Archiv für August 2007

Geschafft!

Die Printversion der August/September-Ausgabe ist fertig gelayoutet, Ende der Woche liegt sie aus. Yes ya!

Hören & Schmecken

Die Seite für moderne Kultur

Heute gehen wir ins Konzert

Das Konzert als solches ist eine bemerkenswerte Veranstaltung. Viele Leute sitzen in einem mehr oder weniger großen Saal, seit einigen Jahren stehen diese – vor allem die jüngeren Leute – auch herum, und haben Freizeit, die sie mit dem Konsum von Geräuschen zu füllen gedenken. Diese Geräusche hinwiederum werden von anderen Leuten fabriziert, welche dabei zumeist arbeiten und zu diesem Zweck auf einem ausreichend großen Raum, der Bühne – idealerweise frontal zum Publikum ausgerichtet, mit allerlei Gerätschaften hantieren. Das Schallwellenausstoßen ist dann Kunst, das ist weder Arbeit noch Freizeit, aber doch auch irgendwie beides. Auf jeden Fall sollte alles so eingerichtet sein, daß das Auditorium hören kann, dabei ausreichend Platz hat und nicht über die Maßen durch harte Sitze oder Witterungseinflüsse gequält und so an der Hörtätigkeit gehindert wird. Die Künstlerinnen und Künstler dagegen dürfen gerne durch Scheinwerfer geblendet und in irgendwelche albernen Kostüme gesteckt werden, so sie nur ausreichend Raum für das Instrumentieren haben. Dieser Platz wiederum hängt von der Beschaffenheit des Klangerzeugers ab, der zum Einsatz kommen soll: Posaunen, gestrichene Kontrabässe und die beim Jazz und der Beatmusik stets vorausgesetzten Schlagzeuge brauchen mehr Fläche als so ein Hemd von Tenor der halt bloß nicht erkältet sein darf.

Ja, so ist das idealiter. Aber die Wirklichkeit! Beginnen wir mit der offiziellen Hochkultur. Das Stadttheater, ach ja äh, Mainfranken Theater, ist ein Ort, an dem man beim Lauschen der dort regelmäßig gegebenen Symphoniekonzerte sitzen und zudem ganz ruhig sein muß. Der Bau ist modern, die Sitze bequem, lästig bloß die Diskussionen unter den im Sonntagsstaat angerückten kunstbeflissenen Franken, ob das gute Eintrittsgeld nicht doch für eine Mundartkomödie hätte ausgegeben werden sollen. Der Beifall beim Einströmen des Ensembles und endlich auch des höchstselbst den Taktstock schwingenden Generalmusikdirektors beendet all solche Debatten. Jetzt wird aber nicht gekleckert, sondern mit Mahlers Auferstehungssymphonie richtig geklotzt: Große Besetzung, Chor, zweites Orchester vor der Türe, Gesangssolistinnen. Also etwa zweimal so viele Leute (die übrigens wirklich arbeiten und also auch Geld bekommen), wie die Bühne vernünftigerweise fassen könnte. Jetzt hebt ein Gerutsche und Füßetreten und Violinenbogengesteche an, das so schön mit der Feierlichkeit der Mahlerschen Auseinandersetzung mit der Endlichkeit des irdischen Daseins und eben der Wiederauferstehung des Menschen kontrastiert, daß es eine wahre Freude ist. Nach knapp eineinhalb Stunden Sitzen, ohne Pause und mit einem zunehmend schmerzenden Knie und somit dem Verfall der Leiblichkeit schon dringlich gewahr, lausche ich andächtig dem Chor beim Schlußsatz:

Aufersteh’n, ja aufersteh’n wirst du,
mein Herz, in einem Nu!
Was du geschlagen,
zu Gott wirst du es tragen.

Mich trug mein Herz – am Arme meiner Liebsten – in den nächstgelegenen Biergarten… Aber sehr schön ist es gewesen, das Konzert mein ich; im Biergarten schon auch, aber das Konzert war halt so richtig schön.

