köpfen den Nachhauseweg an. In Aschaffenburg und Würzburg ließen sich etwa 500 Unentwegte durch den Sieg Serbiens die Feierlaune nicht verderben. Dabei blieb es bislang friedlich. Lediglich in Würzburg musste die Polizei wegen einer Sachbeschädigung und einer Körperverletzung Anzeige erstatten.

Nach dem überzeugenden Auftaktsieg der deutschen Fußballer am vergangen Sonntag hatten die Fans bereits für einen weiteren Erfolg ihrer Kicker gerüstet. Die Public-Viewing-Veranstaltungen in den unterfränkischen Metropolen erfreuten sich am Freitag erwartungsgemäß eines großen Zuspruchs. Bei der größten Veranstaltung in den Würzburger Posthallen mussten schon zu früher Stunde die Pforten wegen Überfüllung geschlossen werden. Fast 3.000 Fußballbegeisterte hatten sich dort vor der Großleinwand versammelt. Auch im Kickersstadion verfolgten wieder etwa 1.500 Besucher die Übertragung aus Südafrika, die diesmal allerdings so gar nicht nach dem Geschmack der deutschen Anhänger ausfiel. Während sich nach dem Schlusspfiff die Veranstaltungsorte wegen des enttäuschenden Ergebnisses schnell leerten, ließen sich etwa 300 – 400 Personen die Feierlaune durch die Niederlage nicht verderben. Sie trafen sich – wie üblich – in der Sanderstraße, wo es zwar lautstark aber zumeist friedlich zuging.

Allerdings wurden drei Jugendliche vorläufig festgenommen, nachdem sie in der Innenstadt ein Mofa beschädigt hatten. Außerdem muss gegen einen 16- und 52-Jährigen Anzeige wegen Körperverletzung erstattet werden. Der Jugendliche war mit einer serbischen Flagge in der Kaiserstraße unterwegs, als dort der Mann laut Zeugenaussagen an seiner Fahne zog und ihm eine Ohrfeige versetzte. Dies beantwortete der junge Fußballfan mit einem gezielten Faustschlag, der den Erwachsenen zu Boden streckte. Der 52-Jährige wurde in eine Klinik eingeliefert.

In Aschaffenburg hatten sich insgesamt ca. 2.500 Menschen bei den bekannten Public-Viewing-Veranstaltungen getroffen. Aber auch hier stand den Fußballfans nach dem Abpfiff der Sinn nicht so recht nach Feiern. Wie in anderen Städten leerten sich die Örtlichkeiten ziemlich schnell. Allerdings fuhren trotzdem vereinzelt Autos hupend durch die Stadt, was jedoch zu keinen größeren Behinderungen führte. Etwa 200 Unentwegte trafen sich nach dem Spiel am City-Kreisel, wo es jedoch bislang friedlich geblieben ist.

In Schweinfurt, wo es bei dieser Fußball-WM keine Großveranstaltung am Marktplatz gibt, versammelten sich die Fußballfans in zahlreichen Gaststätten und auch im Rathausinnenhof, um gemeinsam einen deutschen Sieg zu bejubeln. Als der dann ausblieb, machten sich die Fans enttäuscht aber friedlich auf den Weg nach Hause. Sicherheitsstörungen wurden den Polizeikräften in Schweinfurt nicht bekannt.

Auch in den anderen Städten und Gemeinden in Unterfranken, in denen sich Anhänger der deutschen Fußballnationalmannschaft getroffen hatten, um einen zweiten Sieg ihrer Fußballhelden gebührend zu feiern, blieb es nach der unerwarteten Niederlage friedlich und ruhig.

„Allahs Bräute“

Auf der Suche nach dem „Paradies“ begehen seit 2003 vermehrt auch Frauen den Märtyrertod für den Heiligen Krieg. Die Israelische Filmemacherin Natalie Assouline dokumentierte über zwei Jahre lang inhaftierte Attentäterinnen und sucht nach den Hintergründen.

ARTE Magazin: Haben Sie verstanden, was diese Frauen motiviert?
Natalie Assouline: Es gibt viele Antworten. Eine ist, dass die Frauen etwas für Palästina, für die Zukunft ihrer Kinder tun wollen, anstatt zu Hause herumzusitzen. Das ist aber nur die Oberfläche. Bohrt man tiefer, wird klar, dass die meisten gezwungen wurden.

ARTE Magazin: Gezwungen von wem?
Natalie Assouline: Von Menschen, die für die Hamas arbeiten oder den Islamischen Dschihad. Sie suchen gezielt Frauen, die nicht so leben, wie es von ihnen erwartet wird. Die Ehre der Frau, die Ehre der Familie ist in den Dörfern von enormer Bedeutung. Die Frauen müssen Regeln befolgen: das Haar bedecken, sich nicht schminken, nicht mit Fremden sprechen – verstoßen sie dagegen, sind sie leichte Beute für die Extremistengruppen. Sie werden erpresst: „Entweder du arbeitest für uns oder wir werden dich und deine Familie im Dorf bloßstellen.“ Ich glaube, den Frauen bleibt einfach keine Wahl. Dennoch, egal wie sehr diese Frauen Opfer sind: Wenn du tötest, bist du nicht mehr Opfer, sondern Täter. – Arte

