Archiv für Dezember 2008

How low can it get

Wann hat sich die Mainpost denn das ausgedacht?

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18.12. Langsam kommt die rechte Weihnachtsstimmung

Glück ist ansteckend und kann sich unter Freunden und Verwandten wellenartig weiterverbreiten. Das ist das Ergebnis einer Langzeitstudie von US-Forschern, die im „British Medical Journal“ erscheint. Durch diesen Effekt entstehen Ansammlungen von glücklichen oder unglücklichen Menschen in bestimmten geografischen Gebieten oder sozialen Gruppen.

Und so weiter.

O schlichtes, o stilles entbehrungsreiches Glück. Wie ich kotzen möchte, wenn ich nur etwas gegessen hätte. Dass es so etwas wirklich gibt. Es wird wirklich jedes Jahr schlimmer, es geht alles überhaupt nicht mehr.

13.12.2008 #4: Lob der Unberechenbarkeit

Wir dokumentieren eine Äusserung der Gruppe exIL aus Würzburg.

Zu den „Krawallen“ am 13.12.2008

Im Anfang ist der Schrei. Wir schreien. Wenn wir schreiben oder lesen, vergessen wir schnell, dass im Anfang nicht das Wort ist, sondern der Schrei. Angesichts der Verstümmelung des menschlichen Lebens durch den Kapitalismus, ein Schrei der Trauer, ein Schrei des Entsetzens, ein Schrei des Zorns, ein Schrei der Verweigerung: NEIN.

Irgendetwas ist passiert, und weder wir noch unsere GegnerInnen können im Moment begreifen, was dieser Angriff auf die Würzburger Selbstgenügsamkeit bedeutet.

Zunächst ein paar strategische Anmerkungen: Für Würzburg stellt die Unberechenbarkeit der Aktion, die den ewigen Trott der Latschdemos, der langweiligen institutionalisierten Rituale und der Parteifähnchenschwenkerei hinter sich gelassen hat, etwas Neues dar. Vielleicht ist jene Desorganisation, jenes spontane Element, genau die richtige Antwort auf die Verschärfung der Versammlungsfreiheit. Die Frage, ob man sich überhaupt in irgendeine Polizeistrategie einfügen sollte, ob man überhaupt eine Demo, eine Kundgebung, eine Mahnwache, anmelden sollte, können wir seit dem 13.12. getrost mit „nein“ beantworten. Die Polizei spricht von 100 Personen, und wir wollen sie in diesem Glauben lassen. Eine angemeldete Demonstration hätte kaum mehr, wenn nicht sogar weniger Leute auf die Straße gebracht. Eine offiziöse Kundgebung wäre der Lokalpresse keine Zeile wert gewesen, und uns wären vor Langeweile die Füße eingeschlafen. KeineR von uns kann sich erklären, wer hinter der Organisation der „Krawalle“ steckt, über welche Wege die hundert Leute davon erfahren haben und wie die spontane Zusammenrottung so durchschlagend und effektiv werden konnte. Genau diese Unberechenbarkeit schüchtert auch die Polizei ein. Da gibt es keine Organisation, die man dafür verantwortlich machen kann. Es gibt keine Demo-OrdnerInnen, die man zur Rechenschaft ziehen kann. Diese Versammlung passt in kein Schema der linken Strategie. Und genau das ist ihr Vorteil.

Wenn man genau das verstanden hat, dann braucht man auch nicht mehr über die Vermittlung unserer Meinung an die BürgerInnen nachzudenken: Wir haben diesen Leuten nichts auf Flugblättern zu erklären. Unsere Wut über die Vorfälle in Griechenland und unsere Verzweiflung über die Zumutungen der Warengesellschaft sind nicht durch eine klassische „linke“ Sprache vermittelbar, die darauf hofft, bei den BürgerInnen Gehör zu finden. Es wird auf diesem Weg nicht funktionieren, und wenn doch, dann nur durch die Transformation einer radikalen Position in die Sprache einer bürgerlichen Interessengruppe. Genau deshalb müssen wir nicht „Polizeistaat“ rufen und hoffen, dass die fränkischen Bratwurstbräter in unseren Klagechor mit einstimmen. Wer verstanden hat, dass man solche Aktionen wie am 13.12. zuerst einmal für sich macht, und nicht für die deutschen BürgerInnen, und schon gar nicht für ein noch nicht einmal ansatzweise entbarbarisiertes fränkisches Landvolk, die/der hat schon viel verstanden. Obwohl wir die spontane Versammlung am Samstag keinesfalls als „Ausschreitung“ bezeichnen würden (da haben radikale Linke schon weitaus bessere Krawalle hingekriegt), hat jene temporäre Verstörung der Würzburger Prüderie anscheinend genau die Leute empört, die man damit aus ihrer Ruhe bringen wollte. Wenn in etlichen Kommentaren im Internet zu lesen ist, man solle das randalierende „Asoziale Pack“ ins Arbeitslager stecken, dann wissen wir spätestens, dass man am Samstag das Richtige getan hat. Und wenn die so genannten Würzburger Krawalle von der Ostsee bis Niederbayern in Tageszeitungen erscheinen, wessen subversives Herz lacht da nicht vor bittersüßer Freude.