Nächstens wollte ich zur Session der Studenten der Jazz Abteilung der Hochschule für Musik. Dies Ereignis findet jeden Montag in einem hiesigen Veranstaltungsort mit einiger Tradition, dem OMNIBUS statt. Wie immer etwa eine halbe Stunde nach dem offiziellen Termin – 21h – und somit etwa ½ Stunde vor den Musikern (so ist das dort Brauch) steuere ich zunächst zum Tresen. Nichts da! Eine unüberschaubare Menge Leute mit Blasinstrumenten aller Art drängen sich derart auf dem kleinen Bühnchen, daß sich ein Vorbeischleichen zum Bierausschank schwierig gestaltet. Im Kellergewölbe ist dann genug Platz für das Publikum, ausgiebig mit Gläsern herumzufuchteln und den Künstlern und der einen Künstlerin beim Tuten und Tröten zuzuhören und dabei zudem die Ausweichbewegungen der armen Saxophonisten, welchselbige direktemang vor den Posaunen zu sitzen gekommen waren, zu kommentieren. Die Big Band der Musikhochschule! Schon auch sehr schön. Also: Wirklich richtig gut! Aber ob die Studiosi auch gutes Geld bekommen – Eintritt wollten sie dieses Mal haben – weiß ich jetzt nicht, immerhin ist Studium ja nur Einüben von Arbeit…

Daß ich dann im IMMERHIN (Diese location muß ich hier ja nicht erst vorstellen) beim Konzert von Kids Explode wieder mal gestapelte Musiker auf zu kleiner Bühne vor einem Publikum mit ausreichend Platz für raumgreifende Tanzschritte (die niemand wagte) zu sehen bekam, kam nun nicht unerwartet. Das Konzert war ganz ausgezeichnet und ich trank noch am Tresen mit einem der Herren musici, der war auch sehr nett. Die Frage nach Kunst und Freizeit und Arbeit und dem Geld habe ich höflicherweise nicht gestellt. Es gab da noch eine zweite band, der Eintritt war niedrig und viel Leute waren nicht dorten gewesen; sonst hätten sie ja nicht getanzt weil sie nicht hätten können und nicht, weil sie nie nicht gewollt hatten.
Tja, aber jetzt endlich zur Küche: Alles durcheinander, aber doch etwas gemein: wenig Platz nämlich. Hm. Das muß ein Eintopf sein. Für einen Eintopf, an dem die entlegensten Dinge zusammen kommen, der auch noch, nun ja: günstig ist, und der zudem nur so ungefähren Regeln gehorcht, suche ich im Fundus meiner Rezepte aus der alten Heimat, von wo ich einst den Schritt in die Mainfrankenmetropole getan hatte: Schwaben. Ja, ein eigenartig Völklein mit noch eigenwilligerer lokaler Küche. Voila!

Der Gaisburger Marsch.
In einem Topf etwa ein Pfund Fleisch mit zwei klein geschnittenen Zwiebeln kurz anbraten, dann mit Weißwein ablöschen mit etwa 2 l Brühe aufgießen und kochen. Nach etwa einer Stunde eine ganze Zwiebel, zwei grob gewürfelte Karotten, etwas Sellerie, reichlich Petersilie dazu geben. Etwa vier mittelgroße Kartoffeln schälen und in Schnitze schneiden und fast gar kochen. Aus drei Eiern, drei gehäuften Eßlöffeln Mehl, einem Kaffeelöffel Salz und einem Schuß Milch einen Spätzleteig rühren. Die Spätzle mit Hilfe eines „Spätzlehobels“ in kochendes Salzwasser tropfen lassen, aus dem Schaum heben und dann gemeinsam mit den Kartoffeln in die Fleischbrühe geben, darin noch ein Weilchen ziehen lassen, dann servieren.
Varianten mit diversem Gemüse sind zahllos denkbar und auch verbreitet.
Meine Damen und Herren, dieses Gericht existiert tatsächlich und wurde nicht von mir grad zur Gaudi erfunden. Bei unseren südwestlichen Nachbarn fällt es unter die Kategorie „faschd a g’scheids Ässa“.
Gell?

Mahlzeit wünscht
Rainer

Das nächste mal dann wirklich vegetarisch und mit verschiedenem Zeuchs in verschiedenen Töpfen und Pfannen. Ich versprechs!