Zur Pathologisierung des Alkoholkonsums

Es gab Zeiten, in denen das Trinken zu den normalen Reproduktionsvorgängen, ganz so wie Kinogänge, Currywurstessen oder Theaterbesuche, gehörte.
Heutzutage gehört der öffentliche Konsum von alkoholischen Getränken zu den gesellschaftlichen Abnormalitäten. Politische Repräsentanten zählen das Unterbinden des öffentlichen Trinkens zu den Aufgaben einer umfassenden Sozialdisziplinierung.
Die Berichterstattung der Mainpost, in diesem Beispiel Holger Welsch, ist dafür bekannt, seine Sprache kritiklos- bewusst unbewusst- dem Zeitgeist anzugleichen. Und so schreibt man in der Mainpost natürlich von der

„Trinkerszene“.

Es ist erstaunlich, wie Begriffe benutzt und mit den Trinken in Verbindung gebracht werden. Zerlegen wir das Wort in seine Einzelteile.
Zu einem „Trinker“ wird bereits derjenige, der auf einer Wiese ein Bier trinkt. Wer als „Trinker“ bezeichnet wird, gilt als suchtkrank.
Zum zweiten Teil des Wortes: Menschen, die auf öffentlichen Plätzen Alkohol trinken, gehören also bereits zu einer „Szene“, die sich isoliert von der gesunden und deshalb bis ins hohe Alter arbeitsfähigen Mehrheitsgesellschaft bewegt. Ähnlich einer beliebigen anderen gesellschaftlich geächteten „Szene“, etwa der Heroinszene.
Zusammengesetzt als Trinkerszene trägt die Mainpost die Pathologisierung des öffentlichen Alkoholkonsums von der politischen Sphäre an den Frühstücktisch seiner LeserInnen.

Prost!
Euer Benjamin Böhm


9 Antworten auf „Zur Pathologisierung des Alkoholkonsums“


  1. 1 Stanislaw Hirschfeld 22. April 2010 um 1:16 Uhr

    Dann nimm halt Crack, wenn du dich beim Saufen so diskriminiert fühlst, du Suchtler.

    Klarheit statt klaren Schnaps,
    Dein Chefpathologe Stan

  2. 2 administrator 26. April 2010 um 0:59 Uhr

    Wer schon über Holger Welsch klagt, der wird das hier nicht ertragen können:

    http://www.wob-online.de/default.aspx?ID=5466&showNews=685463

    „Darum hergehört, ihr Pottsäue: Die Mainwiesen gehören uns allen.“

  3. 3 Gernot Reiher 26. April 2010 um 11:56 Uhr

    Seit drei Jahren in Würzburg und mal ehrlich, selten so eine rasante Abwärtsfahrt gesehen. Man wird sich demnächst in diesem Kackdorf wohl aufs Arbeiten, Wohnen und evtl. (das muss noch von der BIWA geprüft werden) sich aufhalten beschränken müssen. Und sich auf Weindorf, Talavera und dem Yuppiefest aka Weinparade mal ordentlich die Birne wegballern. Praktisch eigentlich, denn an diesen Festen hat unser aller Bürgerwehr bestimmt selber genug damit zu tun, sich den herrlichen, von der Sonne verwöhnten Frankenwein ins Hirn zu pumpen.

  4. 4 sören 26. April 2010 um 12:16 Uhr

    „Darum hergehört, ihr Pottsäue: Die Mainwiesen gehören uns allen.“

    Wow, an dem oder der AutorIn ist echt mal ein guter Blockwart verloren gegangen….

  5. 5 evi schmitt 26. April 2010 um 15:28 Uhr

    die mainwiesen gehören eben nicht „uns allen“, deswegen lassen wir gerne unseren dreck dort weiter liegen. das wird sich erst an dem tag ändern, an dem uns die strassen gehören.

  6. 6 Rainer Bakonyi 28. April 2010 um 0:34 Uhr

    ohgottohgottohgott!
    Ich wolleded doch meinen neunundvierzigsten Geburtstag am Main feiern. Was mach da jetzt bloß?? Von der Redaktion kommt doch niemand wenn’s kein Alkohohol nicht gibt. Ohweh…

  7. 7 administrator 28. April 2010 um 16:38 Uhr

    meinen neunundvierzigsten Geburtstag

    oh, schon wieder?

  8. 8 E. 03. Juli 2010 um 23:01 Uhr

    Alkoholparolen in Iphofen

  9. 9 ! 04. Juli 2010 um 23:06 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.