Die Besetzung des Audimax in Würzburg ist vorbei

Das aus historischen Gründen so genannte Auditorium Maximum, ein Hörsaal eher mittlerer Grösse und Güte, in dem hauptsächlich Ökonomen und Juristen verkehren, war u.a. 5 Wochen von Studenten aller Fachrichtungen besetzt, die aus irgendwelchen Gründen geglaubt haben, dieser Hörsaal wäre wegen seiner Nähe zur Innenstadt oder anderen verschollenen Gründen irgenwie besonders gut zum Besetzen.

Sie haben sich erhofft, für ihr Begehr die Öffentlichkeit zu erreichen, und haben gedacht, die wäre wohl eher in der Innenstadt, weil sie ihren Augen nicht trauen, die ihnen sagen, dass nirgendwo weniger „Öffentlichkeit“ ist als in der Innenstadt. Sie haben die Juristen und Ökonomen ertragen, weil ihnen niemand gesagt hat, dass sie auf die verzichten müssen. Sie haben den Minister reden lassen und den Unipräsidenten, und waren sehr froh darüber, weil sie nicht begreifen können, dass es ohne diese Herren besser ist.

Sie haben, in summa, gezeigt, wie es aussieht, wenn Studenten protestieren.

Weil sie nur Studenten sind, die kommen und gehen, haben sie keinerlei Misstrauen in irgend etwas, und sie glauben, sie haben es geschafft, wenn die „Gesellschaft“ auf ihrer Seite steht, der Bairische Rundfunk und das Schweineblatt berichten, und die IG Metall mit wenigen, aber leeren Versprechungen vorbeikommt und Bier mitbringt. (Die IG Metall ist überzeugt, dass zu einer Demo Freibier und Leberkassemmel gehören. Als sie sich angemeldet hat, habt ihr nur vergessen, durchzugeben, für wieviel Leute.)

In diesem Moment, in dem sie alle diese Gratulationen engegennahmen, haben sie sich zum ersten Mal wichtig gefühlt. Sie haben nicht begriffen, dass sie in diesem Moment aufgehört haben, wichtig zu sein. Sie begreifen nicht, und können nicht begreifen (weil sie Studenten sind, die ihre Studien lieben), dass sich eigentlich alle über sie lustig machen.

Hat sich jemand einmal gefragt, warum niemand das Wort „Student“ aussprechen kann, ohne dass es einen ironischen Unterton bekommt? Haben sie sich niemals gefragt, warum alle Leute sich immer einig sind, dass es den Studenten schlecht geht, aber aus dieser „gesellschaftlichen Mehrheit“ nie eine politische Kraft wird?

Sie sind tatsächlich die einzigen, die heute noch auf den Mythos von 1968 hereinfallen, weil sie das für eine Studentenbewegung halten, und sie glauben standhaft, dass irgendjemand ihnen ihre trotzige Pose abnimmt. Aber vom verstehenden Lächeln irgendeines Händlers, wenn er weiss, dass er es mit Studenten zu tun hat, zum verstehenden Lächeln des Ministers, diesen Schluss kriegen sie nicht hin. Natürlich nicht: sie müssten dazu begreifen, dass niemand sie ernst nimmt.

Und warum auch. Sie besetzen Hörsäle und verlangen nicht einmal die Macht an der Uni. Sie verlangen Solidarität von den Arbeitenden, aber bestehen auf ihren Privilegien. Sie protestieren gegen ihre Studienbedingungen und wundern sich, dass es niemanden ernsthaft interessiert: weil sie nie und nimmer gegen ihre Studien protestieren würden, nie und nimmer ein schlechtes Beispiel geben würden, nie und nimmer gerade jetzt in der Krise die Dinge mit einem anderen Mass messen würden als mit dem, mit dem es gemessen wird: nämlich ob es der „Wirtschaft“ gut tut und dem Staat.

