Vermischtes

Anti-Rassismus-Demo in Würzburg

Am 05.09. demonstrierten ein paar hundert- vorwiegend linksradikale- Menschen gegen die absolut inakzeptablen Zustände in der Würzburger Flüchtlingsunterkunft. Diese erste angemeldete Linksradikale Demo seit Jahren versuchte, die Flüchtlingsthematik in einen größeren Zusammenhang zu stellen und diesen auch einer breiteren bürgerlichen Öffentlichkeit zu vermitteln. Dazu gilt es, ein paar Anmerkungen zu machen:
1.Die Tatsache, dass die radikale Linke dieses Thema erst aufgreift, nachdem die menschenunwürdigen Bedingungen der Flüchtlinge bundesweit in der Presse thematisiert wurden, wirft ein schlechtes Bild auf die emanzipatorischen Kräfte. Die Taktik, Flüchtlinge am Rande der Stadt wegzusperren, damit sie einfach vergessen werden: Leider ist sie auch bei den Linksradikalen aufgegangen, und das ist- anders kann man es nicht ausdrücken- beschämend.
2.Im Vorfeld der Demonstration zeigte sich ein für alle mal, dass es diese Stadt nicht verdient hat, seine Meinungsäußerung vorher bei der Polizei anzukündigen. Die Polizeiauflagen waren beispiellos repressiv, die Berichterstattung von lokalen Medien lächerlich bis hysterisch.
3.Im Nachhinein stellte das Anarchistische Aktionsbündnis Unterfranken völlig zurecht fest, dass die nächsten Aktionen eventuell nicht mehr angemeldet werden. Warum auch? Inhalte an die WürzburgerInnen vermitteln kann man erst, wenn man eine bürgerliche Organisationsform angenommen hat. Und das will die AAU hoffentlich nicht. Wenn es um die Überwindung der Zumutungen geht, die uns diese Gesellschaftsform präsentiert, sind wir auf uns alleine gestellt.

Das Bleiberecht und der Tod

Zum Kontext der Demonstration gehört auch ein tragischer Todesfall, der sich im August diesen Jahres in Würzburg abgespielt hat: Diersam Djamiel, kurdischer Flüchtling aus Syrien, war engagiert worden, um eine Hochzeitsgesellschaft auf der „Alten Liebe“, dem Würzburger Ausflugsdampfer, zu filmen. Sein Aufenthaltsstatus, wie der von vielen Menschen, die Asyl in Deutschland suchen: Unsicher, immer in Gefahr, nicht mehr verlängert zu werden. Die notwendigen Papiere, in denen ein kleiner Stempel über ein ganzes Menschenschicksal entscheidet, sie sind unvergleichlich mit einem deutschen Personalausweis, den man sein Leben lang auf dem Amt verlängern lassen kann.
In der Mainpost las man nur von einem Unfall eines Nichtschwimmers, der seine Kameraausrüstung aus dem Wasser fischen wollte. Erst durch Spiegel Online erfahren wir, dass nicht die Kameraausrüstung, sondern Diersam Djamiels Papiere ins Wasser fielen. Er wollte seine Papiere, seine Aufenthaltsgenehmigung retten, sprang panisch ins Wasser und bezahlte mit seinem Leben.
Es ist verabscheuenswert, was die kapitalistische Menschenverwaltung ihren Objekten antut.

Die Rechte Ökobewegung in Marktheidenfeld

Am 25. und 26. September traf sich die rechtsökologische Herbert-Gruhl-Gesellschaft in Marktheidenfeld. Herbert Gruhl stand exemplarisch für die Verknüpfung von deutscher Ideologie und Ökologiebewegung. Seine Anthropologie bestand aus einem biologistischen Menschenbild, das folglicherweise auch mit völkischen Ansichten und einer panischen Angst vor Migration verknüpft war. Kein Wunder also, dass er auch in einschlägigen rechten Zeitschriften wie Nation&Europa oder der Jungen Freiheit publizierte. Die Gralshüter seines Wirkens vergeben jährlich den Herbert-Gruhl-Preis, der u.a. bereits an Robert Spaemann, Philosoph, rechter Abtreibungsgegner und- wie sollte es anders sein- Junge Freiheit Unterstützer, vergeben wurde. Die Referate auf der Tagung boten alles, was das Herz eines völkischen Ökologen begehrt: ein bisschen Lebensschutz (Rainer Klawki: „Ungeborenenschutz“), ein bisschen Heimatschutz (Volker Kempf: „Kulturverfall und Umweltschutz“) und selbstverständlich esoterischer Humbug (Petter Arras: „Über die psychischen Ursachen des paradoxen Verhältnisses des Menschen zu ihren Mitlebewesen“).
Antifa, where have you been?