Wie wahr

und wie treffend:


9 Antworten auf „Wie wahr“


  1. 1 leberwurst 18. November 2009 um 20:11 Uhr

    Sehr gut!
    mehr muss zur kritik der studentInnen nicht gesagt werden.

  2. 2 pimo 22. November 2009 um 16:46 Uhr

    Wohl schon…

    Wer wie die meisten Leute hier bereits erkannt hat, dass es nicht grade gut um die kritische Studentenschaft steht, sollte wohl in der Lage sein, zu verstehen, dass man mit dieser Art von Fundamentalkritik gar nichts erreicht. Für viele StudentInnen ist allein schon der Satz „Bildung ist keine Ware“ schwer nachzuvollziehen, weil sie gelernt haben, Bildung einfach zu konsumieren…Wenn man also ein echtes Interesse daran hat, die Menschen wieder an Protest heran zu führen, sollte man nicht gleich mit der selbstgerechten Ideologiekeule kommen…

  3. 3 Flopster 22. November 2009 um 19:13 Uhr

    Die Sache ist die, sind die Studenten überhaupt eine gesellschaftliche Gruppe bei der man was erreichen will.
    Und „die Ideologiekeule“ ist nicht selbstgerecht, sondern einfach nur eine Feststellung. Ich stelle mir die Frage, wie man überhaupt etwas vermitteln kann. Durch den einfachen Dialog sehr schwer bis gar nicht, denn ein geprägtes Bewusstsein tut sich sehr weh bzw. verletzt sich selbst, wenn es ein Individuum seines verändern will. Und das können nur die wenigsten Menschen, sowohl in der Linken, die es eigentlich begriffen haben müssten, als auch bei den „bürgerlichen“. Aber da sowieso. Was schlägst du vor? Pimo?

  4. 4 evi schmitt 22. November 2009 um 22:55 Uhr

    wenn man dem allgemeinen bewusstsein der leute hinterherläuft, wird man bis an sein lebensende laufen und nirgendwohin kommen. wenn man ganz an ihnen vorbei redet, kann man es auch bleiben lassen. man wird eine andere art der ansprache finden müssen. aber man kann dabei nicht darauf verzichten, von ihnen zu fordern, sich selbst zu befreien; man hat ihnen kein programm anzubieten, auf das sie einfach abonnieren können, und man hat ihnen keine vorschläge zu machen. wer anderes tut, ist ein scharlatan. die aufgabe heisst: findet andere formen des ausdrucks, nichthierarchische, nichtlineare, antipolitische, subversive und verallgemeinerungsfähige. wir werden sehen, ob das geht.

  5. 5 Pimo 23. November 2009 um 18:44 Uhr

    Erstmal könnte man da zusätzlich noch ein Plakat daneben hängen:
    „Warum haben denn die ArbeiterInnen kein Problem damit, dass die Arbeitskraft eine Ware ist.“
    Das sagt dann alles über unsere Gesellschaft.

    Grundsätzlich muss man den Dialog aufrechterhalten, auch wenn es oft weh tut. Er ist die einzige Möglichkeit, seine kritische Persönlichkeit auszudrücken. Außerdem die absolute Nichtkooperation mit Umständen, die nicht hingenommen werden können, gewaltfrei und mit Respekt vor dem Menschen.

    Man darf natürlich nicht dem allgemeinen Bewußtsein der Menschen hinterherlaufen, aber man muss versuchen, sie ein Stück weit dort mitzunehmen, wo sie grade stehen…alles andere würde bedeuten, dass man die Menschen grundsätzlich aufgibt und das ist Schwachsinn.

    Ich habe manchmal den Eindruck, dass dieser Punkt bei vielen kritischen Menschen etwas verkümmert ist. Ich habe das schon oft erlebt… es bringt nichts z.B. Adorno zu lesen, wenn man ihn nicht auf die Menschen und sich selbst anwenden möchte, sondern nur aus Selbstzweck darüber diskutiert. Die Folge müssten nicht Debatten sein, sondern neue Formen von Kultur und Gesellschaft…was noch in den Kinderschuhen steckt…

    Ich denke, evi sagt am Ende ihres Post etwas wichtiges…wir brauchen neue formen des ausdrucks!