Sie mögen ihre Besetzung wiederaufnehmen oder auch nicht, sie haben eine Niederlage erlitten, und die haben sie verdient. Irgendwie interessiert es keinen ausser uns, und ehrlich gesagt nicht einmal uns. Die Studenten haben niemandem etwas mitzuteilen, wenn sie nicht gegen ihre Studien rebellieren. Bis dahin sind sie nur Studenten, und wir kennen niemanden, der das Wort Student ohne ironischen Unterton aussprechen kann.

Anmerkung: Die Einführung des Wortes „Studierende/r“ hat keinen anderen Grund, als diesem Unterton zu entkommen.

Anhang: Als Anhang veröffentlichen wir die Stellungnahme des ak 47, eines Restes des AK Bildungskritik und Systemkritik bei der VV des besetzten Hörsaales.


18 Antworten auf „Die Besetzung des Audimax in Würzburg ist vorbei“


  1. 1 Anonymous 19. Dezember 2009 um 15:31 Uhr

    so einen destruktiven schwachsinn habe ich schon lange nicht mehr gelesen. der artikel arbeitet mit klischees, verzichtet vollkommen auf argumente und zeugt vom unverständnis des autors. der pure hass. du tust mir leid, administrator.

  2. 2 der letzte scheiss 19. Dezember 2009 um 15:40 Uhr

    nachdem mein erstes posting wegzensiert wurde, schreibe ich es gerne noch einmal: solch einen schwachsinn wie hier habe ich schon lange nicht mehr gelesen. der artikel arbeitet mit klischees, verzichtet völlig auf argumente und zeugt vom unverständnis des autors. der pure hass. du tust mir leid, administrator.

    wegzensiert, soso. wartest du vielleicht noch, bis dein nutzloses posting freigeschalten wird, bevor du zensur schreist?

  3. 3 Pimo 21. Dezember 2009 um 23:54 Uhr

    Ich denke, dass viele Dinge, die Du (Autor des Textes) hier geschrieben hast, in der Sache weitestgehend zutreffend sind insofern, als sie den größten Teil der Studentenschaft betreffen. Gerade als jemand, der zunächst ab dem ersten Tag an der Besetzung teilgenommen hat, war ich sehr enttäuscht von der konsequenten Ignoranz meiner damaligen BetzerkollegInnen gegenüber einer grundsätzlichen Kritik des Bildungssystems und dessen Auswirkungen auf unsere Gesellschaft.

  4. 4 O)(O 22. Dezember 2009 um 0:09 Uhr

    @Hype
    100% Zustimmung!
    @der letzte Scheiss
    Vielleicht verrätst du einmal was den an dem Artikel so falsch und klischeebeladen ist.

  5. 5 wlan 22. Dezember 2009 um 12:02 Uhr

    da ist mir zuviel klassenkampf drin!

  6. 6 Karl von Medina 23. Dezember 2009 um 16:38 Uhr

    so a unsinn, mir ham 5 woche de saal besetzt und ihr nörgelt da jez rum. des is so desktrutiv. wärd ihr ma vorbei gekomme, hättet ihr mit der partei spreche könne im plenum. so etwas macht ihr ja net.

  7. 7 Anonymous 23. Dezember 2009 um 21:31 Uhr

    Leude! der text is das beste, was uns hätt passieren können!

  8. 8 pimo 24. Dezember 2009 um 15:09 Uhr

    die regeln, auf die ihr euch schließlich geeinigt habt und die strategie, die dadurch verfolgt wurde haben dazu geführt, dass aus dem ganzen kein protest geworden ist, sondern ein es allen rechtmachen mit dem ziel euch die bwler und juristen ins boot zu ziehen, die eh nichts von grundlegenden veränderungen halten; was euch am ende die zustimmung und unterstützung der leute gekostet hat, die wirklich bereit waren, sich für wirkliche veränderung stark zu machen, die die gesellschaft betrifft und nicht die eigene lobby. ich war in der zeit oft da und habe gemerkt, dass die mehrzahl der besetzer auf einer anderen wellenlänge lagen, da bringt es irgentwann nichts mehr zu kommen und sich den gleichen dünnschiss anzuhören, von leuten, die denken, sie hätten jetzt macht, weil ein minister da war und scheisse geredet hat…