Für uns gilt es nun, praktische Solidarität zu üben für unsere GenossInnen, die nach der spontanen Versammlung mit verschiedenen Vorwürfen belastet werden und bald mit den juristischen Folgen der spontanen Versammlung zu kämpfen haben. Sie benötigen unsere Zuwendung, um die kommenden Verhandlungen durchzustehen. Andererseits werden sie mit Sicherheit auch finanzielle Unterstützung benötigen.

Noch kann von niemandem wirklich begriffen werden, was der 13.12.2008. für die radikale Linke in Unterfranken bedeutet. Dieser denkwürdige Samstag bleibt für uns mit der Hoffnung verbunden, dass die Unberechenbarkeit zur Tugend wird. Dass die Aktionen der so genannten Autonomen derart unüberschaubar, unvorhersehbar, unbändigbar werden, dass sich weder Parteien mit ihnen abgeben wollen, noch dass sie in irgendeine Polizeistrategie passen würden. Wir wollen hoffen, dass an den Geist vom 13.12. angeknüpft werden kann, wenn es um die Kämpfe der Zukunft geht.

Gruppe exIL

Infoladenwuerzburg.blogsport.de

Email der Soligruppe: soligruppe@yahoo.com

13.12.2008 #3

Hahaha. Grossartig.

13.12.2008 #2

Ein lustiges Video. Bitte v.a. auch die Marktfrau beachten.

13.12.2008

Es stellt sich zunächst eine grundsätzliche, strategische Frage, und sie ist vorgestern falsch beantwortet worden.

Zunächst macht man keinen Umzug. Punkt. So etwas macht man einfach nicht. Es gibt nichts dümmeres und nichts entfremdeteres, als in einem Umzug in der Gegend herumzulaufen und seine Meinung zu äussern. Und sie am besten noch den Leuten auf Flyern zu erklären. Es gibt hier nichts zu erklären. Es gibt keine Politik zu machen.

Sich solidarisch auf die Ereignisse Griechenland beziehen, und dann als Demo durch die Gegend laufen: das erinnert mich an jene IG Metall-Demo, vor 3 Jahren, auf der man biedere Bürger sehen konnte, die auf Transparenten französische Verhältnisse gefordert haben. Etwas lächerlich. Und vor allem sehr entfremdet.

Wenn ich dagegen in der Zeitung lese, es sei zu sinnloser Gewalt gekommen, dann lacht mein kleines Herz: denn ich weiss: so etwas verdirbt nicht nur den Herren von der Linkspartei ihr demokratisches Geschäft der Seelenfängerei, sondern gibt vielleicht auch – wird man doch hoffen dürfen – insgesamt ein schlechtes Beispiel.

Eine klare Linie zur Linkspartei aber ist noch nicht gezogen und kann nicht gezogen werden, solange sich die einzelnen Personen und Gruppen ihrer wirklichen Stärke noch nicht bewusst sind und vor allem sich nicht bewusst sind der Voraussetzungen dieser Stärke. Schluss mit der Politik.

Und dennoch: was vorgestern in Würzburg geschehen ist, ist in unserer Epoche neu, und eröffnet eine neue area. Wann man die Tragweite dieser Sache überschauen können wird, weiss ich noch nicht. Wir werden es, insha2 allah, sehen.

Griechenland #2

Hiergibt es wohl neues. So richtig einen Überblick finde ich grade nicht, weiss jemand weitere links?