  6. 6 evi schmitt 27. November 2009 um 2:54 Uhr

    danke schön…

    aber: warum ist die arbeitskraft und dass sie eine ware ist eine sache, die zuerst die arbeiter/innen angeht und die studierenden nicht so sehr? die werden auch irgendwann arbeiten, wohl.

    plus die frage wäre zwar grundsätzlich richtig, aber in dem kontext den falschen gestellt.

    gestellt werden sollte sie den arbeiter/innen. und da stellt sich mir die frage, warum ich ausgerechnet zu den studierenden einen weitgehend imaginären dialog aufrechterhalten soll, weswegen sie für meine aufmerksamkeit privilegiert sein sollen. sie sind vom rest des proletariats vor allem durch ihre besondere verblendung verschieden.

    und dann wäre noch die frage, warum ausgerechnet wir einen dialog mit den studierenden aufrechterhalten sollen, wenn (und das meine ich sehr ernst) die studierenden untereinander auch nicht im dialog stehen. sie können, wie man sieht, nicht einmal die möglichkeiten, die ein besetzter hörsaal bietet (möglichkeiten hinsichtlich unmittelbarer vernetzung), nutzen, und verkehren untereinander in diesem hörsaal nicht anders, als wenn es ein parlament wäre; was ungefähr die entfremdetste form des umgangs ist, die man sich denken kann.

    wie könnte man, ausgerechnet aus unserer position, über die dinge, die uns interessieren, mit ihnen in einem dialog stehen, wenn sie selbst noch gar nicht angefangen haben, über in anderer weise miteinander in dialog zu treten als in der form der politik? sie zwängen uns selbst in diese form, und wir unterscheiden uns von ihnen dadurch, dass wir über diese form hinauswollen.

    gerade weil wir uns durch nichts ihnen gegenüber privilegiert fühlen, haben wir auch das recht, uns von ihnen fernzuhalten, wenn sie uns nicht interessant genug sind.

  7. 7 Pimo 27. November 2009 um 5:01 Uhr

    Ich halte das Problem auch grundsätzlich wie gesagt für ein gesellschaftliches, deshalb würde ich diese Trennung nicht machen. Aus diesem Grund gibt es für mich auch nur diesen einen Kontext.

    Es ist aber nun mal so, dass man in einem Bildungsstreit nicht gegen die Missstände, die durch die Ausbeutung der Arbeiterschaft hervorgerufen werden, demonstriert, genauso wenig, wie Arbeiter bei ihren Demonstrationen gegen die Missstände im Bildungssystem demonstrieren. Das passiert auf beiden Seiten aus dem Grund, da man konkrete Veränderungen seiner Situation hervorrufen möchte und nicht Systemkritik in den Mittelpunkt stellen möchte. Leider gibt es momentan keine Vernetzung der Menschen, die eine notwendige Änderung der Forderungen bedeuten könnte. Dieses Problem muss von allen Seiten behoben werden.

    Die besondere Verblendung ist eine, die sich durch sämtliche Schichten der Gesellschaft zieht, diese nur den Studenten anzukreiden wäre zu kurz gegriffen. Wer das Proletariat heute noch als politische Schicht begreift, liegt genauso daneben, wie jemand, der Studenten als gebildet begreift.

  8. 8 evi schmitt 28. November 2009 um 6:23 Uhr

    dazu wäre einiges zu sagen, ich versuche es kurz zu halten: die allgemeine verblendung steigert sich bei den studenten dadurch, dass sie nicht nur, wie die arbeiter im allgemeinen, glauben, die arbeit im allgemeinen, die materielle grundlage dieser gesellschaft zu repräsentieren, sondern auch noch ihr bewusstsein; sie halten sich nicht nur für die urheber dieser wunderbaren maschine, die in wahrheit das grauen ist, sondern auch noch für ihre intelligenz. ihr konformismus ist deswegen stärker und schwerer angreifbar, daher ihre reaktion gegen jeden angriff weniger rabat als vielmehr beleidigt, wie zu erwarten bei leuten, die nicht einmal sich selbst ihre eigene überflüssigkeit verbergen können. an den studenten zeigt sich, wie unser khayati völlig richtig schreibt, das ganze schlechte gewissen dieser gesellschaft (wenn auch in gestalt eines guten gewissens).

  9. 9 pimo 30. November 2009 um 12:49 Uhr

    khayati würde ich gern mal lesen, haste da nen link?

    wenn man ganzheitlich denkt, welche schicht ist dann nicht überflüssig?

    admin: hier

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