  9. 9 administrator 24. Dezember 2009 um 17:38 Uhr

    http://www.wuerzburg-brennt.de/blog/?p=1699 nimmt die polizei solche aktionen ernst genug, um auch in zukunft von räumungen abzuraten? und: wer muss räumen, wenn die studenten von selbst gehen?

    studenten sind, darin sind sich alle einig, genügsam, bescheiden, fleissig. sie leben unter erbärmlichen verhältnissen und sind doch zufrieden. sie sind nicht als aufsässig bekannt, sondern nehmen immer gerne vernunft an, wenn man vernünftig mit ihnen redet, und sie haben zuviel respekt vor der autorität, und der öffentlichen ordnung, als dass sie sich nicht alles erzählen liessen. das kommt, weil sie sich selbst schon als die künftigen garanten der ordnung, als künftige respektspersonen sehen.

    solange die studenten das glauben, oder auch nur wollen, wird man sich zu recht über sie lustig machen, und ihre eifrigen und bemühten „aktionen“ werden niemals eine gefahr darstellen, für niemanden, und alle werde völlig folgen- und kostenloses verständnis für sie aufbringen; solange, ja solange alles konstruktiv bleibt.

  10. 10 pimo 24. Dezember 2009 um 22:04 Uhr

    …aber um das mal wieder hervor zu heben: ALLE ANDEREN SIND AUCH IM ARSCH. Wo ist hier eine Arbeiterbewegung, wo ist eine Bewegung von Menschen, die unter beschissenen Verhältnissen leben müssen. Und kommt mir nicht wieder damit, dass es schlimmer wäre wenn Studenten verblendet sind, weil sie die künftige „Elite“ stellen usw…das ist keine Entschuldigung für den Mangel an ernstem Protest überall…keine Rechtfertigung, nur ein Tritt in den Arsch für ALLE!!!

  11. 11 administrator 27. Dezember 2009 um 14:28 Uhr

    naja. was anderes hat ja auch niemand wirklich behauptet. und die studenten stellen nicht die künftige elite, sondern sie bilden sich ein, es zu sein, und das ist es, was sie so besonders lächerlich macht.

    es bewegt sich, pimo, gar nichts. das hat auch seine gründe.
    diese verhältnisse kommen nur ins rutschen, wenn man ihnen an die fundamente geht.

  12. 12 ranzig 28. Dezember 2009 um 18:16 Uhr

    http://www.myspace.com/antilopengang

    „Fick die Uni“

    Amen.

  13. 13 Johannes 06. Januar 2010 um 14:58 Uhr

    Ich bin gerade zufällig über die Würzburg brennt seite auf diese komische Page gestoßen…was bildest du Dir eigentlich ein bzw. wer bist du überhaupt so herablassend über andere zu urteilen?
    Ein linker Netzkämpfer, der meint mit zugegebenermaßen gut geschriebenen Texten die Revolution starten zu können bzw. die Welt verändern zu können?! Du bist doch nicht wirklich soo verblendet, oder etwa doch?
    Was machst du um das Leben in diesem Land zu verbessern? Nichts…im Gegenteil!
    Du machst dich über Leute lustig, die ihren Arsch hochgekriegt haben und für eine Sache einstehen.
    Dein Geschwaffel über Studenten bzw Studierende weckt in mir den Verdacht, dass aus dir der pure Neid eines Studienabbrechers spricht :) Ist nicht soo schlimm man kann auch ohne Diplom bzw Examen hochtrabende Texte schreiben und sich als der große Revoluzer aufspielen…
    Anstatt sich hier mit „ironischem Unterton“ über Studenten lustig zu machen, die nicht ganz so perfekte Aufrührer sind wie du, solltest du den Jungs bzw Mädels vielleicht mal zeigen wie die vermeindlichen Profis sowas machen… aber ich denk mal du bleibst lieber bei deinem blabla.
    Ist ja auch einfacher und gemütlicher eine Bewegung zu zerreden. Das geht ja sogar von daheim aus vorm Computer.
    Solidarität ist das Stichwort…daran mangelt es in Deutschland. Das der linke Rand damit auch ein Problem hat, ist mir gerade erst klar geworden.

    evi schmitt: solidarisch, mit dir? wie kommst du denn darauf? weisst du, arschloch: das, was wir schreiben, gefällt dir nicht, und das hat seinen ganz richtigen grund. wir schreiben nicht für solche wie dich. sondern gegen. du bist der feind.