Griechenland

Ein willkürlicher Griff:

http://alexisg.blogsport.de/
http://el.blogsport.de/2008/12/09/griots-andreas-alexandros-grigoropoulos/
http://difficultiseasy.blogsport.de/2008/12/09/adventsstimmung/
http://infovs.blogsport.de/2008/12/08/athen-brennt-update/
http://infovs.blogsport.de/2008/12/07/athengriechenland-polizei-erschiesst-jugendlichen-schwere-riots-im-ganzen-land/

Keine Ahnung…

Waltz with Bashir

Wer den Film gesehen hat, und sich für den Libanon und den Bürgerkrieg interessiert, will vielleicht die elend lange, aber gar nicht schlechte Doku von Al Jazirah (2000) „7arb Libnan“ (15 Folgen) ansehen, die man auf video.google.com unter folgenden Adressen ansehen kann:

The War Of Lebanon – Episode 01 – Baptism of Fire
The War Of Lebanon – Episode 02 – The Roots of Conflict
The War Of Lebanon – Episode 03 – Explosion
The War Of Lebanon – Episode 04 – Death of a Country
The War Of Lebanon – Episode 05 – Damascus Intervenes
The War Of Lebanon – Episode 06 – Fire and Embers
The War Of Lebanon – Episode 07 – Zahle And The Indian Summer
The War Of Lebanon – Episode 08 – Sharon Invades
The War Of Lebanon – Episode 09 – Occupation Of An Arab Capital
The War Of Lebanon – Episode 10 – The Massacre
The War Of Lebanon – Episode 11 – Defeat of a Superpower
The War Of Lebanon – Episode 12 – Chaos
The War Of Lebanon – Episode 13 – Damascus Returns
The War Of Lebanon – Episode 14 – The Storm
The War Of Lebanon – Episode 15 – The Accord to End War

Man muss nur folgendes wissen: 2000 standen nicht nur Syrien, sondern auch Israel noch im Libanon; es war vor der al Aqsa-Intifada; vor 9/11; die Hizbu‘llah hatte ihre Waffen noch nicht nach innen gewandt, Aoun war noch in Paris, Geagea noch im Gefängnis, Jumblatt noch Freund Syriens, 7ariri noch ein lebender Halbgott. Das erklärt, das die Hizb vergleichsweise gut wegkommt, Aoun vergleichsweise schlecht, 7ariri gar nicht.

Was seitdem geschah, ist eine andere Geschichte.

Wer sich für das Innenleben der vorwiegend christlichen Miliz von Bashir Gemayel interessiert, kann die Erinnerungen von Robert Hatem („my story about Lebanon’s political underworld“ lesen; der gehörte zu den Leuten um genau den Elie Hobeika, der das Massaker in Sabra kommandiert hat. Man wird keinen unparteiischen Bericht erwarten dürfen („the story of a straight soldier who believed in the Christian cause“); wer das Buch liest, wird eigene Schlüsse ziehen müssen. Ohne Wert wird es nicht sein, wenn man nie vergisst, dass der Autor nie Bashir Gemayel, nur immer seinen ungetreuen Gefolgsleuten Schuld geben wird.

Hör‘ doch mal Radio…

Hier zwei interessante Links:

Zum einen ein Mitschnitt der Podiumsdiskussion der JungleWorld zur Finanzkrise, u.a. mit Michael Heinrich und Thomas Ebermann.

Zum anderen ein Interview mit dem Unterstützungskommitee aus Tarnac/Frankreich zu den Verhaftungen, die gegen eine herbeihalluzinierte „ultra-gauche“ gerichtet waren.

Anticomunista.net / dümmer geht ümmer

In Zeiten, in denen man nur den Kopf schütteln kann über die Staatsvergötterung der LINKEN, über den neuen Versuch, eine weitere SPD zu gründen, schaffen es die deutschen GegnerInnen dieser LINKEN tatsächlich, der Dummheit die Krone aufzusetzen.

Denn in Würzburg fühlen sich antikommunistische AktivbürgerInnen tatsächlich dazu gedrängt, über die wahren Absichten der „Linkspartei“ aufzuklären. Deshalb schmücken sie Plakate und Sticker der Linkspartei, ganz im Stile der Kommunikationsguerilla, mit Sprüchen wie „Weil Fleiß nun einmal bestraft gehört: DIE LINKE“.
Die Deutschen bleiben eben fleißig dem Wahn der deutschen Arbeit verpflichtet. Sehen sie selbst, welche geistigen Ausdünstungen die selbsternannten AntikommunistInnen produzieren.
hxxp://anticomunista.net/index.php?option=com_content&task=view&id=22&Itemid=27