Nachtrag zu den Studiengebühren

Die Studiengebühren sind eingeführt, und es ist immer noch nicht ersichtlich, dass die Angehörigen der weniger zahlungsfähigen Schichten in Massen die Universität verlassen oder gar nicht erst betreten. Diejenigen Linken, die sich auf das Feindbild der sogenannten Eliten eingeschossen haben, bringen nur zum Ausdruck, dass sie nie irgendetwas begriffen hatten: die Studiengebühren sind nicht zuerst ein Mittel zur Aufrechterhaltung der Privilegien irgendeiner Schicht, sie sind vor allem ein Mittel der Disziplinierung, oder vielmehr der Konsekration der Disziplin, aller Studierenden gleich welcher Schicht.

Wer das erste kritisiert, kann das zweite nicht mehr kritisieren. In der Auseinandersetzung zwischen fleissigen und arbeitsamen Angehörigen aufstiegsorientierter Schichten und den privilegierten rich kids haben jedenfalls Kommunist/innen keine Stimme. Die Disziplin ist es, die angegriffen werden muss, die bedrückende Arbeitsamkeit, diese gemeinsame Sache des Staates und der passiven Mehrheit.

Wer nichts anderes gefordert hat als mehr und bessere Bildung, wird nichts anderes bekommen als mehr und bessere Bildung. Der tiefe Konformismus solcher Forderungen mag für das lähmende Bewusstsein mit verantwortlich gewesen sein, dass es ja doch nichts bringe; denn es war zu greifen, dass man sich in dieser Auseinandersetzung auf demselben Boden bewegte. (1)

Der eigentliche Kampf wäre nicht der zweier Schichten, sondern der gegen die Disziplin; sowohl gegen die Unterwerfung als auch gegen die Tatsache, dass alles immer weitergeht. Diesen Kampf hat die Linke nicht verloren, sie hat ihn nicht geführt und konnte ihn nicht führen. Lässt er sich besser führen jetzt, nach ihrer Niederlage? Man wird es wissen, wenn man es versucht hat.

Immer und immer das selbe zu sagen, wie ich es hasse. How many nights I prayed for this: to let my work begin.

Von Jörg Finkenberger

1 Neoliberalismus nennen sie das ganze, Herr G*tt! Und fordern, dass Bildung keine Ware sei; dabei meinen sie nur, dass sie ihnen zu teuer ist. Kann man die Segnungen des Staates zu anderen Bedingungen haben, als er sie gibt? Genauer gesagt: mit welchem Argument will man andere Bedingungen der Hauptsache, solange man sie für eine Segnung hält.

Akademische Bildung ist nicht nur schon immer eine Ware, sie ist schlimmeres: sie ist eine Veranstaltung, mit der jedem Gegenstand noch das letzte Negative ausgetrieben wird und werden muss. Ob die Universitäten, gegen den Willen ihrer Herren, sinnvoll zweckentfremdet werden können: das ist freilich eine andere, praktische Frage. Kämpfe der Studierenden für, statt gegen, das Studium jedenfalls sind nicht verallgemeinerungsfähig und damit direkt konterrevolutionär: sie richten sich nicht gegen die Gesellschaft der Klassen, sondern bestätigen sie.