Was Ernstes

Vorabdruck aus Heft 16

Unter der Betreffzeile „mal was ernstes“ fand sich in meinem Postfach diese Meldung: „ich halte es für unverzichtbar, dass jemand etwas zu israel schreibt. “. Nun ja, die Wogen schlugen hoch, waren doch mit den Damen Annette Groth und Inge Höger zwei leibhaftige Abgeordnete des Bundestages, sowie mit Herrn Norman Paech ein gewesener solcher von der israelischen Marine an Bord eines von türkischen Unterstützern der Hamas gestellten Schiffes beim Versuch, die Seeblockade vor Gaza zu durchbrechen aufgegriffen und kurzfristig in Israel in Gewahrsam genommen worden. Seither kam es zu der bereits seit den Tagen der sogenannten zweiten Intifada allseits bekannten anti-israelischen Medienwelle und jenen mittlerweile ebenfalls als üblich zu bezeichnenden ausgesprochen ekelhaften Zusammenrottungen deutscher Linker mit islamistischen Gruppen wie auch türkischen und arabischen faschistischen Banden. „Hoch die inter…Allahuakbar…Juden ins Gas…Babymörder Israel…“ ist die auf jede beliebige wackelige Videosequenz passende Tonspur dieser im Netz bequem zu betrachtenden Lynchmob-versammlungen. Dieses Phänomen ist nun zwar wahrhaft widerlich (und für einzelne als Juden, Israelis, US-Bürgerinnen und auch neurechte Antideutsche „erkannte“ Menschen, die in so etwas geraten etwa so bedrohlich wie eine Pinkelpause in der sächsischen Schweiz für eine afrikanische Fußballmannschaft), doch nicht eben neu und vor allem sehr deutsch – über Israel sagt es nur so viel aus: Wüßte ich auch überhaupt nichts über diesen Staat und dessen Volk, diese wären schon lediglich ihrer versammelten Feinde wegen meiner innigsten Sympathie sicher.
Nachdem sich der Staub ein wenig gelichtet hat und es einen gewissen Überblick über das Geschehen gibt, lässt sich über Israel nun vor allem sagen, daß der demonstrative Einsatz gemäßigter Mittel – jenes von Obama, Ban Ki Moon und auch Herrn Westerwelle stets unisono eingeforderte „restraint!“ – gegen Leute, die unbedingt „Märtyrer“ werden wollen in taktischer Hinsicht das genau gegenteilige Ergebnis zeitigt, und als strategisches Mittel gegenüber einer zutiefst antisemitisch grundierten „Weltöffentlichkeit“ bestenfalls hilflos bleibt.
Das in der äußeren Gestalt der „flotilla“ wie in der (selbst)mörderischen Aktionsform in seinem Wesen aufscheinende, geostrategisch bedeutsamste Ereignis: die offene Abwendung der Türkei vom westlichen Bündnis und sein Bekenntnis zur – sei’s auch als um die Führungsrolle konkurrierende Macht – Mitgliedschaft im pro-iranischen Club, ist im israelischen Außenamt schon zu Zeiten der Regierung Olmert registriert worden; daß dies in Washington unter Obama noch immer nicht in seiner Bedeutung erfasst wird und bei deutschen Linken, könnten sie wenigstens noch in politischen Kategorien denken und somit den Braten riechen, mit Sicherheit zu Solidaritätsbekundungen führen würde, lässt sich bloß noch kopfschüttelnd konstatieren.
„zu israel“ möchte ich ansonsten noch anmerken, daß dort das Bewußtsein es mit einer ernstzunehmenden Bedrohung und nicht lediglich mit weltfremden „peace activists“ zu tun zu haben deutlich ausgeprägt ist und zu einer erstaunlich breiten Unterstützung für die Regierungspolitik und auch zu hohen persönlichen Beurteilungswerten für Premierminister Benyamin Netanjahu geführt hat; alle internationalen Akteure, welche auf den baldigen Zusammenbruch der doch recht widersprüchlichen Koalition gesetzt hatten, sollten sich auf eine längere Wartezeit einrichten.

Von Rainer Bakonyi

Viktoria Simshäuser (neun7),

stilblühender als Sie hat wohl noch niemand zum Ausdruck gebracht, was sich die deutsche Frau der 50iger von heute zu wünschen scheint.
Im Editorial zur aktuellen Ausgabe des Unterfränkischen Magazins für Lifestylelandwirte schreiben Sie, es herrsche im weiblichen Teil der Redaktion blanke Vorfreude „..auf Verlängerungen, die Jungs zu Männern werden lassen“. Früher eine Kriegsverletzung oder Schwielen an den Händen, heute ist’s wohl eher der Kreuzbandriss, der den Mann zum echten Mann macht.
Zum Glück hat das Alphafußballmännchen zuhause seine bessere Hälfte, die das Haus hütet. „Die WM weckt die Spielerfrau in uns“. Stricken Sie auch schon Schwarz-Rot-Goldene Söckchen für den Nachwuchs?
Die Frauen im neun7-Team tragen „Ballack im Herzen“, obwohl er ja dieses mal überhaupt nicht mitspielt, „aber für uns zählt eben nicht nur aufm Platz“. Nein Frau Simshäuser, für die Frau an sich zählt natürlich nicht nur die Leistung im Beruf, sondern auch der treusorgende Mann zuhause.
An der karriereorientierten Zielgruppe ihres Magazins sind Sie mit diesem Editorial aber meilenweit vorbeigedriftet. Hausfrauen lesen lieber die Neue Revue.

Ihre Emanzipationsbeauftragten vom Letzten Hype.