  14. 14 Anonymous 07. Januar 2010 um 0:25 Uhr
  15. 15 Anonymous 07. Januar 2010 um 0:26 Uhr
  16. 16 Johannes 07. Januar 2010 um 11:13 Uhr

    LOL
    Für wen schreibt ihr denn dann eigentlich? ISt das ein denkler-interner Therapieblog für hängengebliebene Antifaschisten?
    Gibt es wirklich noch mehr genauso verbitterte, verblendete Revoluzer wie ihr?
    Du magst es nicht glauben, aber ich bin auch links…im Gegensatz zu euch allerdings nicht engstirnig und verbittert.
    Nach Lektüre einiger Posts und Kommentare bin ich zur Überzeugung gekommen, dass ihr (Achtug! Simpsons, achso sowas kennt ihr ja nicht…viel zu koform) Nazi-Kommunisten seid… alles was nicht 100% der eigenen Meinung folgt bzw alles was nicht von euch ins Leben gerufen wurde ist erbärmlich, sinnlos und ncit unterstützenswert.
    Mich würde mal interessieren, was ihr macht um das System zu ändern? Oh sorry ihr wollt es ja bestimmt gleich stürzen?! Egal, für beides muss man aktiv werden. Schreiben ist ja schon und gut, aber meiner Meinung nach hat jeder Student, der einer Plenumssitzung auch nur beigewohnt hat, mehr getan als ihr… so und jetzt kannst du, um es mit den Worten des administrator zu sagen,anfangen hirnlose, beleidigende Kommentare zu posten…Danke!
    S

    evi schmitt: das hirnlose beleidigen überlassen wir leute wie dir, an plenumssitzungen haben wir auch teilgenommen, und damit wohl, wie du meintest, mehr getan als wir selbst. gut, ne? für wen wir schreiben, kann ich dir aus datenschutzgründen nicht mitteilen, aber jedenfalls nicht für leute, die meinen, nazis seien vor allen dingen leute, die „alles, was nicht 100% der eigenen meinung folgt, für nicht unterstützenswert“ halten. was aber, das wäre meine frage gewesen, macht ihr eigentlich, um „das system zu ändern“, das ihr ja um gotteswillen nicht stürzen wollt? und: wie kommt ihr eigentlich um gotteswillen darauf, dieses system nicht stürzen zu wollen?

  17. 17 administrator 11. Januar 2010 um 1:58 Uhr

    die aktivisten üben sich in positivem denken, und bisher hat sich noch niemand gezeigt, um ihnen die sache aus der hand zu nehmen: aber wie dünnhäutig ihre leute geworden sind! es wird seinen grund haben, sie werden nicht übersehen können, wie unhaltbar ihre position ist.

    wer übrigens spaltet die bewegung, die damen und herren vom hype, oder die positiv-denkenden idioten, die mit ihrer vorliebe für den dialog u.a. unsere freunde vom ak47 überzeugt haben, das hier nichts passieren wird?

    die wahrheit ist: die bewegung gab es nicht, gibt es nicht, und wird es nicht geben. schluss mit der bewegung, ein/e jede/r tue, wie er/sie es für richtig hält, nur bald, ohne jedes umsehen, und vor allem im bewusstsein, dass die, die die ware bildung produzieren, und die hierarchie, die studenten mit ihrem fleiss selber sind.

  1. 1 Winterschlaf « subradical Pingback am 23. Dezember 2009 um 13:11 Uhr
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